„Brühe” im Bach: Streit um den Klärschlamm von Gräfenbuch | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.09.2025 14:06

„Brühe” im Bach: Streit um den Klärschlamm von Gräfenbuch

Auf der Baustelle am alten Klärteich zwischen Gräfenbuch und Unterheßbach herrscht reger Betrieb. (Foto: Winfried Vennemann)
Auf der Baustelle am alten Klärteich zwischen Gräfenbuch und Unterheßbach herrscht reger Betrieb. (Foto: Winfried Vennemann)
Auf der Baustelle am alten Klärteich zwischen Gräfenbuch und Unterheßbach herrscht reger Betrieb. (Foto: Winfried Vennemann)

Die Videos von CSU-Gemeinderat Hans Merk gingen viral und sorgten vor allem bei Landwirtinnen und Landwirten für Aufregung. Sie zeigen den aufgelassenen Klärteich des Lehrberger Ortsteils Gräfenbuch und den Klärschlamm darin. Die Botschaft Merks: Die „Brühe” aus dem Schlamm sickert ins Grundwasser oder landet gleich nebenan im Sulzbach.

CSU-Mann Merk, der selbst Landwirt ist, verweist in dem Video darauf, welche strengen Vorgaben das Wasserwirtschaftsamt im Hinblick auf Gülle oder Silo-Säfte der Landwirtschaft macht. „Aber wie sieht es aus, wenn die öffentliche Hand selbst baut?”, fragt er und lässt das Objektiv seines Handys über den alten Klärteich und die Baustelle für das Abwasser-Pumpwerk und die Druckleitung zur Lehrberger Kläranlage schweifen. „Das haut den Frosch zum Weiher raus”, sagt der Gemeinderat und erklärt, dass in Gräfenbuch unreguliert Abwasser in einem Fließgewässer lande und tonnenweise Klärschlamm vor Ort verbleibe.

Die insgesamt vier Videos Merks jedenfalls sorgten vor allem unter Landwirtinnen und Landwirten für einen regelrechten Shitstorm. Gleich reihenweise landeten Anrufe von erbosten Bäuerinnen und Bauern in der FLZ-Redaktion. Und Reinhold Meyer, Kreisobmann des Bauernverbandes, erklärte auf Anfrage der FLZ, das sei „ein Schlag ins Gesicht für uns Landwirte”. Auch bei ihm habe das Telefon nicht mehr stillgestanden. Die Landwirtinnen und Landwirte würden selbst bei Problemen mit kleinsten Siloflächen gleich angezeigt, man mache die Landwirtschaft für die Blaualgen-Probleme im Seenland verantwortlich und nun das.

Bei Düngung lückenlose Dokumentation nötig

Zur Tatsache, dass Klärschlamm in der Landwirtschaft als Dünger Verwendung findet, sagte Meyer: „Das passiert nur auf Flächen, die nicht der Nahrungsmittelproduktion dienen, zum Beispiel für die Biogasanlagen.” Außerdem sei die Menge streng begrenzt, und der Schlamm werde auf Phosphat, Stickstoff und Schwermetalle untersucht. Die Betriebe müssten das laut Düngeverordnung auch lückenlos dokumentieren.

Der Chef des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach (WWA), Thomas Keller, bestätigte auf Anfrage, dass es in Gräfenbuch zu einem kleineren Umweltschaden gekommen sei. Ein Schacht sei undicht gewesen, das sei aber schnell wieder abgedichtet worden. Und der Schlamm werde natürlich abgefahren und beseitigt.

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Bürgermeisterin: „Abgeklärt, dass alles in Ordnung ist.”

Lehrbergs Bürgermeisterin Renate Hans erklärte auf FLZ-Anfrage, die Videos über Dritte ebenfalls bekommen zu haben. „Am Tag drauf, in meinem Urlaub, habe ich mich mit den Leuten vom Ingenieurbüro zusammengesetzt und abgeklärt, dass alles in Ordnung ist.” Auch sie bestätigt, dass es wegen der Erdbewegungen zu einer Undichtigkeit gekommen ist. Als das Wasserwirtschaftsamt einen Tag darauf vor Ort war, sei die beschädigte Stelle bereits wieder abgedichtet gewesen. Das WWA habe dann sicherheitshalber noch Messungen durchgeführt.

Und was den verbliebenen Klärschlamm angeht, verweist die Bürgermeisterin darauf, dass eine größere Menge als erwartet angefallen sei. „Das verursacht Mehrkosten, die ich mir erst vom Gemeinderat absegnen lassen muss.”

Was die Behauptungen in den Videos angeht, geht die Bürgermeisterin jetzt in die Offensive. Für die Sitzung des Marktgemeinderates am Montag, 8. September, hat sie die Tagesordnung geändert, es steht nur noch das Thema Klärschlamm Gräfenbuch drauf. Für die Sitzung hat sie zudem Fachpersonal vom Wasserwirtschaftsamt, vom Landratsamt und vom Planungsbüro eingeladen. Und weil der Sitzungssaal in Lehrberg ziemlich eng ist und Renate Hans hofft, dass auch viele Bürgerinnen und Bürger dabei sein wollen, wird die Sitzung ab 19.30 Uhr in der Aula der Mittelschule stattfinden.


Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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