Es war eine Party der besonderen Art am Halloweenabend. Am Freitag lud das Blaue Kreuz zur ersten Blue Rap Night in den großen Gemeindesaal in Ansbach. Die Künstler kamen aus ganz Deutschland, um gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern in einem sicheren Rahmen zu feiern.
Die Rap- und Hip-Hop Szene, insbesondere der Deutsch-Rap, wird in der Öffentlichkeit oft mit Gewalt, Aggression, Straftaten und Schimpfwörtern assoziiert. Gleichzeitig gilt christliche Musik in vielen Köpfen immer noch als langweilig, altbacken und klassisch angehaucht.
Mit all diesen Klischees räumte die Blue Rap Night am Freitagabend ordentlich auf, denn alle Künstlerinnen und Künstler des Abends brachten in ihren Texten und Songs eine christliche Message mit und bewiesen, dass Rap und Glaube durchaus miteinander harmonieren.
Die Idee für das Event stammt von Matthias Haager. Als Teil der christlichen Gemeinde höre er selbst sehr gerne Gospelrap und Hip-Hop-Musik und wisse, dass die christliche Szene in dem Genre sehr groß sei, erklärte er. Das Ansbacher Blaue Kreuz sei sofort begeistert gewesen und unterstützte in der Organisation, die Haager mit anderen Gemeindemitgliedern ehrenamtlich übernahm.
Das Blaue Kreuz steht mit zwei Säulen in der Gesellschaft: die Suchthilfe und die christliche Gemeindearbeit. Für Pastor Lukas Schwesig gehören beide Teile eng zueinander, denn viele Suchtkranke, die sich ans Blaue Kreuz wenden, verlieren durch den Wegfall der Suchtmittel auch ihren gewohnten Umgangskreis und müssen sich neue und gesunde Beziehungsalternativen suchen, um nicht wieder in alte Muster zu verfallen. Hier biete die Gemeinde eine gute Möglichkeit, um die Menschen aufzufangen, so Schwesig.
Auch er sei von der Konzertidee begeistert gewesen und freute sich über den großen Zulauf der jungen Leute, die im Gemeindesaal einen sicheren Rahmen, ohne Suchtmittel, fanden und ihre Lieblingsmusik feiern konnten. Statt Bier und Co. gab es Wasser, Spezi oder Limo und keiner der über 100 Besucherinnen und Besucher störte sich daran. Jung und Alt feierten euphorisch die Künstler auf der Bühne, die aus ganz Deutschland anreisten.
Die vier Rap-Acts E.R., Tayori, Sign.N. und die One Love Fäm., der Ansbacher Beatboxer Ibeat und DJ Johnny Sox stürmten die Bühne. Sie alle bewiesen, dass Rap-Musik so viel mehr kann. Sie erzählt Geschichten, ist vielseitig und persönlich. Einige Künstler auf der Bühne erzählten von ihren Erfahrungen und ihrem steinigen Weg zum Glauben, ohne jedoch missionieren zu wollen.
Der krönende Abschluss war der Auftritt der One Love Fäm, mit dem erfolgreichen Ansbacher Szene-Rapper Jermaine Dobbins, die mit Songs, wie „Supadrip“ oder „Spuren im Sand“ das Publikum mitrissen. Die Feedback-Wand im Saal fasste die Veranstaltung perfekt zusammen: Die positive Seite war prall gefüllt, auf der „Geht noch besser“-Seite stand lediglich ein Wort: „Nix!“