Zusammen mit der Landtagswahl werden in Bayern am 8. Oktober auch die sieben Bezirkstage gewählt. In Mittelfranken stellen sich dabei 13 Parteien zur Wahl.
Allerdings treten nur zwölf davon auch mit einem Direktkandidaten im Stimmkreis 506 (Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen) an. Die Liste WiR hat keinen Erststimmen-Kandidaten nominiert. WiR ist das Kürzel für „Windsheimer und Ortsteilbürger ins Rathaus“ um den Bad Windsheimer Bürgermeister Jürgen Heckel; die Gruppierung will die Unterrepräsentation des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim im aktuellen Bezirkstag beenden. Dieser Landkreis ist momentan überhaupt nicht im 33-köpfigen Gremium vertreten. Aus dem Landkreis Ansbach kommen derzeit vier Bezirksräte, aus der Stadt Ansbach zwei.
Insgesamt bewerben sich 260 Frauen und Männer um einen der – mindestens – 24 Sitze im Bezirkstag. In den Stimmkreisen 506 stehen davon die besagten zwölf Direktkandidaten auf dem kleinen Erststimmen-Zettel, die anderen 248 auf dem Zweitstimmen-Zettel.
Bei der Wahl 2018 hat der frühere Merkendorfer Bürgermeister Hans Popp für die CSU das Direktmandat im Stimmkreis Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen geholt. Der Vater von zwei Kindern, der sich unter anderem im Vorstand der Lebenshilfe Ansbach und des Landschaftspflegeverbandes Mittelfranken engagiert, hat schnell feststellen müssen, dass man als Bezirksrat immer erst erklären muss, was der Bezirk eigentlich tut.
Die dritte kommunale Ebene führt ein Schattendasein in der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei seien die Aufgabengebiete „Soziales, Gesundheit, Bildung, Umwelt und Natur, Kultur und Europa“ aus Sicht Popps ein Abbild des täglichen Lebens. Fast 90 Prozent des Bezirkshaushalts mit einem Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro fließen in den Sozialetat. Der Bezirk finanziert unter anderem die Werkstätten, Tagesstätten und Wohnheime für Menschen mit Behinderung.
In der Region gebe es etliche Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder mit psychischen Erkrankungen. Beispielhaft nennt er unter anderem die neuen Wohnheime in Merkendorf. und Wassertrüdingen. Der Bezirk zahlt hierfür Investitionszuschüsse und finanziert den Betrieb.
Hans Popp ist Beauftragter des Bezirkstages für die landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf. „Die Zusammenstellung der unterschiedlichen Bildungsangebote dort ist einzigartig in Deutschland“, stellt er fest. Eine Weiterentwicklung sichere die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raums. Geplant sind der zweite Bauabschnitt des Fachzentrums für Energie- und Landtechnik, ein Schülerwohnheim und eine neue Mensa. Diese Investitionen stärkten den Stimmkreis, so Popp.
Eine weitere wichtige Einrichtung ist für ihn die Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl. Neben der Bildung sieht er den Bereich Umwelt und Natur als Schwerpunkt.
Die zunehmende Zahl an psychischen Erkrankungen in allen Altersstufen bei einem gleichzeitigen Mangel an Therapieplätzen und Beratungsstellen macht Grünen-Kandidatin Katharina Sparrer Sorgen. „Das Hilfenetz ist vor allem in ländlichen Regionen löchrig“, sagt die 26-jährige Dinkelsbühlerin. Eine gute psychiatrische und neurologische Versorgung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist deshalb eines ihrer politischen Ziele.
Eine wohnortnahe und menschenwürdige Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf sowie Teilhabe in allen Bereichen des Lebens müssten auch in ländlichen Regionen gegeben sein, fordert die Sonderpädagogin darüber hinaus. Gerade in Krisenzeiten sei eine solidarische Sozialpolitik besonders wichtig, findet Sparrer, die sich auch als Sprecherin der Grünen Jugend in Bayern engagiert. Der Bezirkstag als überörtlicher Sozialhilfeträger könne Abhilfe bei einer drohenden sozialen Schieflage leisten.
Nach dem psychosozialen Grundsatz „ambulant vor stationär“ will sich die Grünen-Politikerin im Falle ihrer Wahl dafür einsetzen, dass ambulante Dienste und dezentrale Angebote der psychiatrischen Versorgung in ländlichen Gebieten gestärkt werden. Im Stimmkreis sei zudem die Förderung von sozialem Wohnungsbau und inklusivem, barrierefreiem Wohnen erforderlich.
Die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung müsse höchste Priorität haben. Deshalb sei es ihr ein wichtiges Anliegen, Bedarfsermittlungsprozesse weiterhin auf Niedrigschwelligkeit und Bedarfsorientierung hin zu überprüfen. „Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, eine gute Versorgung und Selbstbestimmung sind Grundrechte eines jeden Menschen und für mich damit vor allem eines: Sie sind nicht verhandelbar!“
Katharins Sparrer steht auf Platz 9 der mittelfränkischen Bezirkstagsliste. Aktuell gibt es fünf Bezirksräte der Grünen.
Für die SPD im Stimmkreis Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen geht diesmal Paul Pfeifer ins Rennen um das Direktmandat, nachdem Christa Naaß nicht erneut antritt. Der 32-Jährige ist von Beruf Notfallsanitäter und wohnt in Gunzenhausen. Dort ist er seit 2020 auch Mitglied des Stadtrates. Außerdem steht er an der Spitze der Jusos im Nachbarlandkreis.
Als Notfallsanitäter nennt er die Gesundheitspolitik als erstes wichtiges Thema. Er spricht sich klar gegen eine Privatisierung der Bezirkskliniken aus und fordert, dass die flächendeckende psychiatrische Versorgung weiter ausgebaut werden müsse.
Die im Bau befindliche psychosomatische Klinik in Treuchtlingen sei „ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, so Pfeifer. Im südlichen Landkreis Ansbach sieht er ebenfalls Defizite und kann sich beispielsweise im Raum Dinkelsbühl und Wassertrüdingen weitere Standorte des Bezirksklinikums gut vorstellen.
Ausdrücklich lobt der Sozialdemokrat die „gute SPD-Arbeit gegen Rechts“, die vorangetrieben werden müsse. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss er kategorisch aus.
Der Bezirk als dritte kommunale Ebene sei in der Öffentlichkeit leider viel zu wenig Bekannt, beklagt Paul Pfeifer gegenüber der FLZ. „Wir brauchen Politiker, die die Kommunikation in die Öffentlichkeit suchen.“
Aus seiner Sicht sei es wichtig, dass sich auch auf dieser politischen Ebene junge Menschen engagieren. Dass er selbst mit seinen 32 Jahren in diese Gruppe fällt erwähnt er nicht eigens. Unterfinanziert ist aus seiner Sicht der Zweckverband Altmühlsee. Hier müsse sich der Bezirk finanziell deutlich stärker engagieren.
Die SPD stellt derzeit vier Bezirksräte. Auf der mittelfränkischen Kandidatenliste steht Paul Pfeifer auf Platz 9.
Marco Meier aus Ornbau ist mit gerade einmal 30 Jahren der jüngste Bürgermeister in Mittelfranken. Politisch engagiert sich der Direktkandidat der Freien Wähler schon seit etlichen Jahren und sein Tatendrang ist ungebremst.
„Die Hauptausgaben des Bezirks fließen in den sozialen Bereich, was von hoher Bedeutung ist“, stellt Meier fest. Doch daneben dürfen aus seiner Sicht auch die Bereiche Heimatpflege, Bildung und Tourismus nicht vergessen werden. So will er sich im Falle seiner Wahl für die Kulturförderung einsetzen. Meier nennt die Felder Denkmalschutz („um unsere Geschichte zu erhalten“) und Regionalpartnerschaft („als Zeichen für Europa“). Auch Sport, Ehrenamt und Bildung listet er auf.
Die Weiterentwicklung der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf seien für die Region ebenso bedeutsam wie die vom Bezirk unterhaltenen Schulen (unter anderem die Technikerschule in Ansbach oder die Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl). Aber auch der Bezirksjugendring und Verbände bräuchten Unterstützung.
Im Bereich Tourismus will sich der Freie Wähler für die weitere Unterstützung des Fränkischen Seenlandes durch den Bezirk einsetzen. „Jeder Cent, der in den Tourismus investiert ist, stärkt den Wirtschaftskreislauf in unserer Heimatregion und entwickelt sie lebens- und liebenswert weiter.“ Davon profitierten auch die Gemeinden im südlichen Landkreis Ansbach.
Als Bürgermeister und Kreisrat wisse er um die Bedeutung der Vernetzung mit dem Bezirk als dritter kommunaler Ebene, sagt Meier. Durch ein Zusammenwirken ließe sich die Region am besten voranzubringen. Der 30-Jährige macht sich für eine Senkung des Altersdurchschnitts stark und will „für frischen Wind sorgen“.
Allerdings sind seine Chancen gering. Die FW haben derzeit vier Bezirksräte, Meier steht auf Listenplatz 8.
Die AfD hat vor fünf Jahren aus dem Stand 9,8 und 9,7 Prozent der Erst- und der Zweitstimmen in Mittelfranken geholt. Damit durfte sie drei Vertreter in den Bezirkstag entsenden und konnten eine eigene Fraktion bilden. Favorit für das Direktmandat im Stimmkreis Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen ist zwar CSU-Kandidat Hans Popp, aber die Chancen für Siegfried Lang stehen gar nicht schlecht. Denn seine Partei hat den 59-Jährigen auf Listenplatz 2 gesetzt.
Lang kommt aus Burgsalach, einer kleinen Gemeinde auf dem Jurahochgebiet bei Weißenburg. Von Beruf ist er Industriekaufmann, jedoch ist er schon lange als selbstständiger Kaufmann tätig. Bevor er Mitglied der AfD wurde, war Siegfried Lang in der CSU und dort sogar Vorsitzender des Ortsverbandes Jura.
„Im Bezirkstag werde ich mich, im Rahmen der Möglichkeiten des Bezirks, für die Erhaltung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung einsetzen“, kündigte er gegenüber der FLZ an. Darüber hinaus sei ihm der Erhalt der mittelfränkischen Kultur und der entsprechenden Einrichtungen sehr wichtig, betont der 59-Jährige.
„Aber nicht zuletzt müssen die Finanzen des Bezirks auf den Prüfstand und die Ausgaben auf ihre Notwendigkeit und ihre Effektivität geprüft werden um die Bezirksumlage zu senken und unsere Bürger zu entlasten“, kündigt er an. Eine solche Entlastung käme allerdings nur auf Umwegen bei den Bürgern an. Der Bezirk bekommt sein Geld von den Landkreisen und kreisfreien Städten. Die müssten bei einer niedrigeren Umlage weniger Geld überweisen.
Warum kandidiert Siegfried Lang für den Bezirkstag? „Engagement ist auf allen politischen Ebenen wichtig, denn überall soll der Wille des Souveräns, der Wähler, umgesetzt werden.“
Als Sozialarbeiterin mit Berufserfahrung in einer Tagesstätte für psychisch kranke Menschen und in der beruflichen Rehabilitation, kommt Linken-Kandidatin Nadja Gschwendtner aus einem Berufsfeld, das ohnehin viel mit dem Bezirk zu tun hat. Daher weiß sie aus erster Hand, „dass der Bedarf hier weit größer ist, als es die psychosoziale Versorgungslage auf dem Papier abbildet“.
In den vergangen Jahren sei eine „Politik der sozialen Kälte“ betrieben worden, die gerade den Hilfs- und Schutzbedürftigen besonders zugesetzt habe. Deshalb nennt die 32-Jährige als größtes Anliegen, „Kürzungen zu verhindern und die Ausstattung mit angemessenen finanziellen Mitteln voranzutreiben“. Niemand der Hilfe benötige solle mit einem Nein aus Kostengründen abgespeist werden. Wer mit akuten Problemen schnell Hilfe benötige, dürfe nicht Monate auf einen Termin warten müssen. Hier sei ein Ausbau der Kapazitäten notwendig.
Auch auf die erforderlichen Fachkräfte und deren Arbeitsbedingungen sorgt sich Nadja Gschwendtner. Darüber hinaus dürften auch die Kultur- und Heimatförderung „als sinn- und gemeinschaftsstiftendes Element“ nicht vernachlässigt werden.
Die Bezirksebene macht aus Sicht der Treuchtlingerin die Daseinsvorsorge für jeden konkret erlebbar. „Hier entscheidet sich, ob sich jemand von staatlicher Seite gut unterstützt oder im Stich gelassen fühlt, etwa im Fall einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung.“ Menschen mit Behinderung und eingeschränkter Mobilität werde die soziale Teilhabe unter anderem durch einen lückenhaften öffentlichen Nahverkehr oder auch durch schlechte Bezahlung erschwert.
Die Linke stellt aktuell zwei Bezirksräte. Gschwendtner steht auf Listenplatz 19.
„Der Bezirk Mittelfranken ist für die Versorgung der Menschen in schwierigen Lebenslagen zuständig und hat daher einen großen Einfluss auf die Lebensqualität vieler Bürgerinnen und Bürger“, findet die FDP-Kandidatin Claudia Teichert. Sie wolle sich im Falle ihrer Wahl für die bedarfsgerechte Versorgung der Menschen einsetzen. Ob mit oder ohne Beeinträchtigung solle jeder die Möglichkeit haben, „ein möglichst selbstbestimmtes und autonomes Leben führen“ zu können, findet die 39-jährige Weißenburgerin.
Dennoch sei es wichtig, einen „schlanken und effizienten Bezirk“ zu haben, um „wirtschaftliches und kostengünstiges Verwaltungshandeln sicherzustellen“, findet die FDP-Kandidatin, die in ihrer Heimatstadt auch Vorsitzende des Ortsverbandes ist.
Aus Sicht der Kommunikationsdesignerin ist der Bezirk im südlichen Landkreis Ansbach und im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bereits jetzt stark engagiert. Sie verweist auf das landwirtschaftliche Bildungszentrum in Triesdorf. Dieses ziehe jedes Jahr tausende Fachleute an und „wird weiter ausgebaut“.
Mit hohen Zuschüssen im sechsstelligen Bereich fördert der Bezirk zudem die Zweckverbände Altmühlsee und Brombachsee. Damit werde das Naherholungsgebiet attraktiver – auch für Menschen mit Einschränkungen, wie Teichert explizit betont.
Sie erwähnt als positives Beispiel den laufenden Bau der psychosomatischen Fachklinik in Treuchtlingen durch das Bezirksklinikum. Und sie weist auf den Landschaftspflegeverband hin, über den der Bezirk zum Erhalt der Kulturlandschaft unter anderem rund um den Hesselberg beitrage. Dazu kämen „Zuschüsse zu Kultur, Museen, Umweltschutz, Brauchtums- und Denkmalpflege“.
Die FDP ist aktuell mit einem Mitglied im Bezirkstag vertreten. Claudia Teichert hat Listenplatz 9.
Als wichtigste Themen des Bezirkstages sieht Dr. Johannes Rank die Bezirkskliniken, die sozialen Hilfen und die Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf, wie er gegenüber der FLZ schlaglichtartig anreißt. Er selbst arbeitet als Arzt im Gesundheitsamt in Eichstätt, vorher war er im Weißenburger Gesundheitsamt tätig und hat allein durch seine Arbeit einen guten Überblick über die medizinische Versorgung n der Region.
„Bei den Bezirkskliniken und den sozialen Hilfen ist mir wichtig, dass diese finanziell nachhaltig und mit Augenmaß betrieben werden“, sagt der 55-Jährige. Die vorhandenen Mittel sollten aus seiner Sicht nicht nach dem Gießkannenprinzip eingesetzt werden, sondern alle Maßnahmen sollten daraufhin überprüft werden, ob sie den Betroffenen beziehungsweise den Beschäftigten zugute kommen und auch dauerhaft aufrechterhalten werden können, findet Johannes Rank.
Bei der Landwirtschaftlichen Lehranstalt möchte sich der ÖDP-Kandidat für eine komplette Umstellung auf ökologische Landwirtschaft einsetzen. Die konventionelle Landwirtschaft ist aus seiner Sicht ein Auslaufmodell.
Die Aufgaben des Bezirks seien zwar eingeschränkt, aber dennoch „von entscheidender Bedeutung, wenn Menschen von einer Behinderung betroffen sind, unter einer psychischen Krankheit leiden oder in eine soziale Schieflage geraten“, gibt Rank zu bedenken. „Dies zu begleiten und zu gestalten, ist eine politisch wichtige und interessante Aufgabe, der ich mich mit Überzeugung stelle.“
Es unterstütze es ausdrücklich, dass Einrichtungen des Bezirks nicht nur zentral im Nürnberger Ballungsraum, sondern auch in der Fläche angesiedelt werden. Angebote wie psychiatrische Ambulanzen sollten aus seiner Sicht weiter ausgebaut werden.
Die ÖDP stellt derzeit eine Bezirksrätin. Dr. Johannes Rank hat Listenplatz 14.
Jörg Heise tritt für die Partei für Franken im Stimmkreis Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen als Direktkandidat an – und zwar sowohl für den Bezirkstag als auch für den Landtag. Heise kommt zwar gar nicht aus dem Stimmkreis, sondern wohnt in Roth, doch das Wahlrecht schreibt nicht vor, dass man seinen Wohnsitz im jeweiligen Stimmkreis haben muss.
Die Frankenpartei, wie sie gemeinhin genannt wird, hat sich 2009 gegründet mit dem Ziel Franken zu stärken. Sie bemängelt ein Nord-Süd-Gefälle in Bayern, will sich aber nicht vom Freistaat Bayern lossagen und ein eigenes Bundesland Franken gründen. Über so etwas wolle man nur nachdenken, wenn eine generelle Neugliederung der Bundesländer anstünde. Bei der Wahl 2018 holten Die Franken zwar nur 1,1 Prozent, wegen der vielen erforderlichen Überhangmandate reichte das aber, um mit einem Vertreter in den Bezirkstag einzu ziehen. Dies war Robert Gattenlöhner der mit der Fraktion der Freien Wählern kooperiert.
Gegenüber der FLZ kündigte der 68-jährige Heise an, er wolle die Wirtschaft in der Region stärken sowie fränkische Traditionen bewahren. „Fortschritt und Tradition schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern gehen idealerweise Hand in Hand.“ Sowohl in der Wirtschaft als auch in der Außendarstellung Frankens bestehe Handlungsbedarf.
Wie das über die Zuständigkeiten des Bezirks geschehen könnte, ließ der Kandidat in seiner schriftlichen Stellungnahme offen. Heise ist von Beruf Staatswissenschaftler und Diplom-Ingenieur-Ökonom.
Als weiteres Ziel nennt er den Natur- und Umweltschutz. „Wir leben in einer der liebenswertesten Regionen überhaupt.“ Diese gelte es zu erhalten.
Heise lebte über 30 Jahre im fränkischen Teil Thüringens. Seit knapp 15 Jahren hat er in Mittelfranken seine Heimat gefunden hat.
Mit dem Listenplatz 13 stehen die Chancen für Heise auf einen Einzug in den mittelfränkischen Bezirkstag eher schlecht.
Den Piraten ist bei der Landtagswahl ein formaler Fehler unterlaufen, weshalb sie dort nun nicht zugelassen sind. Für die Bezirkswahl gilt das nicht. Hier treten sie an und mit Peter Reitmaier aus Gunzenhausen kommt der mittelfränkische Spitzenkandidat aus dem Stimmkreis Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen.
Der 36-jährige, der für die Piraten auch im Stadtrat von Gunzenhausen sitzt und Vater von drei Kindern ist, nennt als wichtige politische Themen, für die er sich einsetzen will, die Förderung von erneuerbaren Energien und Klimaschutz, Landwirtschaft und Natur sowie Soziales.
Mit Ausnahme des letzten Punktes sind das alles keine primären Aufgaben des Bezirks. Was die Landwirtschaft angeht, findet Reitmaier den Ansatz über die Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf, die „Bauern bei der Umstellung auf umweltfreundliche Anbaumethoden“ unterstützen könnten.
Ansonsten finden sich auf der Agenda des Piraten-Politikers Themen, die eher auf Landesebene angesiedelt sind: Zugang zu Bildung, Qualität der Gesundheitsversorgung, bezahlbarer Wohnraum. Er schlägt verschiedene Förderungen durch den Bezirk vor. Außen vor lässt Reitmaier dabei, dass der Bezirk seit Jahren unter leeren Kassen und unter den Klagen von kreisfreien Städten und Landkreisen leidet, die Bezirksumlage sei zu hoch.
Mit seinem politischen Engagement will Reitmaier auch andere ermutigen, sich einzubringen. „Insgesamt bietet die politische Ebene des Bezirkstages eine einzigartige Gelegenheit, direkten Einfluss auf die Politik und die Entwicklung der eigenen Region zu nehmen“, findet er. Sein Wissen im Bereich Elektrotechnik und Energieinformatik biete die Basis, um die Energiewende auch im Bezirksrat begleiten zu können.
Die Piratenpartei ist aktuell nicht im Bezirkstag vertreten.
Horst Wester, der für die „Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz“ sowohl für den Bezirkstag als auch für den Landtag antritt, verweist auf die Frage nach seinen wichtigsten politischen Zielen auf das Grundsatzprogramm der Partei. „Der Respekt vor dem Leben an sich“ ist in seinen Augen am wichtigsten. Da der 59-Jährige nicht klar zwischen seinen beiden Kandidaturen differenziert, fallen verschiedene Punkte, die er nennt, eher in die Zuständigkeit des Landtags.
Die Nutztierhaltung in ihrer derzeitigen Form ist aus seiner Sicht zu einem großen Teil für den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt mitverantwortlich und sollte deshalb „abgeschafft werden“. Das sei im Sinne der nachfolgenden Generationen.
Landwirte müssten bei der Umstellung – weg von der Tierhaltung – massiv unterstützt werden, findet der frühere Bundesvorsitzende der Tierschutzpartei, der aus München kommt und seit einigen Jahren in Ehingen am Hesselberg wohnt.
Deutlich plädiert er für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, damit weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind. Das ist allerdings keine Bezirksaufgabe, sondern eine der Städte und Landkreise einerseits und des Landes andrerseits. Auch die Forderung nach einem Ausbau der „klimaneutralen Energieerzeugung“ und seine Klage über einen Nachholbedarf Bayerns ist beim Bezirk falsch adressiert.
„Inklusion, Gleichstellung von Mann und Frau, fortschrittliche Bildung mit effektiver Chancengleichheit und die flächendeckende Gesundheitsversorgung sind zudem Themen, die mir wichtig sind und bei denen es noch viel zu tun gibt“, stellt Wester weiter fest.
Die Tierschutzpartei gehört dem Bezirkstag in Mittelfranken aktuell nicht an. Wester steht auf Listenplatz 7.
„Millionen Mitbürger sind wie ich mit der aktuellen Regierung und deren Politik nicht einverstanden“, ist der Weißenburger Ulrich Schild von Spannenberg überzeugt. Für ihn ist es die Motivation, sich politisch zu engagieren, denn er fürchtet einen „enormen Wohlstandsverlust“. Er kandidiert zwar sowohl für den Landtag als auch den Bezirkstag ärgert sich aber vor allem über die Ampelregierung in Berlin. „Was im Großen gilt, gilt auch im Kleinen“, befindet der 68-jährige Betriebswirt.
Auf die eigentlichen Aufgaben, die Sache des Bezirkstages sind, geht er in seiner schriftlichen Stellungnahme nicht ein. Statt dessen verweist der Unternehmensberater auf seine Erfahrungen in „Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik“. Er fürchtet durch eine Fortführung der bisherigen Politik eine „dystopische Zukunft“.
Die Basis, für die von Spannenberg antritt, ist erst 2020 als Reaktion auf die Corona-Maßnahmen entstanden. Im Parteiprogramm steht deshalb explizit, dass sie „grundrechtseinschränkende und überbordende Verordnungen und Gesetze in ihre Schranken“ verweisen will. Auch ist viel die Rede von Freiheit, Machtbegrenzung und Schwarmintelligenz. Von Spannenberg spricht von Transparenz und einer „basisdemokratischen Bewegung“, die es zu fördern gelte.
Der Weißenburger, der sich früher in der SPD engagiert hat, findet, es wäre eine erfolgreiche Wahl, „wenn es gelingen würde, einen Teil der großen Masse an resignierten Nichtwählern dazu zu bewegen, wieder zur Wahlurne zu bringen und ihre Stimme für Parteien wie die Basis abzugeben“.
Da sich die Basis erst 2020 gegründet hat, kann sie logischerweise noch nicht im 2018 gewählten Bezirkstag vertreten sein. Ulrich Schild von Spannenberg steht auf Platz 3 der mittelfränkischen Liste seiner Partei.
Neben den Direktkandidaten gibt es auch noch einige Bewerberinnen und Bewerber aus dem Stimmkreis 506, die nur auf der Liste kandidieren. Davon ist jedoch nur ein einziger aus dem Landkreis Ansbach, Floria Wißmeyer, der auf Platz 18 der ÖDP-Liste steht.
Aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen stammen hingegen noch einige Listenkandidaten: Manuel Westphal (CSU, Platz 6), Herbert Gutmann (Grüne, Platz 20), Alexander Kohler (Freie Wähler, Platz 23), Verena Kreidl (SPD, Platz 22), Dagmar Eisen (Die Linke, Platz 20), Stefan Albrecht und Norbert Brauer (beide Piratenpartei, Platz 9 beziehungsweise 12).
Zwar aus dem Landkreis Ansbach, aber zum Nachbarstimmkreis 505 (Ansbach-Nord) gehörig sind 17 weitere Kandidaten aus elf der 13 Listen.
Anmerkung der Redaktion: Die Reihenfolge der Kandidaten im Text richtet sich nach den Stimmen ihrer Partei bei der Bezirkswahl 2018.