Bezirkskliniken Mittelfranken starten eine Offensive für die Psychiatrie | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.10.2025 12:09

Bezirkskliniken Mittelfranken starten eine Offensive für die Psychiatrie

Für gute Laune bei Vorstand Dr. Matthias Keilen sorgte Gesundheitsministerin Judith Gerlach. Zum 20. Geburtstag der Bezirkskliniken Mittelfranken gab es Förderzusagen über rund 100 Millionen Euro. (Foto: Manfred Blendinger)
Für gute Laune bei Vorstand Dr. Matthias Keilen sorgte Gesundheitsministerin Judith Gerlach. Zum 20. Geburtstag der Bezirkskliniken Mittelfranken gab es Förderzusagen über rund 100 Millionen Euro. (Foto: Manfred Blendinger)
Für gute Laune bei Vorstand Dr. Matthias Keilen sorgte Gesundheitsministerin Judith Gerlach. Zum 20. Geburtstag der Bezirkskliniken Mittelfranken gab es Förderzusagen über rund 100 Millionen Euro. (Foto: Manfred Blendinger)

Die Bezirkskliniken Mittelfranken mit Sitz in Ansbach haben ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. Als Gratulanten kamen Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsministerin Judith Gerlach.

Sie brachten Zusagen über rund 100 Millionen Euro für Neubauten am Erlanger Standort mit. Das große Bettenhaus könnte zum Vorbild für die Modernisierung des Ansbacher Bezirksklinikums werden.

Sein Richtfest wurde mit dem Jubiläum verknüpft, weshalb der Festakt am Donnerstag in Erlangen stattfand. Das Klinikum am Europakanal gehört mit dem Bezirksklinikum Ansbach und der Frankenalb-Klinik in Engelthal bei Hersbruck zu den Bezirkskliniken. „Wir haben vor 20 Jahren drei verschiedene Kliniken mit ihrer eigenen Tradition, mit ihrer eigenen Kultur auf einen gemeinsamen Weg gebracht“, erinnerte Vorstand Dr. Matthias Keilen an die Anfänge. „Heute sind wir als ein Unternehmen unterwegs und bringen die moderne Psychiatrie hier in Bayern nach vorne.“

Neun Kliniken gehören zum Unternehmen

Dies gelte nicht für Gebäude, sondern auch Personen, so Keilen. So sei zum Beispiel der Ansbacher Chefarzt Professor Dr. Mathias Zink als Vorsitzender der bayerischen Direktorenkonferenz an der Entwicklung neuer Konzepte beteiligt. „Wer morgen eine Patientenversorgung auf höchstem Niveau anbieten möchte, muss heute investieren – in Personal, Digitalisierung und Neubauten“, sagte Dr. Matthias Keilen.

Er ist Vorstand für den medizinischen Bereich, Stinne Fronius ist die kaufmännische Vorständin. Zum Unternehmen gehören neun Kliniken, zwölf psychiatrische Institutsambulanzen, sieben Tageskliniken und zwei Soziotherapeutische Wohnheime. Ziel ist, eine möglichst wohnortnahe Versorgung der Patienten zu erreichen. Dabei ist das Bezirksklinikum Ansbach für das westliche und südöstliche Mittelfranken und Teile des Ballungsraumes Nürnberg zuständig.

Peter Daniel Forster ist als Bezirkstagspräsident auch Verwaltungsratsvorsitzender der Bezirkskliniken. Er lobte den Zusammenschluss als weitsichtige Entscheidung: „Die Bezirkskliniken Mittelfranken sind heute als Verbund sehr gut aufgestellt. Das ist auch die gemeinsame Leistung der rund 3300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie alle tragen dazu bei, dass das Kommunalunternehmen heute so erfolgreich ist und zu den attraktivsten Arbeitgebern in der Region zählt.“

„Kontinuierlicher Ausbau” der Krankenhausversorgung

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach betonte die wichtige Rolle der Krankenhäuser für eine moderne und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung. Deshalb investiere die Staatsregierung „kontinuierlich in den Ausbau der Krankenhausversorgung – gerade auch im Bereich Psychiatrie“, sagte Gerlach. Der Freistaat fördert die ersten drei Teilabschnitte des Generalausbaus des Klinikums am Europakanal in Erlangen mit insgesamt über 100 Millionen Euro. „Es ist Geld, das sehr gut angelegt ist“, so die Gesundheitsministerin.

Den Zusammenschluss der Kliniken wertete auch Innenminister Joachim Herrmann als Erfolgsmodell. „Patientinnen und Patienten wird seither die bestmögliche individuelle und wohnortnahe Gesundheitsversorgung auf medizinischem Spitzenniveau geboten. Mit dem Neubau sind die Bezirkskliniken Mittelfranken weiterhin auf dem Weg hin zu den modernsten psychiatrischen und neurologischen Kliniken Bayerns. Hier sind alle Patientinnen und Patienten optimal versorgt und in den besten Händen“, erklärte Herrmann. „Für die Entwicklung des Klinikums, aber vor allem für die Menschen in der Region.“

Ansbach war schon 1902 eine „Kreisirrenanstalt”

In den kommenden Jahren soll es nicht nur in Erlangen, sondern auch in Ansbach zu grundlegenden Verbesserungen kommen. Diese sind wegen der unterschiedlichen Geschichte deutlich schwieriger zu realisieren. Das Klinikum am Erlanger Europakanal wurde vor knapp 50 Jahren auf einem flachen, großzügigen Gelände am Europakanal gebaut. In Ansbach war schon im Jahr 1902 eine „Kreisirrenanstalt” entstanden, die kurz darauf in Heil- und Pflegeanstalt umbenannt wurde. Der Name, landläufig mit „Hupfla“ abgekürzt, zeigte die doppelte Funktion. Neben der Behandlung akuter Krisen ging es um die langjährige Pflege psychisch kranker Menschen, für die es sonst keine anderen Angebote gab. Manche verbrachten dort Jahrzehnte.

Deshalb entstand eine weite, parkähnliche Anlage mit einzelnen Häusern und großen Grünflächen. Es gab eine eigene Kirche und einen Festsaal. Damals war es ein großer Fortschritt, psychisch Kranken eine möglichst angenehme Umgebung zu bieten. Inzwischen stehen etliche Gebäude unter Denkmalschutz. Zu ihnen sind über die Jahre auch andere Häuser gekommen, der grundsätzliche Charakter des Klinikums hat sich jedoch nicht geändert.

Die Aufenthaltsdauer ist deutlich gesunken, viele Behandlungen dauern nur noch einige Wochen. Für den Klinikalltag bedeuten die vielen kleineren Gebäude weite Wege. Sie bringen enorme Zeitverluste für das Personal und hohe Kosten in der Infrastruktur, vom Heizen bis zum Erhalt der historischen Häuser. Deshalb ist in Ansbach schon seit Jahren ein zentrales Gebäude das Ziel, um zumindest einige Stationen als zeitgemäßes Krankenhaus betreiben zu können. Derzeit laufen die internen Abstimmungen und die Verhandlungen mit dem Freistaat über eine Finanzierung. Erst danach will das Bezirksklinikum seine Pläne für Ansbach vorstellen.

144 Patientinnen und Patienten sollen sich wohlfühlen

Zum Vorbild für eine moderne, wirtschaftlich effizientere Behandlung könnte das erste Projekt für die Generalsanierung in Erlangen werden. Es hat eine Gesamtfläche von rund 10.000 Quadratmetern. In dem Bettenhaus wird Platz für sechs Stationen und zentrale Therapiebereiche sein. In ihnen soll eine helle, freundliche Atmosphäre herrschen, in der sich 144 Patientinnen und Patienten wohlfühlen, erklärten die Bezirkskliniken.

Bereits fertig ist direkt daneben der Neubau für die zentrale Apotheke. Mit ihren digitalen Systemen werden alle Medikamente für jede Patientin und jeden Patienten automatisiert, portionsweise und tagesgenau verpackt. Auch das Bezirksklinikum Ansbach wird von dieser Apotheke versorgt.

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