Auf ein bewegtes Leben kann Waltraud Oschmann zurückblicken. Jetzt hat sie in Bechhofens Ortsteil Birkach ihren 102. Geburtstag gefeiert.
Die Jubilarin kam als drittes von vier Kindern auf Schloss Hirschstein an der Elbe in Sachsen zur Welt. Nach der Trennung ihrer Eltern zog sie mit ihrer Mutter nach Sondershausen in Thüringen, wo sie im Alter von 14 Jahren die Schule abschloss.
In ihrer Jugend hegte sie den Traum, im Ausland eine Ausbildung zu absolvieren, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ließ diese Pläne platzen. Stattdessen musste sie ein Pflichtjahr in einer Gastwirtschaft in Plauen im Vogtland ableisten. Anschließend fand sie eine Anstellung als Kindermädchen in einem Ärztehaushalt in Greiz.
Nach dem Tod ihres Bruders im Krieg kehrte sie nach Sondershausen zurück, um ihre Mutter zu unterstützen. In der Wäscherei des Krankenhauses arbeitend, lernte sie zufällig ihren späteren Ehemann Hans Oschmann kennen, der dort die Heizungsanlage reparierte. 1947 heirateten die beiden und zogen nach Riethnordhausen. 1948 kam ihr Sohn und 1951 ihre Tochter zur Welt.
Das Paar entschloss sich, mit den Kindern in den Westen zu fliehen. Zunächst fanden sie Unterkunft in einem Lager in West-Berlin, bevor sie in ein Auffanglager in Dillingen an der Donau gelangten. 1953 wurde dort eine weitere Tochter geboren.
Ein Jahr später erhielten die Oschmanns eine Wohnung in Ingolstadt. 1955 wurde ein Sohn geboren, der jedoch nur wenige Stunden nach der Geburt verstarb. Mit der Geburt einer weiteren Tochter im Jahr 1959 war die Familie komplett.
Durch harte Arbeit und Fleiß kamen Waltraud und Hans Oschmann in Ingolstadt zu einem Eigenheim mit Garten, das sie 1969 bezogen. Die Jubilarin war zunächst bei einer amerikanischen Elektronikfirma beschäftigt, später dann als Verkäuferin und im Krankenhaus.
Inzwischen umfasst ihre Familie acht Enkelkinder und 22 Urenkelkinder. Nach dem Tod ihres Ehemannes 1994 verkaufte Waltraud Oschmann ihr Haus und zog in eine kleine Wohnung. Sie unternahm viele Reisen zu unterschiedlichen Zielen und lebt heute in Bechhofen-Birkach im Haushalt ihrer jüngsten Tochter.
Mittlerweile ist die Jubilarin auf den Rollstuhl angewiesen. Dennoch wirkt sie trotz ihres hohen Alters immer noch agil. Seit ihrer Kindheit trinkt sie jeden Tag viel frische Milch. Zeitlebens betätigte sich Waltraud Oschmann sportlich – Schwimmen, Barren- und Bodenturnen gehörten zu ihren Leidenschaften.
Bürgermeister Sven Waidmann überbrachte die Grüße der Gemeinde Bechhofen. Landrat Dr. Jürgen Ludwig gratulierte persönlich für den Landkreis Ansbach.