„Betonbrecher - Nein danke“: Kritik an Herz-Erweiterung in Feuchtwangen bleibt groß | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.06.2025 08:15

„Betonbrecher - Nein danke“: Kritik an Herz-Erweiterung in Feuchtwangen bleibt groß

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger kamen zur Infoveranstaltung der Firma Herz, bei der Ulrich Traxel (links) die Pläne näher erklärte. Die Fragen der Besuchenden waren überwiegend kritischer Natur. (Foto: Peter Zumach)
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger kamen zur Infoveranstaltung der Firma Herz, bei der Ulrich Traxel (links) die Pläne näher erklärte. Die Fragen der Besuchenden waren überwiegend kritischer Natur. (Foto: Peter Zumach)
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger kamen zur Infoveranstaltung der Firma Herz, bei der Ulrich Traxel (links) die Pläne näher erklärte. Die Fragen der Besuchenden waren überwiegend kritischer Natur. (Foto: Peter Zumach)

Deutlich größer, als von der Geschäftsleitung zunächst erwartet, war das Interesse an einer Infoveranstaltung der Herz Entsorgung und Logistik GmbH: Das Feuchtwanger Unternehmen hatte am Dienstag eingeladen, um seine in der Öffentlichkeit massiv kritisierten Erweiterungspläne zu erläutern und sich den Fragen dazu zu stellen.

Diesem Ruf auf das Firmengelände folgten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger – viele von ihnen aus den nahen Ortsteilen Sommerau und Esbach, die ihre Skepsis gegenüber dem Vorhaben an der Daimlerstraße vor allem wegen der befürchteten Belastung durch Lärm und Staub zum Ausdruck brachten. Einige verliehen ihrer Ablehnung besonderen Ausdruck, indem sie mit schwarzen T-Shirts, auf denen der orangefarbene Aufdruck „Betonbrecher – Nein danke“ zu lesen war, einheitlich gekleidet erschienen.

Ebenfalls stark vertreten war die Stadtspitze: Zusammen mit Bürgermeister Patrick Ruh waren Ratsmitglieder aller Fraktionen sowie Mitarbeitende der Verwaltung vor Ort.

Maximalwerte für das Lärmgutachten genannt

„Wir hoffen, die Ängste ausräumen zu können“, nannte Elke Herz bei ihrer Begrüßung als Ziel der Veranstaltung. Zugleich bat die Prokuristin darum, bei der Fragerunde nicht emotional zu werden, sondern sachlich zu bleiben, woran sich alle Teilnehmenden bei der Diskussion auch tatsächlich hielten.

Das Thema sei in der Öffentlichkeit seiner Meinung nach „zu Unrecht etwas hochgekocht“, erklärte Geschäftsführer Friedrich Herz. Bei den Plänen würden alle gesetzlichen Vorgaben zum Schutz der Bevölkerung beachtet. Und keinesfalls würden bis zu 60 Lkw das projektierte Zwischenlager täglich ansteuern. Diese im Lärmgutachten genannte Zahl gehe ausschließlich auf einen theoretischen Maximalwert zurück. Den habe die Firmenleitung nur deshalb angegeben, um in Sachen Lärmschutz „auf der sicheren Seite“ zu sein. Ohnedies wäre das Areal für Kapazitäten in dieser Größenordnung gar nicht geeignet.

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Dies bestätigte der für Entsorgung zuständige Mitgeschäftsführer Ulrich Traxel, der das Vorhaben vorstellte. Demnach sollen als Grundlage für das Genehmigungsverfahren höchstens zehn Laster pro Tag Material an der Daimlerstraße abladen. Rechne man zehn weitere Lkw dazu, die beprobten und aufbereiteten Schutt oder Aushub abholen, wären das insgesamt 20 Lkw-Fahrten am Tag.

Betonbrecher 20 Tage pro Jahr im Einsatz

Für den mobilen Betonbrecher auf dem Gelände sehe die Planung wiederum eine Halle mit Berieselungsanlage zum Schutz vor Lärm und Staub vor. Und auch in diesem Fall handle es sich hinsichtlich der im Lärmschutzgutachten genannten Arbeitszeiten um Maximalwerte. Vielmehr solle das Gerät an 20 Tagen pro Jahr jeweils nur von 7 bis 17 Uhr im Einsatz sein.

Ohnehin bilde nicht der Betonbrecher, sondern das Zwischenlager den Schwerpunkt des Vorhabens, betonte Traxel. Die Boxen würden aufgrund gesetzlicher Vorgaben primär für Abfälle benötigt, die beprobt werden müssten. Vor allem handle es sich dabei um Erdaushub. Und ohne diese Investition für die Entsorgungssicherheit wäre die Firma Herz „am Markt nicht überlebensfähig“.

Monatelang war nichts passiert

Eine Voranfrage für das Projekt mit modernsten Geräten auf dem aktuellen Stand der Technik habe das Unternehmen bereits 2022 bei der Stadt eingereicht, sagte der Geschäftsführer. Aber: „Dann ist monatelang nichts passiert – ein Sachbearbeiter hat sie in der Schublade verschwinden lassen“. Erst auf eine Vorsprache beim Landratsamt hin sei die Bauleitplanung auf den Weg gebracht worden. Der Bebauungsplan liegt nach einer Verlängerung der Frist noch bis Freitag, 25. Juli, zur Öffentlichkeitsbeteiligung aus.

In diesem Rahmen sollten die Bürgerinnen und Bürger ihre Bedenken vorbringen, meinte Traxel. Eine weitere Gelegenheit für Einsprüche biete sich während des Bundesimmissionsschutzverfahrens. Und schließlich stehe auch der Klageweg offen.

Fragen von Anwesenden kamen etwa zu Naturschutz und Niederschlag sowie zum Einzugsgebiet, aus dem die Abfälle geliefert werden. Indes äußerte Geschäftsführer Dieter Bögelein von den benachbarten Lebenshilfe-Werkstätten besondere Bedenken: Von den Beschäftigten reagierten Menschen mit schwersten Mehrfachbehinderungen „sehr empfindlich auf Lärm und Staub“.

Sorgen mit Blick auf eine mögliche Übergabe

Andere verliehen ihrer Sorge mit Blick auf eine mögliche Übergabe der Firma Herz Ausdruck: Wenn sich diese an die besagten Vorgaben halte, sei doch zu befürchten, dass ein Unternehmensnachfolger das Areal sehr viel intensiver nutzen könnte.

Dem widersprach unter anderem Bürgermeister Patrick Ruh: Beim weiteren Verfahren achteten die Stadtverantwortlichen sehr genau darauf, dass die beantragte Zahl der Lkw-Fahrten sowie der Arbeitsstunden eingehalten werden. Dies sei auch für eine Nachfolger-Firma verbindlich. Würden dennoch Änderungen gewünscht, dann wäre ein neuerliches Genehmigungsfahren nötig.

Sie verstehe die Sorgen der Menschen, betonte Elke Herz, bat aber auch um Verständnis für die Firmenleitung: Angesichts der wirtschaftlichen Gesamtsituation hätten die 180 Mitarbeitenden „Angst um ihre Arbeitsplätze“. Auch um diese zu sichern, müsse investiert werden, damit das 1949 gegründete Unternehmen für die Zukunft gerüstet sei.

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