Was bedeutet Demokratie und wie kann man dem Entstehen antidemokratischer Einstellungen vorbeugen? Dazu haben sich Schülerinnen und Schüler des Q13-Leistungsfachs Politik und Gesellschaft am Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium in Bad Windsheim Gedanken gemacht und einen Workshop für die achten Klassen entwickelt.
Ziel war es, 15 Schülerinnen der 8a demokratische Werte und Grundsätze zu vermitteln. In drei Teams hatten die 14 Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses unter Anleitung ihrer Lehrerin Claudia Bleuler drei Spiele vorbereitet. Zunächst wurden Begriffe gesammelt, die zur Demokratie gehören und in einer „Demokratiewolke” an der Tafel zusammengetragen – quasi „das Vorwissen aktiviert”, erklärt Bleuler.
Zahlenkärtchen lagen in einem großen Kreis auf dem Boden des Klassenzimmers. Aufgeteilt in drei Teams wurde mit einer Schülerin pro Team als Spielfigur darum gewürfelt, das Feld zu erreichen, auf dem eine Tafel Schokolade lag. Kommt die Spielerin auf ein markiertes Feld, darf ihre Gruppe eine Regel erstellen. Erlaubt war alles, keine Tabus. „Das ist aber unfair”, ruft eine Schülerin vom Spielrand. „Ja, aber so ist die Regel.” Am Ende triumphiert freilich nur ein Team, die anderen gehen leer aus und fanden das Spiel „unfair”. Sie hätten sich „hintergangen gefühlt”, einheitliche Regeln hätten zumindest den Verliererinnen besser gefallen.
Mehrheiten seien in einer Demokratie sehr wichtig. Es ist das Mehrheitsprinzip, nach dem Entscheidungen getroffen werden, erläuterte Schülerin Anne Schuster. Das durften die Achtklässler bei einer manipulierten Bürgermeisterwahl testen. Nicht alle spielten dabei nach demokratischen Regeln. Auf Kärtchen standen Rollen, die jede ziehen und den Inhalt umsetzen musste.
Bürgermeisterin A und Bürgermeisterin B bekommen Schärpen. Mit zehn zu sieben gewinnt die Bürgermeisterin mit der gelben Schärpe – bei 15 Wählerinnen. „Was lief da schief?”, fragte Schüler Johannes Schwemmer und wollte wissen, wie sich die Wählerinnen gefühlt haben. „Das war nicht fair.” Das war auch in diesem Spiel der Tenor. Eine hatte ihre Wählerinnen und Wähler bestochen, und Wahlgeschenke versprochen. Zwei Millionäre, zu erkennen am Zylinder, kauften Stimmen für ihren Wunschkandidaten, andere durften doppelt abstimmen oder sollten ihren Namen auf dem Stimmzettel notieren.
Das alles sollte bei einer echten Bürgermeisterwahl natürlich nicht so sein, erläuterten die Projektleiterinnen und -leiter. Jeder ab 18 Jahren darf wählen, egal welches Alter, welches Geschlecht und welche Religion, machten sie deutlich. Gewählt wird direkt und jeder und jede sollte frei sein in der Entscheidung. Bestechung und Beeinflussung seien tabu, jede Stimme zählt einmal, die Wahl ist geheim.
Rollenkarten gab es auch beim Eintopfspiel. Dabei mussten die Schülerinnen ein Gericht kreieren, mit dem alle leben können. Vegetarier und Fleischesser, Hasser grünen Gemüses und dessen Liebhaber, Laktoseintolerante und Protein-Junkies. Argumente fanden die Schülerinnen schnell, allerdings nur für ihre eigenen Vorlieben: „Pilze können auch wie Fleisch schmecken”, „aber ich mag keine Erbsen”, „wer tut Sahne in einen Eintopf? Das hab ich ja noch nie gesehen.” Anspruchsvoll, bei 15 Sonderwünschen, am Ende nicht nur Wasser im Topf zu haben.
Schülerin Lea Suhr übernahm kurzerhand den Kochlöffel. Sie fragte die Zutaten einzeln ab, forderte Erklärungen dazu ein und schlug Alternativen vor. Am Ende stand die Basis. Der Kompromiss, dass das Gemüse größer geschnitten wird, damit jede das, was sie nicht möchte, herausfischen kann, überzeugte. Wer Joghurt, Sahne, Fleisch oder Fisch will, isst das einfach dazu.
Kompromissfindung zähle zu den Grundprinzpien der Demokratie, erklärten die Q13-Schülerinnen. Rücksicht zu nehmen und am Ende eine Lösung zu präsentieren, sei der Schlüssel. Schön sei es gewesen, die Entwicklung zu beobachten. Am Anfang hätten alle versucht, ihren Wunsch durchzudrücken, ohne Rücksicht auf die anderen. Am Ende gab es eine Lösung, mit der alle leben konnten. In einem Memory wurden die Begriffe, die gefallen sind, noch einmal vertieft.
Der Wert von Demokratie und was sie bringt, sei gut herausgearbeitet worden, lobt Bleuler. Eine achte Klasse habe sie ausgesucht, „weil es eine Altersklasse ist, in der man vielleicht noch eine Chance hat, Demokratie als Wert zu verankern.” Der Lehrplan sieht ausdrücklich ein Projekt zum Umgang mit antidemokratischen Einstellungen vor. Die Umsetzung in einem Workshop sei die Idee der Schülerinnen und Schüler gewesen, so Bleuler.
Diese hatten sich dafür sogar in ihrer Freizeit zusammengesetzt und überlegt, wie man jüngeren Menschen Demokratie nahe bringen kann, erklärt Schülerin Mia Hornung. „Das ist am besten möglich, wenn man selbst mitmachen kann”, findet Elena Klemm-Westphal. Die Leistungskursteilnehmer und -teilnehmerinnen testeten alle Spiele im Vorfeld. Dazu gabs Pizza statt Eintopf und mit Belag, der allen geschmeckt hat.