Luise Grottenthaler aus Egenhausen ist zur besten Nachwuchs-Patissière Europas gekürt worden. Diesen Titel hat sich die 24-Jährige beim Compote Complot 2024, einem neuen Patisserie-Wettbewerb, hart erarbeitet. Anlässlich ihres Triumphes sprach sie mit unserer Redaktion über ihre beruflichen Pläne, ihr liebstes Naschwerk zu Weihnachten und ihr Heimweh nach Franken.
Frau Grottenthaler, was naschen Sie Weihnachten am Liebsten?
Am liebsten nasche ich Butterplätzchen, Vanillekipferl und Spritzgebäck. Das erinnert mich immer an Heiligabend mit der ganzen Familie.
Und wenn Sie für Weihnachten selbst etwas zaubern – was ist das?
Für Weihnachten backe ich gerne Stollen und mache verschiedene Pralinen. Für Silvester aber lieber herzhafte Käseplätzchen und Glücksschweinchen aus Marzipan.
Wie ist die Leidenschaft für diesen Beruf entstanden?
Schon als ich jünger war, habe ich zu Hause gerne Kuchen und Plätzchen gebacken und Torten gemacht. Für den Beruf habe ich mich tatsächlich erst später, nach meiner Ausbildung zur Hotelfachfrau, entschieden.
Haben Sie mal als Praktikantin in einen Betrieb reingeschnuppert?
Ich habe während meines Urlaubs einige Praktika in Konditoreien absolviert und in den Beruf als Konditorin reinschnuppern dürfen. Unter anderem in einer Konditorei in Nürnberg. Dort habe ich dann auch meine Ausbildung zur Konditorin in zwei Jahren absolviert. Ich durfte die Ausbildung verkürzen, da ich schon mehrere Jahre in der Gastronomie gearbeitet hatte. Die Ausbildung geht normalerweise drei Jahre.
Warum Sylt als neue Wirkungsstätte?
Da ich vorher schon in den Bergen und in der Stadt gearbeitet hatte, wollte ich unbedingt mal beim oder am Meer arbeiten. Da habe ich mich für die Insel Sylt entschieden. Und dort hat es mich in den Söl’ring Hof verschlagen. Die Einzigartigkeit des Hauses und das herzliche Team vom Söl’ring Hof haben mich begeistert. Ich arbeite seit September 2022 dort.
Wie erleben Sie die Insel?
Die Insel erlebe ich wie eine kleine Gemeinschaft, man kennt sich nach einer gewissen Zeit untereinander. Alle sind sehr herzlich hier auf der Insel. An den kalten Nordsee-Wind musste ich mich aber erst gewöhnen. Meine Familie vermisse ich natürlich, aber wir telefonieren und zur Nebensaison habe ich dann auch öfter mal Zeit in die fränkische Heimat zu fahren.
Mit Blick auf Ihre Heimat Franken: Was fehlt Ihnen, was es auf Sylt nicht gibt?
Ich glaube, ab und zu fehlt mir der fränkische Dialekt.
Werden Sie von Freunden, Verwandten und der Familie eingespannt, wenn es darum geht, Süßes zu zaubern?
Ab und zu werde ich schon gefragt, wenn ich mal in der Heimat bin, ob ich mal Plätzchen, Stollen oder Pralinen in der Weihnachtszeit oder zu Ostern machen könnte. Oder aber zu Geburtstagen die Geburtstagstorte. Anfang dieses Jahres durfte ich die Hochzeitstorte für meinen Cousin und seine Frau machen.
Wie hatten Sie sich auf den Patisserie-Wettbewerb vorbereitet?
Für den Wettbewerb hatte ich die Möglichkeit, vor und während der Arbeitszeit meine zwei Gerichte, also das Dessert und Petit Four, öfters mal auszuprobieren.
Wie lief der Wettbewerb?
Es war ein einzigartiges Erlebnis. Der ganze Trubel darum herum, so viele bekannte Patissiers in der Jury, die meine Desserts und Petit Four verkostet und bewertet haben. Und natürlich der Druck, den man sich selbst macht, alles perfekt hinzubekommen und auch alles pünktlich fertig zu bekommen und abzugeben. Daher war ich sehr nervös und aufgeregt. Aber ich hatte einen wunderbaren Kollegen dabei, der mich während des Wettbewerbs sehr unterstützt hat. Ich glaube, wir haben uns alle sehr gut untereinander verstanden und haben uns geholfen, wenn einer mal Unterstützung gebraucht hat. Ein paar Teilnehmer aus dem Vorfinale kamen sogar zum Finale, um zuzuschauen.
Sie haben eine Reise nach Peru ins Land der Schokolade gewonnen. Was erhoffen Sie sich davon?
Die Reise wird Ende April stattfinden. Ich hoffe, viele Einblicke in die Kultur, das Land und den Schokoladen-Anbau zu bekommen. Außerdem hoffe ich, die Menschen kennenlernen zu dürfen, die hinter dem Schokoladenanbau stecken. Immerhin ist die Schokolade von Original Beans ein Produkt, mit dem ich täglich im Söl’ring Hof in der Patisserie arbeiten darf.
Verschenken Sie zu Weihnachten süßes Selbstgemachtes?
Tatsächlich mache ich gerne Pralinen für Familie und Freunde als Weihnachtsgeschenk.
Gibt es berufliche Pläne und falls ja, wie sehen die zum jetzigen Zeitpunkt aus?
Vorerst möchte ich gerne noch auf Sylt im Söl’ring Hof bleiben. Hier gefällt es mir sehr gut. Danach möchte ich noch andere Restaurants/Hotels im In- und Ausland besuchen und weitere „Teller-Handschriften“ und Sichtweisen kennenlernen. Irgendwann möchte ich aber schon gerne wieder zurück nach Franken, in meine Heimat.
Kochen Sie eigentlich zur Abwechslung auch gerne, zum Beispiel deftige Speisen?
Zu Hause koche ich tatsächlich sehr gerne. Am liebsten koche ich dann für Familie und Freunde. Deftige Speisen habe ich sogar lieber, da ich den ganzen Tag auf der Arbeit mit Süßkram zu tun habe. Da sind herzhafte Speisen eine schöne Abwechslung.
Mit welchen Zutaten experimentieren Sie am liebsten?
Hier auf Sylt arbeiten wir sehr viel mit Kräutern und regionalen Zutaten. Wie beispielsweise Salzwiesenkräuter, manchmal sogar mit Algen. Es macht Spaß, mit dem Team vor der Arbeit verschiedene Kräuter sammeln zu gehen und diese dann im Menü verwenden zu können. Meine erste Eigenkreation, die es in das Menü geschafft hat, war ein Dessert aus Sanddorn, zusammen mit Walnuss, Wiesenkerbel und Salzkaramell. Dazu gab es schließlich noch ein Portwein-Sabayon.
Haben Sie Zeit für Hobbys?
Im Sommer gehe ich ganz gerne surfen. Das bietet sich hier auf der Insel Sylt sehr gut an. Im Winter denn eher Indoor-Bouldern. Ansonsten mit Freunden/Kollegen zusammen brunchen, kochen und Weine verkosten sowie Spieleabende.
Luise Grottenthaler ist 24 Jahre alt und stammt aus dem Obernzenner Ortsteil Egenhausen. Mit einer Ausbildung zur Hotelfachfrau war sie in die Berufswelt gestartet. Es folgte eine Ausbildung zur Konditorin in einem Nürnberger Betrieb. Seit dem Jahr 2022 arbeitet sie im 2-Michelin-Sterne Restaurant Söl’ring Hof in Rantum auf Sylt. Nun ist sie bei einem Wettbewerb in Salzburg zur besten Nachwuchs-Patissière Europas gekürt worden. Ihr Gewinn: Eine Reise ins Land der Schokolade.