In der Tauberzeller St.-Veit-Kirche kann wieder eine besondere Krippe mit vielen Musikanten, Hirten, Ziegen, Schafen und Hirtenkindern bestaunt werden. Erhard Reichert hat die Anlage gefertigt. Jede der Figuren stammt aus seinen Händen.
Die Vorlagen findet er an ganz unterschiedlichen Plätzen. Die Rothenburger Stadtpfeifferey war Ideengeberin, so manches Bild einer Lüftlmalerei hat ihn inspiriert, Figurenkonstellationen zu schnitzen und passend zu positionieren.
Viele kleine Geschichten gibt es in der Krippe zu entdecken, so den störrischen kleinen Ziegenbock, der einfach nicht weiterlaufen will, und einen weiteren, der sich auf die Hinterhufe stellt, damit er am aufgestellten Bäumchen knabbern kann. Erhard Reicherts besondere Leidenschaft gehört jedoch den alten Instrumenten. Wenn Besuchergruppen vorbeikommen, baut er die Instrumente vor dem Altar auf und spielt auch darauf.
Die Musikanten in der Krippe sind mit Gemshorn, Krummhorn, Pommern, Zink, Serpent, Drehleier, Psalter und Harfen ausgestattet, Posaunen und Trompeten, Flöten und Schalmeien halten sie ebenso in ihren Händen. Dazu kommen verschiedene Streichinstrumente. Sie spielen hingebungsvoll, so manche der Figuren scheint außerdem die Melodien mitzusingen oder zu summen.
Doch das Hauptaugenmerk von Reichert gilt dem Geschehen im Kripplein, mit der Heiligen Familie, Ochs und Esel. Die Musik an sich ist schmückendes Beiwerk, sie sorgt für die passende Einstimmung auf das biblische Geschehen. Für Erhard Reichert gehören in der Adventszeit und an Weihnachten die Musik und die Weihnachtsbotschaft untrennbar zusammen, und er ist begeistert über die unglaubliche Vielfalt an verschiedensten musikalischen Werken. Man könne die Musik hören und auf sich wirken lassen oder selbst zum Instrument greifen und singen.
Doch wie entwickelte sich die Krippentradition in den Häusern? Kaiser Joseph II., Sohn von Kaiserin Maria Theresia, habe einst ein Krippenverbot für die Kirchen in seinem Herrschaftsgebiet erlassen. Dies sei dem Gedanken der Aufklärung geschuldet gewesen, erklärt Reichert. Den Leuten hat das so gar nicht gefallen, sie wollten ihre Weihnachtskrippe haben und bauten schließlich verschiedenste Krippen in ihren Wohnungen und Häusern auf. Daraus hat sich das „Kripperlschaun“ entwickelt, die Menschen haben sich gegenseitig besucht und die Krippen angeschaut.
An zwei Plätzen in der Kirche ist die Tauberzeller Weihnachtskrippe aufgebaut. Die Magier bzw. Sterndeuter stehen entfernt von der Heiligen Familie. Die drei Könige haben erst am Feiertag, 6. Januar, ihren großen Auftritt. Sie nähern sich auf ihren Dromedaren, einer richtet seinen Blick auf einen hellen Stern nahe der Krippe. Gold, Weihrauch und Myrrhe haben sie dabei.
Die Krippe ist bis Ende Januar aufgebaut. Besichtigungstermine können bei Erhard Reichert (Telefon 09865/519) und dem evangelischen Pfarramt Adelshofen (09865/319) vereinbart werden - gerne für die Zeit nach den Feiertagen, da hätten die meisten Besuchenden mehr Zeit als im Advent, weiß Reichert.