In Ansbach stehen seit Montag vier Jugendliche vor Gericht, weil sie in der Neujahrsnacht die Israel-Flagge am Rathaus mit Pyrotechnik beschossen haben sollen. Zusammen mit zwei weiteren Angeklagten werden der Teenie-Bande auch Körperverletzungen vorgeworfen.
Für das Jugendschöffengericht hieß es am Montagmorgen erst einmal Warten: Denn von den sechs Jugendlichen, die sich ab 8.30 Uhr dem Prozess gegen sie stellen sollten, fehlte einer. Richterin Claudia Hofmann zögerte nicht lange und schickte die Polizei zu dem Heranwachsenden nach Hause. Gegen 9.15 Uhr war dann auch der letzte Platz auf der Anklagebank besetzt. So schildert es Armin Abendschein als Sprecher des Amtsgerichts. Presse und Zuhörerschaft sind für das Verfahren nicht zugelassen, verhandelt wird nicht-öffentlich.
Für die Attacke auf die Israel-Flagge am Ansbacher Rathaus, juristisch als Verletzung von Flaggen und Hoheitszeichen ausländischer Staaten zu werten, müssen sich vier der sechs Angeklagten verantworten. Alle waren zum Zeitpunkt der Tat zwischen 15 und 16 Jahre alt.
Laut Abendschein gestanden vor Gericht drei Jugendliche, die Flagge ins Visier genommen zu haben. Einer habe sie mit einer Feuerwerksbatterie beschossen, ein anderer habe versucht, den Stoff herunterzureißen. Dabei spielten für mindestens einen davon politische Gründe eine Rolle: „Wegen des Kriegs in Gaza” habe er die israelische Flagge beschädigen wollen, gibt Abendschein dessen Aussage wieder. Ein anderer Angeklagter stritt politische Motive als Antriebskraft für seine Beteiligung ab. Die vier Jugendlichen stammen aus Syrien, dem Irak und Deutschland.
Für einige von ihnen ist es nicht das erste Verfahren im Zuge von Erkenntnissen der Soko „Hülse”. Nach einem Raubüberfall auf die H&M-Filiale in Ansbach kamen Ermittler einer Gruppe von Teenagern auf die Schliche, die in unterschiedlicher Besetzung Straftaten in Ansbach verübte. Zwei der Angeklagten in Sachen Israel-Flagge waren laut Abendschein auch am H&M-Überfall beteiligt.