Im Juli war es endlich soweit. Golfprofi Bernd Ritthammer stand wieder auf dem Platz. Der 36-jährige Wassertrüdinger hatte eine neun Monate lange Pause hinter sich. Grund dafür war unter anderem ein Tumor. Als er das Eisen dann wieder in der Hand hält – die Erkenntnis: Das Feuer ist erloschen. Er plant sein Karriereende.
Der Golfer Bernd Ritthammer, der ist strukturiert, diszipliniert, manchmal zu sehr, wie er selbst sagt. Der Mensch Bernd Ritthammer, der ist offen, redselig, humorvoll. Sich um den Mensch zu kümmern, um „das Mentale“, das ist es, was er jetzt vorhat. Nach 17 Jahren Profisport will der 36-Jährige, der mittlerweile in Aichach wohnt, andere Wege einschlagen. Dem Golfsport erhalten bleibt er jedoch auf jeden Fall.
„Diese Trennung zwischen meinem Ich als Sportler und meinem Ich als Mensch habe ich sicherlich nicht geschafft“, reflektiert Ritthammer seine Karriere.
Mit drei schon nahm er das erste Mal einen Golfschläger in die Hand. Es war Liebe auf den ersten Schlag. Nach dem Abitur 2006 am Gymnasium in Dinkelsbühl stürzte sich Ritthammer Hals über Kopf in die Sportkarriere: „Als junger Kerl, da ist Golf alles für dich und du willst immer besser werden.“ Auf der Strecke geblieben ist dabei der Spielwitz, die Freude, der Genuss.
Seine Profilaufbahn hatte Höhen und Tiefen. Technisch lag es mal am Putt, mal am Drive – psychisch war es immer die Verbissenheit, dieser deutsche Ernst, der sein Spiel hemmte. „Mein Training war immer extrem strukturiert, was auch gut so war, aber im Spiel darfst du nicht immer nur denken, da musst du manchmal auch einfach einen raushauen“, sagt Ritthammer.
Bei der DP World Tour, der wichtigsten Tournee Europas, schaffte er zuletzt 2019 in Hamburg einen bedeutenden Erfolg. Bei den Porsche European Open belegte er den zweiten Platz. Immer seltener schaffte er danach den Cut bei der DP World Tour, spielte auf der Challenge Tour, der zweiten europäischen Golfliga. Auch hier ließen große Erfolge auf sich warten.
Die Freude am Spiel gewann er nicht zurück. Die Leistung stimmte nicht und er fühlte sich zunehmend fremd. „Ich hab mich einfach gefragt: Bist du noch richtig hier? Mit 36 sind alle Altersgenossen entweder weg oder haben es nach oben geschafft und alle um dich rum sind junge Kerle ohne Familie, die in einer ganz anderen Realität leben“, sagt Ritthammer.
Zu seiner Familie gehören drei kleine Kinder. Jos ist fünf und im Dezember 2022 bekam seine Frau Sarah, die aus Gerolfingen stammt, noch die Zwillinge Ede und Ole. Ein Moment, der sein Leben verändert hat.
„Als wir gesagt bekamen, dass es Zwillinge werden, war klar, dass ich an meiner Karriereplanung etwas ändern muss“, erinnert sich Ritthammer, „als Profi bist du 25 bis 30 Wochen im Jahr auf Tour und zwischendrin musst du trainieren, das ist mit drei Kindern kaum machbar.“
Die Zwillinge waren erst wenige Monate auf der Welt, da bekam Ritthammer die Diagnose Hirntumor.
„Es wurde festgestellt, dass ich einen gutartigen Tumor hatte, den man zum Glück operieren konnte, aber bis heute bin ich davon beeinträchtigt“, sagt Ritthammer. Er hört links schlechter und auch auf dem Platz ist es nicht so wie früher. „Wenn ich mal über ein oder zwei Stunden spiele, merke ich einfach: Da ist was noch nicht richtig.“
Die ursprünglich als Babypause geplante Auszeit verlängerte er um etliche Erholungswochen.
Im Juli 2023 stand Ritthammer dann doch wieder auf dem Rasen. Bei der German Challenge, dem deutschen Turnier der Challenge Tour, verpasste Ritthammer knapp den Cut. Das Turnier findet im Wittelsbacher Golfclub bei Neuburg an der Donau statt, auf dem Ritthammer öfters anzutreffen ist. „Die Veranstaltung wollte ich einfach unterstützen, als deutsches Golfturnier, nahe meinem Wohnort“, sagt er. Vielleicht sein letztes Profiturnier.
Nach über 400 Turnieren in knapp 17 Jahren fällt die Bilanz trotz Selbstkritik ausgewogen aus: „Klar hat meine Karriere Momente gesehen, wo es nicht grandios lief, aber mittlerweile muss ich auch sagen: Vieles war doch auch gut.“
Wenn er ins Jahr 2006 zurückreisen und seinem damaligen Ich eine Sache sagen könnte, wäre es: „Kümmer dich verdammt nochmal um das Mentale, Bernd! Nur dann bekommst du eine SCHÖNE und nicht nur eine erfolgreiche Karriere hin.“
Ritthammer meditiert und hat sich mit Philosophie beschäftigt. „Wenn du dir immer sagst ‚Ich kann nichts‘, dann wird sich das irgendwann festsetzen, und wenn du andersrum sagst ‚Ich bin der Beste‘, wird sich auch das auswirken“, umreißt er Grundsätze seines Mentaltrainings. Gerne hätte er diese Dinge füher schon beherzigt.
Beruflich stehen ihm jetzt einige Türen offen. Welche er schlussendlich wählt, steht noch nicht fest. „Ich war mir immer sicher, dass ich ganz klassisch Trainer werde, aber aktuell entdecke ich auch neue Seiten an mir“, sagt Ritthammer.
Gemeinsam mit seinem Profi-Kollegen Florian Fritsch und dem Journalist Jens Zielinski spricht er im Podcast „Tee Time“ über Themen rund um die Golfwelt. Außerdem ist er ab und zu als Eventmanager aktiv und betreut manche Golfevents auch medial. „Ich hätte nie gedacht, dass ich in diese Rolle passen würde, aber momentan fühle ich mich damit wirklich wohl“, sagt Ritthammer. Er hat viel zu sagen, auch jenseits vom Golfsport.
„Gier frisst Hirn“, sagt er zum Wechsel des Fußballers Ronaldo nach Saudi-Arabien. Auch in seinem Sport werden viele Ölmillionen investiert.
Im Herbst nächstes Jahr will er den Trainerschein machen. Im Moment liegt der Fokus auf geregelten Arbeitszeiten, denn auch seine Frau möchte wieder in ihren Beruf als Osteopathin einsteigen. Um die Kinder will sich das Paar gemeinsam kümmern.
Bernd Ritthammer plant Ende des Jahres eine offizielle Stellungnahme zu seiner Zukunft. Feststeht für ihn: „Ich bleibe dem Golf auf jeden Fall erhalten!“