Einsatzkräfte von Hilfsorganisationen haben Ende November den Fall der Fälle geprobt. Sie nahmen ein Szenario an, das dem Blackout in Berlin dieser Tage ähnelte. Übungs-Ideengeber war Stadtbrandrat Steffen Beck, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Ansbach. Wie sollen sich Menschen seiner Ansicht nach vorbereiten?
Hinter dem längsten Stromausfall in Berlin seit Kriegsende steckt mutmaßlich ein linksextremistischer Anschlag. Bis zu rund 45.000 Haushalte waren im Südwesten der Hauptstadt ohne Elektrizität, aber auch etwa 2200 Unternehmen. Es dauerte bis Mittwoch, bis die Schwierigkeiten beseitigt waren.
Einen ähnlichen Fall hatten auch die angenommen, die die Ansbacher Übung vorbereitet hatten: Dies sind Steffen Beck, der auch Örtlicher Einsatzleiter (ÖEL) ist, Pascal Mittemeyer, Stadtbrandinspektor und erster stellvertretender Kommandant, sowie Patrick Mittemeyer, Zugführer und ÖEL, alle von der FFW Ansbach.
Das Szenario „ist leider nicht unrealistisch”, führte der Leiter des städtischen Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, Martin Zippel, damals aus. An der Übung wirkten diejenigen Feuerwehren in der Stadt mit, die einen von mehreren Katastrophenschutz-Leuchttürmen mit Notstromversorgung betreiben. Das sind Anlaufstellen für Einwohnerinnen und Einwohner, zum Beispiel bei medizinischen Notfällen.
Außerdem machten das Rote Kreuz, die Polizei, das Technische Hilfswerk (THW), die Bundeswehr, die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) der Stadt und die Örtliche Einsatzleitung mit. Oberbürgermeister Thomas Deffner und der städtische Rechtsreferent Udo Kleinlein waren ebenfalls vor Ort.
Hinter der Übung stand ein Gasmangel- und Blackout-Konzept, das Steffen Beck mit seinem Vorgänger Horst Settler, abgestimmt mit dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz, für die Kommune erarbeitet hatte. So schildert es der Stadtbrandrat der FLZ. Nötig geworden sei das Konzept durch die Gasmangellage nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022.
Der Auslöser dafür, es einmal mithilfe einer Übung auf den Prüfstand zu stellen, gab laut Steffen Becks Worten ein 60-stündiger Stromausfall im September ebenfalls in Berlin, damals im Südosten der Hauptstadt. Zum neuerlichen Blackout dort stellt er fest: „Das ist Wahnsinn. Wenn man sich die Zahl der Haushalte in Berlin ansieht, ist das mehr als die Größenordnung des kompletten Ansbacher Stadtgebiets.”
Erschreckend findet Steffen Beck, wie verletzlich die kritische Infrastruktur in der Bundesrepublik sei und wie leicht man hier manipulieren könne. Er kritisiert, dass solche Leitungen in öffentlich zugänglichen elektronischen Portalen sichtbar seien. Ein derartiger Blackout kann seiner Ansicht nach jederzeit auch anderswo passieren.
„Natürlich sind als solche Anschlagsziele Großstädte attraktiver als eine ein wenig ländlich geprägte Struktur.” Der Stadtbrandrat nennt eine Lehre aus der Ansbacher Übung: „Man muss diese Arbeitsabläufe schon üben und Arbeitsabläufe vereinfachen.” Deshalb überarbeiteten die Beteiligten ihre Prozesse derzeit.
Es gehe zum Beispiel darum, mit dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz die Texte zu erstellen und zu überarbeiten, wie sich die Einwohnerinnen und Einwohner schnell und zielgerecht über Lautsprecherfahrzeuge informieren ließen.
Der Freistaat steuerte laut Steffen Becks Worten aus Anlass der Energiekrise 2022 nach und machte den Weg für Fahrzeuge und Stromerzeuger frei. „Aktuell stehen die Stromerzeuger für Ansbach vor der Auslieferung.” Das Fahrzeug sei schon da.
Wie können Menschen vorsorgen? Der Stadtbrandrat weist auf den Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen” des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hin. Dieser beinhaltet zum Beispiel Vorräte an Essen und Trinken oder die Art und Weise, wie man ohne Strom kocht oder mit Kindern über Krise sprechen kann.
Steffen Beck bittet darum, in einer solchen möglichen Krise Nachbarinnen und Nachbarn zu fragen, ob sie Hilfe brauchen, gerade ältere oder kranke Einwohnerinnen und Einwohner oder Mitmenschen ohne entsprechende Deutschkenntnisse. Eines lehnt er ab: „Ängste zu schüren”. Vielmehr sei es wichtig, die Arbeit der Hilfsorganisationen im Falle eines Falles zu erleichtern.
Die Stadt listet auf ihrer Internetseite die Katastrophenschutz-Leuchttürme und Versorgungsstellen auf: ansbach.de/Bürger/Sicherheit-Ordnung/Katastrophenschutz
Der Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen” ist auf der Seite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe abrufbar: bbk.bund.de