Auf Erika wartete die große Bühne: Die Kuh aus Oberhöchstädt (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) war für einen Auftritt auf der Grünen Woche in Berlin vorgesehen. Die internationale Agrar- und Verbrauchermesse hätte eine Gelegenheit geboten, ihre Rasse einem breiten Publikum vorzustellen. Klappte aber nicht.
Erika gehört zum Gelbvieh, auch Frankenvieh genannt – einer Rinderrasse, die in ihrem Bestand als gefährdet gilt. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) hat sie zur „gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ ernannt.
Doch zwei Tage vor der geplanten Abholung wurde Erikas Reisepläne durchkreuzt: Die Veranstalter der Messe entschieden, in diesem Jahr keine Paarhufer zuzulassen. Grund dafür war ein Ausbruch der hochansteckenden Maul- und Klauenseuche, die am 10. Januar unter anderem bei Wasserbüffeln im Berliner Umland festgestellt worden war.
Erikas Halter, Landwirt und Züchter Hans-Jürgen Regus, musste daher ohne sein Tier nach Berlin reisen. Regus ist Vorsitzender der Nürnberger Abteilung des Zuchtverbandes für Gelbvieh in Bayern und engagiert sich für den Erhalt der alten Rinderrasse. Seit Jahrzehnten geht der Bestand in Deutschland zurück.
„Der Strukturwandel und der weiter stärkere Zwang zur Leistungssteigerung, die Konzentration in der Rinderzucht zu wenigen Rassen mit sehr hoher Milchleistung trugen maßgeblich dazu bei, dass die Rasse heute als gefährdet gilt“, erklärte der Zuchtverband.
Die Frankenviehrasse wird sowohl wegen ihrer Milch als auch wegen ihres Fleisches von den Konsumenten geschätzt. Trotzdem ist der Bestand hierzulande seit Jahrzehnten rückläufig. Ihren Erhalt als „bäuerliches Kulturgut“ haben sich Regus und seine Mitstreiter auf die Fahnen geschrieben.
Apropos Milchleistung: Vorzeigekuh Erika bringt fast eine Tonne auf die Waage und liegt mit etwa 8000 Litern Milchleistung im vergangenen Jahr deutlich über dem Durchschnitt der Gelbvieh-Kühe, die normalerweise 5500 bis 6000 Liter produzieren. Dennoch wird das Vieh vorrangig wegen seiner Fleischqualität geschätzt. Die Tiere gelten als robust, gutmütig und haben gesunde Klauen.
Für Erika geht es trotzdem weiter – nur halt nicht auf die Messe. Eigentlich sollte sie nach ihrem Auftritt in Berlin direkt nach Mecklenburg-Vorpommern gebracht werden. Auf dem dortigen Gut Bad Sülze soll sie künftig als Mutterkuh für den Fortbestand ihrer Rasse sorgen. Damit endet ihre Zeit als Milchkuh in Oberhöchstädt, doch ihr Beitrag zur Erhaltung ihrer gelb- bis rotbraunfarbigen Rasse bleibt bestehen. ⋌