Bei der Bad Windsheimer Kilianiklinik steht der Spaß im Mittelpunkt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.01.2025 13:00

Bei der Bad Windsheimer Kilianiklinik steht der Spaß im Mittelpunkt

Der ständige Wechsel gefällt Alexandra Endres an der Arbeit in der Kinderbetreuung „Buntspecht“ der Bad Windsheimer Kiliani-Klinik. (Foto: Anna Franck)
Der ständige Wechsel gefällt Alexandra Endres an der Arbeit in der Kinderbetreuung „Buntspecht“ der Bad Windsheimer Kiliani-Klinik. (Foto: Anna Franck)
Der ständige Wechsel gefällt Alexandra Endres an der Arbeit in der Kinderbetreuung „Buntspecht“ der Bad Windsheimer Kiliani-Klinik. (Foto: Anna Franck)

Wenn Eltern eine Rehabilitation benötigen, kann es herausfordernd sein, sich um die Unterbringung ihrer Kinder zu kümmern. In der Dr. Becker Kiliani-Klinik in Bad Windsheim gibt es für solche Fälle eine Lösung: Die Kinder kommen mit. Alexandra Endres leitet seit sechs Jahren die dortige Kinderbetreuung „Buntspecht“.

„Die Mutter oder der Vater aller Kinder, die bei uns sind, sind durch Krankheit betroffen. Die Kinder haben die Erkrankung ihrer Eltern unmittelbar mitbekommen“, erklärt Alexandra Endres. Sie sind in der Kiliani-Klinik als Begleitperson dabei, während die Eltern Therapien absolvieren. „Das Wichtigste ist, dass die Kinder hier Freude haben, dass sie schöne Dinge erleben. Einfach, weil sie in der Vergangenheit mit Krankheit belastet waren.“

Gleichzeitig höchstens 15

Maximal 15 Kinder zwischen einem und zwölf Jahren kann die Kinderbetreuung, die es seit über 15 Jahren gibt, aufnehmen. „Es variiert immer, je nachdem, wann An- und Abreise ist. Wir haben einen stetigen Wechsel.“ Die tragende Gruppe, die schon länger da ist, aber in sich eben auch routiniert, nimmt die Neuankömmlinge auf. Auch Kleinkindern wird so eine schnelle Eingewöhnung ermöglicht, erklärt die Leiterin.

„Alle Kinder starten hier neu. Jeder hat die gleichen Voraussetzungen“, sagt Alexandra Endres. Jedes Kind bringe seinen Charakter mit ein, „das kann eine ganze Gruppendynamik verändern“. Im Schnitt bleiben die Sprösslinge drei bis vier Wochen – je nachdem wie lange die Reha eben dauert. Was das Angebot besonders macht: Laut Endres gibt es recht wenige Kliniken, in denen auch Kleinkinder unterkommen können.

Die Älteren helfen den Jüngeren

Der Nachwuchs kommt morgens in der Betreuung an. Der Tag gliedert sich dann in zwei Hälften. Die Angebote morgens wiederholen sich am Nachmittag. Verschiedene Programmpunkte verteilen sich so über den Tag – beispielsweise freie Zeit zum Spielen, pädagogische Angebote oder auch Stunden im Freien.

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Auf individuelle Bedürfnisse wird geachtet. Die älteren Kinder nehmen meist viel Rücksicht auf Jüngere, begleiten sie beispielsweise zum Händewaschen oder lesen ihnen ein Buch vor. Andere wollen lieber in ihrer Altersgruppe bleiben. „Beides kommt vor und ist in Ordnung.“

Die Kinder werden pädagogisch begleitet. Ziel ist nicht, die Vorbereitung für den Kindergarten oder die Schule. „Wir wollen, dass sie seelisch stabil sind“, betont Alexandra Endres. Oft gehe man in den Kurpark, der vor der Haustüre liegt. Verschiedene Anlaufpunkte werden dort regelmäßig besucht. „Beliebt ist das Tiergehege“, sagt die Leiterin, „da sind die Kinder immer begeistert.“ Auch Erlebnis- oder Vertrauensspiele gehören zum Angebot. Regelmäßig werden Ausflüge, beispielsweise ins Fränkische Freilandmuseum, organisiert. Ein Besuch bei der Polizei ist noch recht neu im Programm.

Nachhaltigkeit ist den Erzieherinnen wichtig

Auch an der bundesweiten Aktionswoche des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft „Zu gut für die Tonne“ beteiligte sich die Kiliani-Klinik schon. „Wir wollten den Kindern spielerisch den Wert von Lebensmitteln näherbringen“, so Alexandra Endres. Auch ein Blick in die Klinik-Küche wurde ermöglicht.

Recht neu gestartet sind zudem Programme für Eltern und Kinder, bei denen sie gemeinsam etwas erleben können. Vom Kinoabend über Ausflüge bis hin zum Lauschen einer Märchenerzählerin. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass die Erkrankten und ihre Kinder zusammen etwas erleben und eine gute Zeit haben.

„Die Kinder sollen aus dem Alltag und dem gewohnten Umfeld rauskommen können“, fasst Alexandra Endres zusammen. Dass ein Kind die Erkrankung des Elternteils bewusst anspricht, „passiert vielleicht einmal im Jahr“. Das Team bietet Elterngespräche an, wenn die Erziehungsberechtigten Unterstützung brauchen. „Wir versuchen dann, Tipps zu geben, um Kind und Eltern weiterzuhelfen. Auch bei generellen Erziehungsfragen.“

Man habe ein supergutes Team mit einem starken „Zusammengehörigkeitsgefühl. Ohne das würde es nicht gehen“, betont Endres. Zum Team zählen festangestellte Kräfte, die von 538-Euro-Kräften unterstützt werden. Tagesmütter, Kinderpfleger, Erzieher und Sozialpädagogen gehören dazu. Jeder kann dabei seine Stärken und Vorlieben einbringen. „Das macht es sehr vielseitig.“

Blitzschnell auf neue Menschen einstellen

Manche Fälle bleiben Endres besonders im Kopf. „Immer wieder mal hat man wirklich sehr, sehr kranke Mütter hier. Das beschäftigt einen schon. Da denkt man sich manchmal: Puh, Wahnsinn.“ Meist sind diese Personen dann von Multiple Sklerose betroffen, eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. „Mit den Schicksalen der Menschen ist das Team jeden Tag konfrontiert.“ Regelmäßige Fortbildungen, die helfen, sich selbst gesund zu halten, seien essenziell.

Alexandra Endres selbst ist seit sechs Jahren Leiterin der Kinderbetreuung „Buntspecht“ in der Kiliani-Klinik. Zuvor war sie 28 Jahre lang in der Klinik Solequelle in Bad Windsheim tätig, hatte über 20 Jahre auch die Leitungsfunktion der dortigen Kinderbetreuung inne. „Irgendwann wollte ich mich beruflich neu orientieren.“ Bei einem kurzen Exkurs in einem Kindergarten merkte sie, dass ihr das „immer wieder Kommen und Gehen“ so geläufig war, dass das dauerhafte Betreuen von Kindern über Jahre „nicht das war, was ich als spannend empfunden habe“.

Anders ist es in ihrem jetzigen Job: „Wir haben hier permanent neue Menschen, auf die man sich blitzschnell einstellen muss. Das ist eine Herausforderung, aber macht für mich den Arbeitsalltag unglaublich interessant“, erklärt die Leiterin. Viele Geschichten und Charaktere treffen hier aufeinander. „Ich mag das Abwechslungsreiche, das immer Neue. So bleibt es ständig spannend.“


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin im Online-Team
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