Beherzter Jazzabend: „Bolero Berlin” bringt südamerikanisches Feuer nach Uffenheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.11.2025 17:57

Beherzter Jazzabend: „Bolero Berlin” bringt südamerikanisches Feuer nach Uffenheim

Bolero Berlin gastierte beim Uffenheimer Kammermusikverein. Die Gäste feierten die Darbietung frenetisch. (Foto: Marion Etienne)
Bolero Berlin gastierte beim Uffenheimer Kammermusikverein. Die Gäste feierten die Darbietung frenetisch. (Foto: Marion Etienne)
Bolero Berlin gastierte beim Uffenheimer Kammermusikverein. Die Gäste feierten die Darbietung frenetisch. (Foto: Marion Etienne)

Ohne Jazz geht es zum Saisonende bei den Freunden der Kammermusik Uffenheim nicht. Mit Bolero Berlin hatten sie am Sonntagabend eine hochkarätige Jazzformation aus Berlin in die Obermühle geladen. Die mit viel Drive dargebotene Mischung aus Klassik, Bolero, Samba, Choro, Bossa Nova und Jazz-Improvisationen wurde vom Publikum gefeiert.

Die spannenden Dinge im Jazz spielen sich nicht selten in den Randzonen ab, wo mit anarchistischer Lust Ordnungen und Identitäten durcheinandergewirbelt werden. Das tun die sechs Musiker dieser Combo besonders gerne. Vier von ihnen stammen von den Berliner Philharmonikern: Martin Stegner (Viola), Manfred Preis (Klarinette), Raphael Haeger (Klavier) und Esko Laine (Kontrabass). Sie werden ergänzt von den Jazzmusikern Paulo Morello (Gitarre) und Rolo Rodriguez (Schlagzeug).

Schwindelerregende Improvisationen

„No risk, no fun“ könnte ihr Motto lauten. Ihre knackigen Arrangements, die meisten aus der Feder des Bratschisten Martin Stegner, und ihre schwindelerregenden Improvisationen zeugten von unbändiger Spiellust und einer herrlichen ungekünstelten Freude am Musizieren. Die Fans des wahren, beherzten Latin-Jazz' kamen durchaus auf ihre Kosten.

Jeder einzelne Titel wurde von Martin Stegner anmoderiert und dann fuhr der musikalische Südamerika-Express schwungvoll los mit einem Bolero von Django Reinhardt, dem Meister der Jazz-Gitarre. Langsam nahm er an Fahrt auf, mit einem Arrangement des Klassikers „Tico Tico“, einem brasilianischen Choro von Zequinha de Abreu.

„Summertime” aus „Porgy and Bess“ von George Gershwin wurde zu einem beschwingten „Summertime in the Desert“, ein abgefahrenes Arrangement, gewürzt durch einen Hauch Brazil, etwas Funk und Soul und eine große Menge Jazz. Wunderbar entspannend gelang die Bossa Nova von Paulo Morello „Entre as ondas“ (Zwischen den Wellen). Pixinguinhas Choro „Segura ele“ (Halt ihn fest) fegte wie ein Saiten-Wirbelsturm über die begeisterten Zuhörer hinweg.

Perfekt aufeinander eingestelltes Kollektiv

Die sechs Musiker verstanden sich als intimes Kollektiv, das aufeinander hören und zugehen konnte. Sie benützten nicht einfach eine Themenvorlage, zum Beispiel den Evergreen „Besame mucho“, für selbstverliebte Soloexkursionen, sondern entwickelten daraus mit viel Spiellust ein rhythmisch gewitztes und hervorragend interpretiertes eigenes Arrangement.

Locker und leichtfüßig tänzelnd kamen Samba-, Bossa-, Choro- und Walzertakte daher, immer getragen von den kraftvoll-rhythmischen Schlagzeugimpulsen und mit Herzblut und viel Spielfreude interpretiert. Mit einem raffinierten Arrangement der „Habanera” aus George Bizets Oper „Carmen” endete die abwechslungsreiche Fahrt.

Endstation war aber noch lange nicht. Begeistert erklatschten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer noch zwei Zugaben: Und wieder ließen die Musiker ihrer Spielfreude freien Lauf, auch diesmal mit grooviger Latin-Improvisationsfreude bei Astor Piazzollas „Libertango“ und dem „Tico Tico“.


Von MARION ETIENNE
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