Befehl verweigert: 15-Jährige sollten in Flachslanden die Alliierten aufhalten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.10.2025 14:00

Befehl verweigert: 15-Jährige sollten in Flachslanden die Alliierten aufhalten

Georg Wehr versteckte sich als Junge im Wald, während seine Kameraden in den letzten Kriegstagen ums Leben kamen. (Foto: Fritz Arnold)
Georg Wehr versteckte sich als Junge im Wald, während seine Kameraden in den letzten Kriegstagen ums Leben kamen. (Foto: Fritz Arnold)
Georg Wehr versteckte sich als Junge im Wald, während seine Kameraden in den letzten Kriegstagen ums Leben kamen. (Foto: Fritz Arnold)

Am Freitag findet in der Kirche in Flachslanden die Trauerfeier für Georg Wehr statt. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges, als 15-Jähriger, sollte er als Mitglied des Volkssturms die US-Truppen aufhalten. Jenen 16. April 1945, an dem er diesen Befehl verweigerte, vergaß er zeit seines Lebens nicht.

Ob in Kreisen des Heimatvereins oder im Seniorentreff in Flachslanden – Georg Wehr, der 95 Jahre alt wurde, erinnerte wiederholt an die dramatischen Ereignisse am 16. und 17. April 1945. Als Jugendlicher musste er damals Mitglied des „Volkssturms” sein. Die Organisation wurde zum Kriegsende gegründet. Sie vereinte Männer zwischen 16 und 60 Jahren, die nicht in der Wehrmacht dienten. Im Volkssturm sollten sie den Vormarsch der Alliierten aufhalten.

Georg Wehrs „Volkssturmtruppe” in Flachslanden bestand aus ihm selbst und zwei weiteren 15-Jährigen aus der Gegend. Ein Soldat gab den dreien den Befehl, vor der herannahenden Front mit ein paar Waffen und Munition auf einem Leiterwagen Richtung Ansbach zu marschieren. Auf der Höhe bei Birkenfels trafen sie einen aus Flachslanden geflohenen Ortsgruppenleiter.

Das Gasthaus brannte lichterloh

Gemeinsam blickten sie hinüber auf das nach einem Bombentreffer brennende Gasthaus Rebelein im Zentrum Flachslandens. Bei dem Brand starben zwei Frauen – von diesem prägenden Ereignis erzählte Georg Wehr immer wieder in seinem Leben. Damals bei Birkenfels nutzte er nämlich die Gunst der Stunde und versteckte sich im Staatswald. Er schlug sich durch bis ins sieben Kilometer entfernte Neustetten. Dort gab ihm eine Bäuerin Unterschlupf. Nach zwei Tagen kehrte er über Schmalnbühl in sein Elternhaus nach Hainklingen, heute ein Ortsteil Flachslandens, zurück.

Seine beiden Begleiter hingegen waren mit dem Soldaten und dem Ortsgruppenleiter weiter nach Süden gezogen. Die beiden Jungen kamen in Oberbayern in den letzten Kriegstagen ums Leben. Nie ließ Georg Wehr die Frage los, warum der Ortsgruppenleiter nicht erkannt hatte, dass militärischer Widerstand keinen Sinn mehr ergebe. Georg Wehr hätte sich gewünscht, dass der Ältere die Buben aufgefordert hätte, heimzugehen.

Schwierige Bedingungen

Nach dem Krieg arbeitete Georg Wehr bei einem Bauern als Knecht. Er war das siebte von acht Kindern einer Schäferfamilie. Die Familie lebte im ärmlichen Verhältnissen. „Ich habe es schwer gehabt“, so fasste Georg Wehr sein Leben selbst zusammen. In den 1950er Jahren heiratete er, zog vier Kinder groß, baute ein Haus und hielt drei Kühe.

1966 ergab sich die Chance, als „Wegmacher“ in den Dienst des Landkreises Ansbach zu treten, der für den Unterhalt der Straßen in der Umgebung einen Arbeiter suchte. Hier blieb er bis zum Eintritt in die Rente im Jahr 1992. Nachdem seine Frau vor neun Jahren starb, lebte er in seinem Haus allein, fuhr bis zum 94. Lebensjahr Auto. Er war auf die Hilfe einer Pflegekraft angewiesen.


Von Fritz Arnold
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