Die Historische Stadtbibliothek Bad Windsheim ist endlich ein Stück weit sichtbarer geworden – und zwar mit Hilfe der Online-Datenbank der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB). In der sind rund 21 Millionen Objekte abrufbar, wie es auf der Startseite heißt. Ab sofort gehören nun auch fünf Handschriften aus der Historischen Stadtbibliothek Bad Windsheim dazu.
Möglich gemacht hat das mit viel Einsatz und zeitlichem Aufwand die Stadtarchivarin Stella Bartels-Wu. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass zunächst einmal fünf der insgesamt 116 Handschriften der Historischen Stadtbibliothek digitalisiert und in die DDB aufgenommen werden.
Denn bevor die Handschriften wegen der bevorstehenden Sanierung des Klosterchors aus eben diesem ausgelagert werden mussten, hatte sie jede der Schriften irgendwann einmal in Händen gehalten – und dabei festgestellt, dass sich einige in einem erbärmlichen Zustand befinden. Weil Geld zur Digitalisierung nur für fünf Werke vorhanden war, sei laut Bartels-Wu das Auswahlkriterium schnell klar gewesen: Die Schriften, die in einem besonders schlechten Zustand sind, sollten nach der restauratorischen Bearbeitung zusätzlich digitalisiert und anschließend in die DDB eingestellt werden.
Die ausgewählten Werke sind allesamt theologische Sammelhandschriften. Und genauso wie diese, hätten auch alle anderen Handschriften, darunter 70 Predigtsammlungen, einst zum Kernbestand der Klosterbibliothek gehört. Erst sehr viel später seien sie in die Ratsbibliothek übernommen worden.
Dass sich so viele Predigtsammlungen im Bestand der Historischen Stadtbibliothek befinden, habe damit zu tun, dass „das Hauptgeschäft“ der einst im Kloster der Augustiner-Eremiten lebenden Mönche die Seelsorge gewesen sei, erklärt Bartels-Wu. Dabei seien Predigten ein wichtiger Bestandteil gewesen. Doch auch eine naturwissenschaftliche Handschrift ist zu finden.
Dass die fünf theologischen Sammelschriften nun online verfügbar sind, bezeichnet die Bad Windsheimer Stadtarchivarin als „Meilenstein“. „Damit werden wir sichtbar und für Forscher aus der ganzen Welt erreichbar.“ Denn vor allem für Wissenschaftler seien die Schriften interessant. Wer sie lesen will, braucht aber einiges an Fähigkeiten.
„Die Werke sind sozusagen in abgekürztem Latein verfasst. Um das auflösen zu können, muss man fit sein“, erklärt Bartels-Wu. Dass sie wohl künftig weniger Direktanfragen von Wissenschaftlern aus aller Welt haben wird, je mehr Bad Windsheimer Handschriften online verfügbar sind, bedauert die Stadtarchivarin zwar fast ein bisschen. Schließlich sei es unglaublich interessant, zu erfahren, aus welchen Ländern und zu welchem Zweck jemand auf eine ganz bestimmte Handschrift zugreifen möchte.
Aber für Bartels-Wu steht die weltweite Vernetzung ganz klar im Vordergrund. Deswegen liegt es ihr auch am Herzen, die anderen Handschriften noch digitalisieren zu lassen. Doch das kostet, und die Stadt wird die dafür benötigten Summen nicht komplett selbst stemmen können. „Wie viel es kostet, eine solche Handschrift mit rund 350 Seiten professionell scannen und digitalisieren zu lassen, ist vom jeweiligen Aufwand abhängig“, erklärt Bartels-Wu. Man könne grob rechnen, dass rund 55 Cent pro Seite bei einem einfachen Fall zu berappen seien und bis zu vier Euro pro Seite bei „schweren Fällen“.
Es müssten zudem bestimmte Formalien eingehalten werden. Und je schlechter der Zustand eines Buches sei, umso behutsamer müsse vorgegangen werden. Man könne die Schriften schließlich nicht einfach auf irgendeinen handelsüblichen Scanner legen. Bei einigen Werken dürfe zum Beispiel beim Aufklappen der Seiten ein maximaler Öffnungswinkel nicht überschritten werden. Und es müsse berührungsfrei gescannt werden.
Vom Ergebnis der bislang gescannten Schriften ist Bartels-Wu begeistert. „Man sieht auf den Scans sogar, wie das Pergament genäht worden ist.“ Man könne die Seiten zudem vergrößern, ohne dass sie an Qualität verlieren. Und sie sind so angelegt, dass man sie herunterladen kann. Ins Schwärmen gerät die Archivarin, als sie von den kunstvollen Initialen und Bildern in den Büchern erzählt.
Für die historisch Interessierte ist dieser Meilenstein zugleich ein Großprojekt, das sie neben dem Umzug des Stadtarchivs in neue Räume und weiteren Vorhaben alleinverantwortlich gestemmt hat und weiterhin stemmen wird. Sie hat nach der Digitalisierung der Schriften jede einzelne durchgeschaut. Dabei hat sie penibel darauf geachtet, dass alle Seiten richtig herum gescannt worden sind und keine vergessen worden ist.
Bartels-Wu hat Daten und Schlagworte eingegeben und Förderanträge gestellt. Mit den Restauratoren hat sie zudem geklärt, unter welchen Bedingungen die Werke zu scannen sind. „Es ist nicht trivial, so etwas zu machen. Und es gibt Richtlinien, an die man sich bei einem solchen Projekt halten muss, weil es sonst keine Fördergelder gibt.“
Um künftig nicht allein auf Fördergelder angewiesen zu sein, hoffen Bürgermeister Jürgen Heckel und die Stadtarchivarin auf Sponsoren. Wer mindestens 300 Euro gibt, kann sich zudem von der Stadt eine Spendenquittung ausstellen lassen. Willkommen sind aber alle Beträge.
Wer die Restaurierung und Digitalisierung der Bad Windsheimer Handschriften finanziell unterstützen möchte, kann das über folgendes städtisches Konto tun: IBAN DE83 7625 1020 0430 1000 16. Ganz wichtig: Als Stichwort „Stadtarchiv“ angeben.