Der Bayerische Bauernverband (BBV) setzt sich dafür ein, dass das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten in Südamerika nicht auf Kosten der heimischen Landwirtschaft geht.
Bei einem Abgeordnetengespräch mit Bundestagsabgeordnetem Artur Auernhammer auf dem Hesselberg sagte der BBV-Kreisobmann Reinhold Meyer, der Handel sei wichtig für die bayerische Landwirtschaft. Nötig seien aber vergleichbare Wettbewerbsbedingungen.
Neben den großzügigeren Regeln für Zucker, Ethanol und Geflügel ist es vor allem das zusätzliche zollreduzierte Einfuhrkontingent für Rindfleisch, das den Bauern Sorgen bereitet, da es sich dabei vor allem um Edelteile handeln werde, die für einen großen Teil der Wertschöpfung sorgen. Daher könne das Mercosur-Abkommen den EU-Rindfleischmarkt aus dem Gleichgewicht bringen.
Zudem gebe es in Südamerika weniger strenge Anforderungen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Antibiotika, beim Tierwohl, bei der Rückverfolgbarkeit und beim Klimaschutz. Deshalb fordert der Bauernverband, den Agrarteil des Abkommens neu zu verhandeln, auch im Interesse der Verbraucher.
Der von der EU-Kommission aktuell vorgeschlagene Entschädigungsfonds für die Landwirtschaft stelle aus Sicht des BBV keine tragfähige Lösung dar. Er sei vielmehr der „höchst durchsichtige Versuch einer Art Beruhigungspille“ für die EU-Landwirtschaft, die der BBV genauso ablehne wie der Europäische Bauernverband COPA.
Aus der Sicht eines betroffenen Landwirts schilderte Friedrich Weberndörfer die Lage. Das Abkommen diene in erster Linie der Industrie. Es müsse aber andere Wege geben, um „die Industrie wieder hochzubringen“, als den Landwirten Steine in den Weg zu legen.
Ruth Maurer brachte die Perspektive der Verbände für landwirtschaftliche Fachbildung (VlF) ein. Auch sie betonte, dass in Südamerika andere Standards gelten als in der Europäischen Union. Die Verbraucher wollten regionale Lebensmittel. Bildung sei wichtig, um die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Faktoren verständlich zu machen und die Ernährungskompetenz der Menschen zu stärken.
Der Bundestagsabgeordnete Auernhammer antwortete, es sei wichtig, die Anliegen der Bauern bei den anstehenden Verhandlungen zu berücksichtigen. Es gebe aber derzeit einen „Riesendruck aus der Wirtschaft“, das Mercosur-Abkommen umzusetzen. Er warb aber auch für eine differenzierte Sicht. So gehe die Zuckerproduktion in Deutschland zurück und Südamerika sei auch ein interessanter Absatzmarkt für bayerischen Käse.
Es gehe auch um eine saubere Deklaration der Herkunft und um die Klärung der Frage, welchen nationalen Spielraum das Abkommen lasse. Auernhammer brachte zudem einen verstärkten Einsatz von Biokraftstoffen zur Sprache, der eine schnellere CO2-Einsparung als Elektrofahrzeuge ermöglichen würde.
BBV-Kreisobmann Meyer ging darüber hinaus auf die dominierende Rolle des Lebensmittel-Einzelhandels ein. So lande das Rindfleisch in Deutschland ohne die optimale Reifezeit zu früh nach der Schlachtung im Supermarktregal.