Bauernkrieg in Rothenburg: Der „Uffrur” und seine bis heute sichtbaren Spuren | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.01.2025 16:53

Bauernkrieg in Rothenburg: Der „Uffrur” und seine bis heute sichtbaren Spuren

Volles Haus in der ehemaligen Turnhalle, die vom Campus jetzt vielfältig genutzt wird. Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger sprach über die Bauernkriege und vor allem die Beteiligung von Rothenburg, Ohrenbach und Brettheim. (Foto: Margit Schwandt)
Volles Haus in der ehemaligen Turnhalle, die vom Campus jetzt vielfältig genutzt wird. Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger sprach über die Bauernkriege und vor allem die Beteiligung von Rothenburg, Ohrenbach und Brettheim. (Foto: Margit Schwandt)
Volles Haus in der ehemaligen Turnhalle, die vom Campus jetzt vielfältig genutzt wird. Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger sprach über die Bauernkriege und vor allem die Beteiligung von Rothenburg, Ohrenbach und Brettheim. (Foto: Margit Schwandt)

Im Rahmen der Rothenburger Diskurse hat Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger am Campus vor einem großen Publikum über den „bewirschen Uffrur“, den „Aufstand des gemeinen Mannes“, referiert. Und er ging der Frage nach, wie die Geschichte und die jeweiligen politischen Akteure den Bauernkrieg einordneten und wiederholt bewusst auch instrumentalisierten.

Im Jahr 1925 jedenfalls habe es keine Veranstaltung, keine weitere Darstellung in der Presse zum 400. Gedenkjahr des Bauernaufstandes in der Region gegeben, erklärte er, und stieg tief in die Geschichte ein. Die Reichsstadt Rothenburg mit ihren großen Landgebieten sei vor 500 Jahren ein kleiner „Stadtstaat“ gewesen, mit einem inneren Rat, dem die ehrbaren Familien – wohlhabende Landbesitzer – angehörten. Dann gab es eine breite Mittelschicht mit Handwerksmeistern, Gesellen und der Geistlichkeit, Mönchen, Nonnen und Frauen. Über die einfachen Leute, die ebenfalls in der Stadt lebten, wie Bettler und Tagelöhner, wisse man wenig. Auf dem Land – in der Landwehr – lebten und arbeiteten Bauern, Handwerker und Gastwirte.

Sehr unterschiedliche Lebenswelten zwischen Stadt und Dorf

Stadt und Land seien eng verbunden gewesen – militärisch, religiös, kulturell und wirtschaftlich. Die Stadt war auf die land- und forstwirtschaftlichen Erträge der Bauern angewiesen, die Dorfbewohner hätten ihre Erzeugnisse in der Stadt verkauft und dort auch eingekauft. Es habe Verwandtschaftsbeziehungen und Freundschaften gegeben, doch die Lebenswelten zwischen den Dörfern und der Stadt seien sehr unterschiedlich gewesen. Die Religion war allgegenwärtig. Luthers Lehre von der „Freiheit eines Christenmenschen“ und dem Kampf gegen kirchliche Missstände spielten eine bedeutende Rolle.

Reformatorische Bewegungen gab es auch in der Stadt, zudem war die Mittelschicht zunehmend unzufrieden mit ihren Lebensumständen. Große Bedeutung erlangte hier der Prediger Johannes Teuschlein, der sich im Spannungsfeld von Antijudaismus, Marienfrömmigkeit, Reformation und Bauernkrieg bewegte. In ihm besaßen die Bauern einen Verbündeten in Rothenburg. Unabhängig voneinander formierten sich am 21. März 1525 ungefähr 800 Bauern in Ohrenbach und Brettheim. Sie beschlossen den Aufstand, wählten Hauptleute und Räte. Die Menschen – besonders in Ohrenbach – seien selbstbewusst gewesen und wussten um ihre Rechte, so Huggenberger. Bereits am 23. März schickten sie Abgesandte nach Brettheim, schlossen sich mit ihnen zusammen.

Mit Flöten und Trommeln zogen die Ohrenbacher ein

Die Ohrenbacher zogen zunächst friedlich mit Flöten- und Trommelklängen durch die Stadt, um auf sich aufmerksam zu machen, und wurden von sympathisierenden Rothenburgern in ihre Häuser eingeladen, was dem Rat der Stadt missfiel.

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Er forderte die Bauern auf, die Stadt zu verlassen, was diese auch taten. Aber sie gingen nicht als Verlierer, so Huggenberger: Kaiserliche kamen nach Rothenburg, schenkten den Aufständischen Gehör und kamen fast allen Forderungen nach. Dies wurde am 15. April in einer Urkunde besiegelt. Zunächst schien alles gut. Die Bauern hatten sich unter anderem „hoch beladen“ mit Hauptrecht und Handlohn gefühlt, außerdem „ubermassen beladen“ mit der Steuer sowie mit dem Klauengeld. Sie wandten sich gegen Bodengeld und Ungeld, gegen die Leibeigenschaft, gegen unrechte Zölle und neue Sonderabgaben.

Im Mai 1525 kam Florian Geyer in die Stadt und forderte die Abschaffung ungerechtfertigter Steuern und die reine religiöse Lehre nach dem Evangelium. Und er hatte ein ganz besonderes Ziel vor Augen: Er wollte die Festung Marienburg oberhalb von Würzburg einnehmen.

Uneinnehmbare Festung in Würzburg

Militärisch organisiert zogen die Rothenburger Bauern aus der Landwehr hinaus. Sie vereinigten sich mit dem Bauern aus den Deutsch-Ordens-Gebieten um Mergentheim und Würzburg. Burgen des niederen Adels wurden ebenso geplündert wie verschiedene Klöster.

Anfang Mai 1525 trafen sich die fränkische Bauernheere vor Würzburg. Um die bischöfliche Festung Marienberg zu erobern, wurden aus Rothenburg Geschütze herangeschafft. Doch die Festung erwies sich als uneinnehmbar, gegen die Übermacht der kampferprobten Heere hatten die Bauern keine Chance.

Damit war der Aufstand in Franken gescheitert. Der Ansbacher Markgraf Kasimir von Brandenburg-Kulmbach forderte die bedingungslose Kapitulation der Aufständischen, außerdem die Wiedereinführung des katholischen Gottesdienstes.

Die Bauernaufstände wurden von einer Übermacht der kampferprobten Heere blutig niedergeschlagen. Einen Eindruck von der militärischen Macht gibt die Sonderausstellung „Waffen einer Reichsstadt“ im RothenburgMuseum. (Foto: James Derheim)
Die Bauernaufstände wurden von einer Übermacht der kampferprobten Heere blutig niedergeschlagen. Einen Eindruck von der militärischen Macht gibt die Sonderausstellung „Waffen einer Reichsstadt“ im RothenburgMuseum. (Foto: James Derheim)

Vor 500 Jahren: Das ist zum Gedenkjahr der Bauernkriege in Rothenburg geplant

Der Bauernkrieg jährt sich 2025 zum 500. Mal, aus diesem Anlass hat der Tourismus-Service in Rothenburg verschiedene Veranstaltungen geplant.
17.01.2025 08:00
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Kasimir ließ 20 Männer in Rothenburg hinrichten

Am 30. Juli 1525 musste sich die Rothenburger Bürgerschaft auf dem Marktplatz versammeln. Den Bauern wurde Handeln gegen die kaiserliche Majestät und den Rat als ihre natürliche Obrigkeit vorgeworfen. Ebenso der Schaden an Burgen, Klöstern und Gütern, der Verstoß gegen den kaiserlichen Landfrieden und gegen die Ordnung des Heiligen Römischen Reiches. Sie mussten ihre Waffen und Rüstungen abgeben.

Markgraf Kasimir ließ am 30. Juni und am 1. Juli 1525 insgesamt 20 Männer hinrichten, Bauern, Bürger und Geistliche, unter ihnen Johannes Teuschlein. Etliche Aufständische wurden verhaftet, die Bauern unterworfen. Der politische und religiöse „Status quo“ war durch den Ansbacher Markgrafen wiederhergestellt worden.

Die Nachwirkungen haben die Stadt noch lange beschäftigt, sie musste Kriegsentschädigungen zahlen und Herrschaftsrechte außerhalb der Landhege abtreten.

Was bleibt übrig für die Stadt?

Doch was blieb übrig vom Bauernkrieg? War etwas für die Bauern und die Bürger erreicht worden? Eigentlich sei zunächst nichts erreicht worden, so Huggenberger. Die Bauern seien demilitarisiert worden, hätten ihre Leibeigenschaft behalten. Man habe allein den Aufständischen die Schuld am Bauernkrieg gegeben. Mindestens 70.000 Menschen, fast alle Bauern, hätten ihr Leben gelassen. Georg Heinrich Schaffert sprach 1771 davon, dass der Aufstand böse und „vom Teufel war“, unter der Vereinnahmung Gottes.

Der deutsche Historiker Leopold von Ranke hingegen sprach 1839 vom „größten Naturereignis des deutschen Staates“. Heinrich Wilhelm Bensen sah in seiner Einschätzung 1849 die „Bauern im heldenmütigen Kampf“. Doch die positiven Bezüge zum Bauernkrieg waren eher die Ausnahme. Das erkläre auch die Zurückhaltung im Jahr 1925.

Ganz anders wurde des Bauernkriegs dann im Jahr 1975 gedacht. Zur Erinnerung gab es ein Fest in der Landwehr. In Reichelshofen trafen sich „Stadt und Land“ vom 6. bis 8. Juni 1975 zu einem großen Fest. Das Bier floss in Strömen, es gab ein historisches Lager der Bauernkrieger 1525 am Reichelshöfer Weiher mit Gruppen aus Rothenburg, Schillingsfürst und Ohrenbach.

Die Schirmherrschaft hatte Landrat Georg Ehnes übernommen. Und sogar eine Busverbindung nach Rothenburg hatte man eingerichtet. Es sei eine Spaßveranstaltung gewesen, ein „einziges Besäufnis“, war später in unserer Zeitung zu lesen.

Viele Blickwinkel für die Ereignisse im Jahr 1525

Heute möchte die Stadt von vielen Blickwinkeln aus auf die Ereignisse des Jahres 1525 schauen, erklärte Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler den Anwesenden. Und natürlich der Opfer gedenken.

Christöphler nennt zum Beispiel die Sonderausstellung im RothenburgMuseum „Die Waffen einer Reichsstadt“. Dort sind stadtbürgerliche, bäuerliche und adelige Waffensysteme zu sehen. Veranstaltungen auf dem Marktplatz stehen ebenfalls auf dem Programm, darunter „Uffrur! … on the road“, ein Spektakel, bei dem der Marktplatz in ein lebendiges, immersives Open-Air-Pop-Up-Festival verwandelt wird. Ein weiterer Höhepunkt für den Tourismusdirektor: Das Historiengruppenspiel zu den Geschehnissen von 1525 im Rahmen der Reichsstadttage.


Von Margit Schwandt
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