Während bundesweit die Ernteschätzungen für Getreide in den letzten Tagen etwas nach oben korrigiert wurden, gehen die Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes im Landkreis Ansbach und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bestenfalls von einer durchschnittlichen Ernte aus.
Bei einer Erntevorschau auf dem Hof der Familie Fischer in Mörsach in der Gemeinde Arberg wurde hervorgehoben, dass vor allem der Winterweizen jetzt in einer Phase sei, in der er dringend reichlich Niederschläge bräuchte. Mit dabei waren der stellvertretende Kreisobmann Fritz Hahn, Kreisbäuerin Christine Reitelshöfer, stellvertretender Landrat Hans Henninger sowie Dieter Proff und Bernd Nagel vom Landwirtschaftsamt.
Bei der Wintergerste sei es eh schon zu spät. Mit dem Beginn des Mähdrusches werde voraussichtlich um den 1. Juli gerechnet. Dass die für das Wochenende am 15. Juni prognostizierten Regenfälle weitgehend ausgefallen sind, hat in den Bauernfamilien weithin enttäuscht.
Das viel zu trockene Frühjahr hat zwar eine zeitige Bestellung von Sommergetreide, Zuckerrüben und die Aussaat von Mais ermöglicht, aber vor allem die Wintergerste litt unter dem Wassermangel.
Wie Dieter Proff erläuterte, hat es von März bis Mai weniger als die Hälfte geregnet als im langjährigen Mittel. Die Rapsblüte war nicht so üppig wie gewohnt und die Pflanzen verzweigten nur gering.
Die ohnehin nicht einfachen Abschätzungen der Rapsernte seien dieses Jahr noch schwieriger. Sie werde aber vermutlich niedriger als gewohnt ausfallen. Einen Vorteil hatte jedoch die trockene Witterung, bei der geringere Pilzkrankheiten am Getreide auftraten und in der Regel eine Bekämpfungsmaßnahme ausreichte. Im Blick auf den gesamten Landkreis schneiden in diesem Jahr die Lagen mit einem guten Wasserhaltevermögen der Böden besser ab. Wie Markus Förster von der BBV-Kreisvorstandschaft erläuterte, sei das Getreide in diesem Jahr wegen der höhten UV-Strahlung kürzer geblieben.
Dass es im Frühjahr weithin zu kühl war, darunter litt vor allem der Aufwuchs auf den Wiesen in Tallagen. Nach Angaben von Heinz Fischer ist auf den „tiefen Wiesen“ noch nie so wenig Gras gewachsen.
Der Hof der Familie Fischer mit 92 Hektar Fläche ist davon stark betroffen, denn ein großer Teil liegt im Wiesenbrütergebiet der Altmühl, wo überhaupt nicht gedüngt werden darf und das Doppelmessermähwerk eingesetzt werden muss. Auf den anderen Wiesen macht die Düngeverordnung Probleme, weil hier die Gülleausbringung im Herbst eingeschränkt ist.
Dass hier mit späten Mähterminen viel Heu anfällt, hat die Jungbauernbrüder Tobias und Andreas Fischer auf die Idee gebracht, Heumulch-Pellets herzustellen.
Als reines Naturprodukt von ungedüngten Wiesen werden die Heumulch-Pellets in der Direktvermarktung an Gartenbesitzer verkauft. Eine Schicht von einem Zentimeter Dicke mit den Pellets reiche für ein ganzes Jahr.
Als nach ihren Angaben derzeit einziger Anbieter dieses umweltfreundlichen Mulchmaterials verarbeiten die beiden Brüder mehrere Hektar des ungedüngten Wiesenaufwuchses in ihrer dafür eingerichteten Manufaktur.