Weniger und vor allem einfachere Vorschriften sowie mehr Eigenverantwortung fordern die bayerischen Bauern von einer neuen Bundesregierung. Die Landwirte Markus Förster aus Geslau und Carola Reiner aus Oberdachstetten sowie Peter Köninger vom Bayerischen Bauernverband erklären, wie die Bürokratie die Bauern in ihrer Tätigkeit erstickt.
Sieben Tage in der Woche steht Markus Förster um 7 Uhr auf und kümmert sich um seinen Hof. 1000 Mastschweine, Biogasanlage, über 300 Rinder – meist macht er erst gegen 21 Uhr Feierabend. Seine Eltern und seine beiden Brüder unterstützen ihn. Sie stehen sogar noch früher auf. Die langen Arbeitszeiten stören sie wenig. „Ich bin Vollblutbauer“, sagt Förster.
Bei aller Liebe zu seinem Beruf kommt bei ihm aber immer öfter Frustration auf. Der Hauptgrund: Die überbordende Bürokratie. Es gebe Tage, da verbringt er mehr Zeit am Schreibtisch als auf seinem Hof.
So wie Förster geht es vielen Landwirten. Peter Köninger ist mittelfränkischer Präsident des Bauernverbandes: Ihn stört vor allem, dass durch Gesetze und Verordnungen alle Tätigkeiten bis ins kleinste Detail geregelt sind. Für Eigenverantwortung der Bauern und die Berücksichtigung lokaler Situationen bleibe wenig Platz. „Bürokratiemonster lassen immer mehr Bauern aufgeben.“
So sei genau geregelt, wie viel Dünger eingesetzt oder wann welches Getreide ausgesät werden darf, unabhängig davon wie hart, trocken oder fruchtbar ein Acker ist.
Carola Reiner betreibt einen eigenen Bauernhof in Oberdachstetten. Von der Bürokratie kann sie ein Lied singen: „Wir müssen für verschiedene Stellen drei bis vier Mal die immer gleichen Nachweise erbringen.“ Beispiele seien Qualitäts- und Sicherheitskontrollen am Hof durch verschiedene Ämter. „Jede Kontrolle kostet mich einen halben Tag und ich zeige jedes Mal das Gleiche. Ich finde, das ist Bürokratie, die nicht sein muss“, sagt Reiner. Eine Bündelung der Überprüfungen würde Ressourcen sparen. Hinzu kommt, dass sie jede Kontrolle bezahlen muss.
Über ihren Viehbestand muss die stellvertretende Kreisbäuerin genau Buch führen und jede Veränderung melden. Dennoch fordern Behörden zu Stichtagen eine zusätzliche Dokumentation des aktuellen Bestandes. Eine gemeinsame Agrar-Datenbank, auf die alle Ämter Zugriff haben, könnte hier abhelfen.
Die bayerischen Landwirte haben eine Erwartung an die kommende Bundesregierung. Köninger zählt auf: „Wir wollen einfachere Regelungen, keine doppelten Strukturen und erwarten eine Kompensation für immer mehr Dokumentationspflichten und -änderungen.“
Ministerpräsident Markus Söder hat den Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes Günther Felßner als neuen Landwirtschaftsminister ins Spiel gebracht. Für die drei Landwirte wäre dies ein gutes Zeichen: „Er wäre zumindest jemand vom Fach.“
Auch bei Landwirtin Reiner kommt gelegentlich der Gedanke auf hinzuschmeißen, verrät sie: „Wenn ich mal wieder tagelang an Anträgen sitze, reicht’s mir schon mal. Aber wenn ich dann draußen in der Natur bin und die Vielfältigkeit unseres Berufs sehe, dann weiß ich wieder warum ich das mache.“ Es ist die Leidenschaft, die sie weiter machen lässt.