Die Bad Windsheimer Sänger und Spielleut auflösen? Das war für Gerhard Zelzer und Jürgen Müller keine Option. Im Mai waren drei der damals fünf Mitglieder aus Altersgründen ausgestiegen. Nun verkünden sie freudig: Es geht weiter. Mit Klaus Krämer und Hannes Hauptmann haben sie würdige Nachfolger gefunden.
Mit dem diesjährigen Passionsspiel am Karfreitag ging die Ära von Fritz Eckardt, Erwin Geißendörfer und Horst Daubinger bei den Bad Windsheimer Sängern und Spielleut, die 1960 aus der Taufe gehoben wurden, zu Ende. Klar war schon an Ostern: „Wir wollen eine Nachfolgegruppe aufbauen“, sagt Jürgen Müller, der seit 2004 dabei ist und mit Gerhard Zelzer – seit 2006 Mitglied – das übrige Duo bildet. Das sei auch der ausdrückliche Wunsch der Ausgeschiedenen gewesen.
Dass das aufwendig für neue und alte Musiker werden würde, war allen Beteiligten bewusst. Wie schwer das wird, wusste Fritz Eckardt sehr gut – hatte er den Prozess doch schon drei Mal begleitet.
Mit Hannes Hauptmann aus Burgbernheim und Klaus Krämer aus Lenkersheim wurden stimmsichere und musikalisch erfahrene Nachfolger gefunden. Als Jürgen Müller bei Hannes Hauptmann anfragte, wusste er, dass dieser Ende März dieses Jahres in Pension gehen würde. Etwas Bedenkzeit hatte der 66-Jährige sich allerdings erbeten, denn die Freiräume, die die Rente mit sich bringt, „die will man sich ungern gleich wieder verbauen“.
Beim Blick in den Kalender wurde schnell klar, dass Hannes Hauptmann zu bestimmten Zeiten im Jahr, wie Ostern oder Weihnachten, ohnehin in der Heimat sein muss. Denn dann stehen Termine mit dem Kirchenchor St. Johannis an, den der Burgbernheimer leitet. „Das ließ sich gut parallelisieren. Die Welt erkunden kann man dann noch in anderen Zeiten.“
Wichtig war Hannes Hauptmann, der auch Sänger im Männergesangverein 1844 Burgbernheim ist, zudem: „Wenn ich bei etwas mitmache, dann möchte ich es richtig und nicht halbherzig machen.“ Schon früher war er volksmusikalisch aktiv, gehörte einige Jahre der Rothenburger Stadtpfeifferey oder auch der Gruppe Lehrdreyer an, besitzt eine große Anzahl an – teils historischen – Instrumenten. Reizvoll war es deshalb für ihn, „ihnen mal wieder Schwingung zu geben“. Bei den Windsheimer Sängern und Spielleut singt er nun den ersten Bass und folgt damit auf Fritz Eckardt.
Mit Hannes Hauptmann war es noch recht einfach, sagt Jürgen Müller, „den hatten wir schon im Hinterkopf“. Schwieriger war es da, den ersten Tenor neu zu besetzen. Gerhard Zelzer wurde schließlich auf Klaus Krämer aufmerksam gemacht. Der 58-Jährige singt seit 2012 im Männergesangverein Lenkersheim und leitet den Chor mittlerweile sogar. Im Quartett folgt er auf Erwin Geißendörfer.
Volksmusik war für den Lenkersheimer zunächst noch Neuland, er zeigte sich aber recht aufgeschlossen. Wenn jede Stimme mit nur einer Person besetzt ist, ist das freilich anders als bei einem Chor, sagt Klaus Krämer. „Das muss alles getaktet sein, der Anspruch ist an der Stelle höher.“
Aus zuletzt fünf Sängern sind nun wieder vier geworden – wie in der Urbesetzung. Jetzt, da eine Person wegfällt, sei es nötig, dass alle Beteiligten auch Instrumente spielen. Besonders Klaus Krämer stellte sich der Herausforderung, erklärte sich bereit, sich beispielsweise an Flöte und Drehleier zu versuchen. Hauptmann erlernt den Kontrabass.
Im Laufe der Zeit müssen die Vier nun immer mehr zusammenwachsen. „Das ist ein Prozess“, sagt Jürgen Müller. Schließlich gehören zum Repertoire rund 150 Lieder und alle sollen letztendlich auswendig vorgetragen werden. Geprobt wird nun im Haus von Hannes Hauptmann in Burgbernheim. Einmal pro Woche trifft sich das Quartett. Derzeit bereiten sich die Sänger auf die Fränkische Weihnacht vor, ein Programm mit etwa 14 Liedern. Zu hören gibt es diese am Sonntag, 10. Dezember, um 17.30 Uhr beim Konzert in der Spitalkirche in Bad Windsheim.
„Der erste Auftritt wird sehr spannend“, sagt Gerhard Zelzer. Die Zwischen- oder Vorspiele zwischen den Stücken haben es besonders in sich. „Allein zu wissen, was als nächstes kommt, wird schon interessant.“ Und: Mit der neuen Besetzung sind auch neue Instrumente hinzugekommen. Zwölf sind im Einsatz. Moderne wie Gitarre oder Akkordeon treffen da auf historische wie Drehleier, Trommel und Schalmei. Deren Wechsel beim Auftritt sei eine Herausforderung, findet Hannes Hauptmann, „aber eine positive Anspannung ist ja auch wichtig“.
Profitieren können die Neuen in jedem Fall von ihrer musikalischen Erfahrung. „Müsste man alles neu erlernen, dann könnten wir an Weihnachten nicht auftreten“, ist sich Hannes Hauptmann sicher. „Das wäre zu viel.“
Nach der Fränkischen Weihnacht ist an eine Pause nicht zu denken. Dann starten die Vorbereitungen für die nächste Veranstaltung: das Passionsspiel am Karfreitag im Fränkischen Freilandmuseum. Parallel dazu wollen die Vier in die fränkische Volksmusik, beispielsweise Hirten- und Handwerkerlieder, eintauchen. Auch geistliche Musik gehört zum Programm der Sänger. Eine ganz besondere Kombination, findet Jürgen Müller.
„Ich freu’ mich riesig, dass es weiter geht“, sagt er, „dass wir zwei gefunden haben, die musikalisch, aber auch menschlich passen. Das ist ganz, ganz wichtig. Ich bin wirklich glücklich, dass sich das so gefügt hat.“ „Es wäre doch schade, wenn so eine Gruppe wegfallen würde“, findet Hannes Hauptmann. Ist so eine Kultur erst einmal eingeschlafen, sei es schließlich richtig schwierig, sie wiederzuleben.