Ein Charity-Marathon, bei dem es nur Gewinner geben soll, wird am Sonntag, 29. September, in Bad Windsheim veranstaltet. Dabei sollen Spenden gesammelt werden. Regeln gibt es keine. Das Ziel lautet ankommen – egal, in welchem Tempo. Der erste Startschuss fällt um 8.50 Uhr.
Jürgen Gehwald ist 56 Jahre alt, hat mal Sport-Abi gemacht, Sport studiert und sich nach zahlreichen beruflichen Zwischenstationen mit einer eigenen Werbeagentur selbstständig gemacht. Er war aktiv im American Football und wog schon immer um die hundert Kilo. Laufen war nie seine Stärke, sondern immer eher eine Strafe, sagt Gehwald. Doch auf der Liste der Dinge, die er in seinem Leben gerne getan hätte, stand irgendwie schon immer: unbedingt mal einen Marathon laufen.
Doch wie soll man das umsetzen, wenn man wegen gesundheitlicher Einschränkungen keine langen Strecken mehr joggen kann? Wenn das Knie operiert ist, wie bei Gehwald, oder die Kondition wegen des Alters schlichtweg zu wünschen übrig lässt? Wer einen Marathon dann im geschwindigkeitsreduzierten Bereich absolvieren will, schafft das zeitlich meist nicht. „Wer zu langsam ist und zu viel Zeit benötigt, wird irgendwann vom Bus eingesammelt und kann den Marathon nicht beenden“, sagt Gehwald. So gehe, walke, wandere man einem Marathon-Erfolg stets hinterher und komme nie zu einem Abschluss.
Und weil nicht nur Gehwald das bedauert, sondern auch der eine oder andere aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis, hat er jetzt einen eigenen Marathon initiiert: den „Bad Windsheimer Charity-Marathon“. Er soll künftig jedes Jahr stattfinden, auch während der Landesgartenschau 2027. Das Besondere daran: Man kann die Marathondistanz ganz allein für sich gehen oder man sucht sich einen Partner und halbiert die Strecke. Oder aber, man verteilt die Strecke auf noch mehr Beine und bildet ein Team aus sechs Freunden, Kollegen oder Bekannten und jeder geht jeweils sieben Kilometer, sodass am Ende des Tages auch eine komplette Marathondistanz von rund 42 Kilometern absolviert ist.
Sieben Kilometer lang ist der Rundkurs, der beim Tennisclub Bad Windsheim startet und endet und zum Teil durch den Kurpark führt. Gehwald ist fünf mal in der Woche auf dieser Strecke unterwegs. Meist geht er 3,2 Kilometer walken, seine Hausrunde. Er tut das vor der Arbeit. Damit er es zeitlich schafft, steht er an diesen Tagen um fünf Uhr auf. Den Kampf mit dem inneren Schweinehund gewinnt er meist. Weil er es will.
So ist Gehwald auch überzeugt davon, dass man scheinbar Unmögliches schaffen kann, wenn man über seine Grenzen hinaus geht. „Wenn der Kopf sagt, dass es nicht mehr geht, dann hat man in Wirklichkeit erst 40 Prozent seiner Leistungsfähigkeit abgerufen. Dann sind da noch immer 60 Prozent, die man versuchen kann, anzuzapfen“, sagt Gehwald, der nicht nur als Grafikdesigner mit eigener Werbeagentur tätig ist, sondern auch als Persönlichkeits-Coach. „Optimize your life“: So lautet der Titel seines Buches, in dem er Tipps für ein gesünderes Leben gibt.
Wer am Charity-Marathon teilnehmen will, sollte das auf keinen Fall unvorbereitet tun, betont Gehwald. Er rät dazu, sich die Strecke vorab mal anzuschauen und abzuwägen, in welchem Tempo sie für einen selbst zu bewältigen ist. Da sie bis auf eine kleine Steigung relativ flach und zum Großteil asphaltiert ist, kann sie auch problemlos mit Kinder- oder Bollerwagen gegangen werden. Auch sei es möglich, Hunde mitzunehmen.
„Die sieben Kilometer sind ein schöner Spaziergang und durchaus zu schaffen“, sagt der 56-Jährige. Zwar würde es Verpflegungsposten auf der Route geben, an denen unter anderem Wasser und Obst bereitgestellt werden; trotzdem empfiehlt er, sich auch selbst noch eigene Vorräte mitzunehmen. Außerdem sollte man bereits vor dem Start ausreichend getrunken haben und nicht erst damit anfangen, wenn man auf der Strecke durstig werde.
Als Schirmherr der Veranstaltung wurde der ehemalige Spitzenathlet und Ausnahme-Skispringer Jens Weißflog gewonnen. Er kommt persönlich nach Bad Windsheim, um den Startschuss für den Charity-Marathon zu geben. Joey Kelly von der Kelly-Family, der Musiker und Extremsportler ist, wirbt auf der Internetseite der Veranstaltung in einer Videobotschaft für die Teilnahme am Marathon, genauso wie der Persönlichkeitstrainer Jörg Löhr.
Dank zahlreicher Sponsoren kann Gehwald dieses Sport-Event stemmen, ohne dafür die Spendeneinnahmen hernehmen zu müssen. So können die eingenommenen Spenden komplett weitergereicht werden. Drei Charity-Partner hat Gehwald gefunden: den Förderverein des Spielmanns- und Fanfarenzuges Bad Windsheim, den Verein „Gemeinsam für Sternenkinder und Frühchen in Franken“ sowie den Kreisverband Neustadt/Aisch-Bad Windsheim des Kinderschutzbundes. Sie dürfen sich am Ende des Marathons über eine dann hoffentlich stattliche finanzielle Unterstützung freuen.
Damit möglichst viele Spendengelder zusammenkommen, wird für jeden Marathon-Lauf, unabhängig von der Anzahl derjenigen, die diese Strecke erlaufen, insgesamt 42,19 Euro eingezahlt. Diese Summe können die Teilnehmer selbst übernehmen oder aber sie suchen sich jemanden, der die Startgebühr für sie übernimmt. Die Organisationsgebühr in Höhe von zehn Euro zahlt jeder Teilnehmer selbst.
Dafür wird ihm einiges geboten: Es gibt ein Finisher-Shirt, außerdem erhält jeder Teilnehmer eine Urkunde und eine Medaille. Die Medaille ist aus Holz. Das Streckenprofil in Form eines Stiefels sowie das Datum und der Ort des Geschehens sind als Lasergravur auf der Medaille verewigt. Aktuell haben sich bereits 50 Interessierte für den Marathon angemeldet. Gehwald hofft, dass bis zum 29. September mindestens noch einmal so viele dazu kommen.
Regeln gibt es keine. Auch Pausen sind erlaubt. So viele und so lange wie nötig. Und falls jemand seine Kräfte falsch eingeschätzt haben sollte, sei es auch keine Schande, sich das einzugestehen und den Lauf abzubrechen, betont Gehwald. Wer allerdings meine, mit Abkürzungen schneller ans Ziel kommen zu müssen, der müsse das mit sich und seinem eigenen Gewissen vereinbaren. Denn letztlich würde derjenige sich ja nur selbst etwas vormachen.
Gehwald selbst wird den Marathon über die gesamte Strecke laufen. Er trainiert schon fleißig. Drei Wochen vor dem Start will er noch über glühende Kohlen gehen. Das soll ihm helfen, sich mental auf die Herausforderung einzulassen. „Weil der Körper mehr kann, als wir glauben.“
Anmeldung zum und Informationen über den Charity-Marathon gibt es online unter www.marathon-go.de.