Bad Windsheim will sich für Waldbrände besser rüsten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 16.07.2025 08:00

Bad Windsheim will sich für Waldbrände besser rüsten

Rinder beweiden derzeit schon eine Fläche in der Gräf, die als Ausgleichsfläche für bereits abgeschlossene Bauvorhaben der Stadt diente. Der Wald drumherum soll nun zum Mittelwald umgebaut werden. (Foto: Katrin Merklein)
Rinder beweiden derzeit schon eine Fläche in der Gräf, die als Ausgleichsfläche für bereits abgeschlossene Bauvorhaben der Stadt diente. Der Wald drumherum soll nun zum Mittelwald umgebaut werden. (Foto: Katrin Merklein)
Rinder beweiden derzeit schon eine Fläche in der Gräf, die als Ausgleichsfläche für bereits abgeschlossene Bauvorhaben der Stadt diente. Der Wald drumherum soll nun zum Mittelwald umgebaut werden. (Foto: Katrin Merklein)

Durch die Umwandlung von Nadelholzbeständen in Mittelwald will die Stadt Bad Windsheim ein Ökokonto errichten. Weitere Maßnahmen sollen im Klimawandel helfen, mögliche Waldbrände schneller einzudämmen. Stadtförster Sven Finnberg erläuterte dem Stadtrat die Pläne und erhielt dafür dessen Zustimmung.

Die Stadt besitzt bereits ein Ökokonto, welches sich durch Streuobstbestände mit Punkten füllt und vom Stadtbauamt betreut wird. Etwa 30 Hektar Grund gehören der Stadt in der Gräf im Bereich der Gräfbeete und des Gräfweihers im Nordwesten von Bad Windsheim und sollen nun für ein Ökokonto der Försterei genutzt werden. Vornehmlich wachsen auf diesem Gebiet Kiefern.

Laubholzbestände weniger anfällig

Finnberg erläuterte, dass es durch den Klimawandel zwingend erforderlich sei, den dortigen Nadelwald in weniger anfällige Laubholzbestände umzuwandeln. Um diesen Prozess voranzutreiben biete sich die Errichtung eines Ökokontos an, von welchem die Stadt für Bauvorhaben Ausgleichspunkte abbuchen könne.

Gleiches gelte für die Fläche von knapp zwei Hektar, die der Hospitalstiftung gehören, so Finnberg. Ein entsprechendes Gutachten wurde erstellt und mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürth/Uffenheim abgestimmt.

Große Teile dortiger Grünlandflächen werden bereits als Ausgleichsflächen für vorangegangene Vorhaben genutzt. Beispielsweise werde dort Gelbvieh gehalten. Die Rinder halten die Fläche frei von hohem Bewuchs, rund 1000 verschiedene Arten von Nacht- und Tagfaltern haben dort Lebensraum, so Finnberg.

Nun gehe es um den Waldbestand rund um diese Fläche. Insgesamt erhalte der Ausgangsbestand knapp 2,5 Millionen Wertpunkte, der angestrebte Mittelwald knapp 4,2 Millionen Wertpunkte. Damit erfolge eine Aufwertung um gut 1,7 Millionen Wertpunkte, erläuterte Finnberg.

Die gesamte Fläche von 32,24 Hektar soll als oberholzarmer Mittelwald über 20 Jahre bewirtschaftet werden. Die Schaffung von Lebensräumen für Schmetterlinge soll weiter vorangetrieben werden. Viele gefährdete Arten kämen vermehrt in lichten Wäldern vor, besonders beispielsweise: Maivogel, Heckenwollafter, Gelbringfalter und Waldwiesenvögelchen, heißt es im Gutachten. „Das gemeinsame Vorkommen dieser vier hochgradig gefährdeten Arten im Umfeld des geplanten Mittelwaldes ist einmalig in Mitteleuropa.“

Flammen breiten sich langsamer aus

Die Holzernte erfolge laut Finnberg als Ganzbaumnutzung maschinell mit einem Harvester. Rückegassen, die man auf etwa 30 Metern Breite vegetationsfrei halte, dienten dabei als Waldlichtungen und bieten Raum für Insekten. Zusätzlich werde man Brandschutzstreifen errichten, die im Fall eines Waldbrandes, „den wir hier Gott sei Dank noch nicht hatten“, dafür sorgen, dass ein Feuer sich langsamer ausbreiten und an diesen Schneisen schneller bekämpft werden könne.

„Wir haben viel Wald, wenn es da mal brennt, brennt’s lang“, so Finnberg weiter. Bodenfeuer seien leichter zu bändigen als Flammen bis in die Baumkronen. Dieter Hummel (CSU) merkte an, dass die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr sinnvoll wäre, Finnberg stimmte zu. Eine Übung sei noch diese Woche geplant und auch da werde man verschiedene Aspekte besprechen, die eine schnelle Bekämpfung eines Feuers erleichtern.

Durch Feuchtbiotope soll Wasser im Wald gehalten werden. Im Klimawandel sei das besonders wichtig. Heuer sei ein enorm trockenes Jahr, derzeit verkraften es die Wälder der Stadt noch relativ gut, wie lange, das kann Finnberg nicht abschätzen. Er könne aber sagen, dass es niederschlagsmäßig heuer schon jetzt viel trockener sei als im – bis dato – „Ausreißerjahr“ 2018. Nur 200 Liter auf den Quadratmeter schätzt er, seien bislang gefallen.

Projekt hat Pilotcharakter

Die Mittelwaldbewirtschaftung sei ein Pilotprojekt, da diese bisher noch nicht praktiziert werde. Neu sei auch eine Realisierung mit einer Aufwertung durch Ökopunkte. Ein Geologe stehe den Mitarbeitern der Försterei mit seiner Expertise zur Seite.

Im Haushalt müsse für das Projekt eine eigene Stelle geschaffen werden, erläuterte Finnberg, der für die ersten fünf Jahre Kosten von jährlich 25.000 Euro kalkuliert. Allein für Neupflanzungen seien 10.000 Euro angesetzt. Je nach Bestand würden diese variieren und nach zehn Jahren soll die Bepflanzung abgeschlossen sein, erklärte Finnberg. Die für die Holzernte anberaumten Kosten in Höhe von rund 6000 Euro werden dagegen jedes Jahr bis zum Ende der Laufzeit anfallen.

Bernhard Kisch (CSU) wies darauf hin, dass eine „gute Verzinsung“ der Ökopunkte möglich sei. Finnberg erläuterte, dass man abklären müsse, wie schnell die Punkte angerechnet und verzinst werden können. Der Rat beauftragte die Verwaltung einstimmig, das Ökokonto zu erstellen.


Von km
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