Die längste Kirchweih im Landkreis hat der damalige Bürgermeister Bernhard Kisch (CSU) 2017 in Bad Windsheim ausgerufen. Damit wirbt die Stadt seither. Heuer sollte die Feierei noch einmal weiter ausgedehnt werden, eine zusätzliche Platzkirchweih im Vorfeld der Kirchweih war im Gespräch. Die Organisatoren allerdings wussten davon nichts.
In seinem Grußwort für das aktuelle Mitteilungsblatt der Stadt, das online bereits einsehbar ist, wies Bürgermeister Jürgen Heckel auf die „traditionellen Vor-Kirchweihen” in Bad Windsheim hin und hob eine neue Platz-Kirchweih „im Fränkischen Freilandmuseum” hervor. Platz-Bürgermeisterin sollte laut Heckels Worten Sabine Hahn sein, die Pächterin des Wirtshauses „Zur Krone” am Eingang des Freilandmuseums.
In einem Flyer zur Kronen-Kirchweih, der bereits im Internet kursierte, war allerdings noch davon die Rede, dass der Verwaltungsleiter des Museums, also Reinhold Werner, für diesen Posten vorgesehen war. Auf Nachfrage unserer Redaktion distanziert sich dieser jedoch von der Veranstaltung. Aus dem Museum heißt es: „Für die Idee, Planung und Umsetzung ist alleine das Wirtshaus ,Zur Krone' zuständig. Das Freilandmuseum hat nichts damit zu tun.” Und was sagt Initiatorin Sabine Hahn dazu? Nichts. Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt sie: „Von mir gibt es dazu keine Stellungnahme.”
Als Verantwortliche für die Kirchweih und die Vor-Kirchweihen wusste auch die Geschäftsführerin der Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH (KKT), Birgit Grübler, nicht Bescheid. Es sei lediglich an die KKT herangetragen worden, dass es eine weitere Platzkirchweih am 22. August am Freilandmuseum geben soll. „Das habe ich nicht hinterfragt.” Grübler habe stattdessen veranlasst, dass diese im Online-Flyer zur Kirchweih aufgenommen werde. „Für Print war es zu spät”, so Grübler. Ein Gespräch mit Hahn hatte sie nie geführt, eine Kommunikation mit der KKT habe nicht stattgefunden.
Im Flyer aufgenommen habe sie die Veranstaltung, „weil ich nicht wieder der Buhmann sein wollte, der irgendetwas verhindert”, so Grübler. Nach Informationen unserer Zeitung war auch der Spielmannszug für das traditionell bei den Vorkirchweihen veranstaltete Maßkrugschieben bereits für die mögliche Kronen-Kirchweih angefragt worden. Michael Pissors, Jugendleiter beim Spielmannszug, habe aber gleich mitgeteilt, nur dabei zu sein, wenn die ganze Sache offiziell ablaufe – also auch die Veranstalter Bescheid wissen.
Laut Bürgermeister Heckel ist jedoch überhaupt nichts vorbesprochen gewesen. Sein Grußwort sei von seiner Pressereferentin verfasst worden, er habe erst beim Gegenlesen erfahren, dass es die Kronen-Kirchweih geben soll und dachte, dass es bestimmt mit den Verantwortlichen bei der KKT abgesprochen gewesen sei. Aber nein, das war es augenscheinlich nicht. Nachdem er nun erfahren hatte, dass die Veranstaltung wohl doch nicht wie angedacht umgesetzt wird, habe er sein Grußwort im Mitteilungsblatt noch einmal ändern lassen.
Generell findet er die Idee aber gut, sagt Heckel, und für das kommende Jahr könne man auf jeden Fall darüber nachdenken. „Allerdings müssen für die Planung dann alle mit ins Boot geholt werden: Stadt, KKT und die Platzbürgermeister.” An der für heuer geplanten Umsetzung unter dem Motto: „Aber scheiß drauf, Kerwa ist nur 1x im Jahr” kritisierte Heckel, dass es dort ein Kinderkarussell und einen Süßwarenstand hätte geben sollen. Das findet er nicht gut, schließlich stehe bei den Platzkirchweihen das gesellige Miteinander bei Musik und traditionellem Maßkrugschieben im Fokus. „Für alles andere haben wir die große Kirchweih.”