„Wir haben akuten Bedarf an Kindertageseinrichtungsplätzen in unserem Stadtgebiet.“ Kämmerin Melanie Greifenstein machte in der Sitzung des Bad Windsheimer Stadtrats deutlich, dass trotz Neubau am Holzmarkt und Waldkindergarten Handlungsbedarf besteht und stellte die Bedarfsplanung vor.
Greifenstein hatte die bestehende Planung nach dem Bayerischen Kinderbildungsgesetz anhand einer Befragung von Eltern mit Kindern zwischen null und 9,5 Jahren aktualisiert. Die Daten trug sie aus 282 Fragebögen zusammen, die im Sommer vergangenen Jahres an die Stadt zurückgesandt worden waren. Das sei eine Rücklaufquote von 31 Prozent.
Aktuell befänden sich 16 Kinder im Kindergartenalter und drei unter drei Jahren auf der Warteliste, ab September kommen weitere 23 Kindergarten- und 20 Krippenkinder dazu. Mit der Fertigstellung der Kindertageseinrichtung am Holzmarkt, die im September an den Start gehen soll, wären diese vorerst untergebracht, so Greifenstein. Zum August 2024 haben 17 Familien Bedarf an Plätzen angemeldet.
Aus den Fragebögen, die alle drei Jahre ausgegeben werden, habe sich zudem ergeben, dass die Altersgrenze sinke. Immer mehr Familien benötigten bereits Plätze für Einjährige, bislang lag der Trend bei zwei Jahren. „Massiv“ fehle es dann an Krippenplätzen.
Greifenstein betonte, dass die Stadt jüngst zwar „hohe Investitionen“ für Waldkindergarten und Kita am Holzmarkt getätigt habe, geburtenstarke Jahrgänge und Zuzüge aufgrund der neu erschlossenen Baugebiete sorgten jedoch für viel Nachwuchs und erforderten weitere Investitionen. Dieses Thema sei bei einem Treffen vor zwei Wochen mit den Verantwortlichen der Träger, den Kirchengemeinden, angesprochen worden, so Greifenstein.
Bürgermeister Jürgen Heckel betonte, dass man auch die gestiegenen Betriebskosten, die von der Stadt übernommen werden, nicht außer Acht lassen dürfe. Hätten diese 2007 noch bei rund einer Million Euro für alle Einrichtungen im Stadtgebiet gelegen, so spreche man 2022 von 4,3 Millionen Euro.
Lieber Gott, hab’ Dank, dass wir dieses Konzept nach Bad Windsheim gebracht haben.
Er wies nochmals auf „die Veränderung in der Gesellschaft hin“, dass man Kinder heutzutage „bereits mit einem Jahr abgibt“. Dies sei kein Vorwurf an Eltern, aber ein Aspekt, den man beachten müsse. So sei es ihm ein Anliegen, bevor man neu baue, bestehende Einrichtungen, wie beispielsweise St. Lukas, zukunftssicher zu machen. Dort gibt es bislang keine Krippe.
Das Problem sei, dass man nicht „so schnell gut handeln könne, wie es erforderlich ist“. Relativ fix sei es innerhalb von 1,5 Jahren mit dem Waldkindergarten Wichtelglück gegangen, ein Projekt, das er angestoßen habe und mit dem sehr schnell 50 Plätze angeboten werden konnten. „Lieber Gott, hab’ Dank, dass wir dieses Konzept nach Bad Windsheim gebracht haben.“
Volker Goller (Liste Land) wollte wissen, ob mittelfristig ein Anbau an den dafür konzipierten Kindergarten Hand in Hand in Ickelheim geplant sei. Heckel verwies auf „Grundstücksgeschäfte“, die nicht öffentlich seien. „Wir haben was in der Denke“, sagte Heckel. Das „Gedachte“ wollte er in der anschließenden nicht-öffentlichen Sitzung vorstellen.
Im Gespräch mit unserer Redaktion erläuterte Heckel im Nachgang, dass es um eine Prioritätenliste gegangen sei, welche auch Grundstücksfragen betroffen hätte, zu denen er deshalb nichts sagen könne. Man habe Lösungen erarbeitet, die nun abgeklärt werden müssen, diese beträfen sowohl Neu- als auch Anbau an bestehende Einrichtungen.
Goller stellte in der Sitzung Einsparpotenzial fest: Wenn die Behelfsgruppe in Ickelheim nicht mehr „wandern“ müsste und Räume vor Ort hätte, könne beim Personal eine halbe Stelle gestrichen werden.
Bernhard Kisch (CSU) schlug vor, anzufragen, ob sich bezüglich der Förderung beim Freistaat etwas getan habe. Da der Bedarf sicher nicht nur in Bad Windsheim steige, könne das durchaus sein. Diesbezüglich hatte Heckel keine guten Nachrichten, er habe sich bereits erkundigt: „Momentan gibt es keine besondere Förderung.“ An alle Stadträte „mit Verbindungen nach München“ appellierte Heckel, diese spielen zu lassen und Druck aufzubauen. „Vielleicht gibt es noch ein Sonderprogramm vor den Landtagswahlen.“