Die Bachwoche im Sommer, sie war auch das: sein Abschiedsfest. Dank und gute Wünsche gab es zuhauf – großartige Musik sowieso, sogar das Publikum sang dem Intendanten ein Ständchen. Trotzdem endet eine Ära nun fast still. Am 31. Dezember geht Dr. Andreas Bomba mit 69 Jahren in den Ruhestand. Fast 20 Jahre hat er die Bachwoche geleitet.
Die großen Messen sind gesungen, jetzt zum Jahresschluss gibt es für Andreas Bomba nur noch ein paar alltägliche Dinge zu erledigen. Kurz vor Weihnachten schaute er ein letztes Mal als Intendant in seiner Geschäftsstelle vorbei, verabschiedete sich von seinem Team, absolvierte einen Pressetermin und traf sich zum Gespräch mit Johannes Mnich, dem Intendanten der Tauberphilharmonie in Weikersheim. Mnich ist sein Nachfolger.
Ein eigenes Büro hat Bomba in Ansbach nie gehabt, nicht einmal einen eigenen Schreibtisch. Die Geschäftsstelle ist dafür zu klein. Bachwochen-Intendanten wirken bisher vor allem aus der Ferne. Auszuräumen war daher nichts. Nur seinen Schlüssel hat Bomba abgegeben. „Ich habe ihn nie gebraucht”, erzählt er, „es war ja immer jemand da.”
Geordneter kann man sich einen Übergang, die Übergabe einer Leitungsfunktion kaum vorstellen, besonders nicht bei der Bachwoche. Harmonische Abschiede sind bei dem Musikfest bislang nicht die Regel. Das Leitungspersonal ging öfter mit einem Grollen, leise oder laut, je nach Temperament und Lage. Dass nun der Wechsel kollegial, ja freundschaftlich gelingt, sagt viel aus über die Art, wie der Intendant fast 20 Jahre die Bachwoche geführt und sein Amt verstanden hat.
Andreas Bomba hatte immer ein offenes Ohr für sein Publikum. „Es gibt sehr kommunikative und gesprächige Menschen bei den Bachwöchern”, stellt er fest – er selbst gehört auch zu ihnen. „Gut und ehrlich” findet er es, wenn Leute auf den Intendanten zukommen und ihm ihre Meinung zum Programm sagen, im Positiven wie im Negativen, oder wenn sie in Erinnerungen an frühere Bachwoche schwelgen. Ein „anonymer Anbieter” sollte die Bachwoche bei ihm nicht sein.
Er entwarf gehaltvolle, beziehungsreiche Programme für das Musikfest, das nur alle zwei Jahre stattfindet, Programme ohne Ideologie, ohne Marketing-Geschrei, immer kompetent und mit Gespür für Qualität. „Die Leute kommen zu uns, um gute Musik zu hören”. Das war sein oberster Leitsatz. Dass die Musik gut war, dafür sorgte er – selbst 2021, als die Bachwoche wegen der Corona-Beschränkungen nur mit weniger Publikum, großem Platzabstand und Belüftungsgeräten möglich war. Bomba bewährte sich als Krisenmanager. Welche Folgen es für die Publikumsbindung gehabt hätte, wäre diese Bachwoche ausgefallen, darüber lässt sich nur spekulieren. Es wäre eine vierjährige Zwangspause gewesen.
Dass auch gute neue Musik dazukam, auch darum kümmerte er sich. Schon Hans Georg Schäfer hat in den 80er- und 90er-Jahren Auftragswerke an Komponisten vergeben. Dr. Lotte Thaler, dessen Nachfolgerin, führte diese Tradition weiter. Andreas Bomba intensivierte sie. Er gab „Ansbacher Konzerte” in Auftrag, was nebenbei eine kleine, aber auf Dauer angelegte Werbung für Ansbach und seine Bachwoche ist.
Überhaupt war er Neuem, Experimentellem gegenüber aufgeschlossen. Andreas Bomba ließ Kantaten inszenieren und brachte Bach mit Butoh-Tanz in die Kirche. Aber klar war immer: Die Musik von Johann Sebastian Bach steht im Zentrum. Da war er Traditionalist, auch darin, dass er die unsinnigste Entscheidung in der Geschichte der Bachwoche zurücknahm, als er Intendant wurde. Seine Vorgängerin hatte 2001 das Musikfest in „AnsBACHwoche” umgetauft. Davon hielt er nichts. Er führte 2007 den Ursprungsnamen wieder ein.
Der Rückblick auf seine letzte Bachwoche als Intendant fällt positiv, aber unaufgeregt im Ton aus: „Wir sind finanziell ganz gut über die Runden gekommen”, resümiert er. Qualitativ habe es keine Ausreißer gegeben. „Es war eine gute Stimmung insgesamt, trotz des schlechten Wetters.”
Die Nachfrage unterstreicht dies. Die Zahl der Tickets, zu denen auch Dienst- und Pressekarten zählen, ist im Vergleich zu 2023 um mehr als 1500 gestiegen, obwohl es weniger Konzerte gab. Verkauft und ausgegeben wurden 15.655 Karten von möglichen 19.619. Das entspricht einer Platzausnutzung von rund 80 Prozent. Bei den eintrittsfreien Veranstaltungen, Eröffnungsgottesdienst, Helferkonzert, Bach-Sprechstunden, erläutert Bomba, „müssen wir zum Teil schätzen, haben aber einiges auch gezählt. Es dürften rund 2700 Personen dabei gewesen sein.” In den Jahren vor der Corona-Pandemie lag der Durchschnitt bei rund 20.000 Karten.
„Die Einnahme in Euro beträgt 740.988, davon 417.104 im Vorjahr 2024”, so Andreas Bomba. „Der Punkt ist, dass wir zwei Drittel unserer Kosten an der Kasse einnehmen, das hat sich nicht geändert. Das ist im Maßstab zu anderen Festivals schon sehr gut.”
Seinem Nachfolger hinterlässt der Intendant mit dem Ergebnis eine gute Ausgangsposition. Ratschläge will er Johannes Mnich nur geben, wenn der ihn fragt. Einen einzigen hatte er aber doch: „Ich habe ihm wärmstens empfohlen, die Windsbacher weiterzubeschäftigen. Der Chor ist nach wie vor outstanding. Ich würde ihn auch verpflichten, wenn er nicht hier zu Hause wäre.”