Bachs Weihnachtsoratorium in Rothenburg: Chor und Orchester im lebendigen Dialog | FLZ.de

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Veröffentlicht am 16.12.2025 07:30

Bachs Weihnachtsoratorium in Rothenburg: Chor und Orchester im lebendigen Dialog

Bachs Weihnachtsoratorium ist ein zeitloses Meisterwerk. Orchester, Chor und Solisten machten die Aufführung in der Jakobskirche zu einem Erlebnis. (Foto: Margit Schwandt)
Bachs Weihnachtsoratorium ist ein zeitloses Meisterwerk. Orchester, Chor und Solisten machten die Aufführung in der Jakobskirche zu einem Erlebnis. (Foto: Margit Schwandt)
Bachs Weihnachtsoratorium ist ein zeitloses Meisterwerk. Orchester, Chor und Solisten machten die Aufführung in der Jakobskirche zu einem Erlebnis. (Foto: Margit Schwandt)

Pauken und Trompetenklänge erfüllen die sehr gut besuchte Jakobskirche, „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage!“, singt der Jakobschor und verkündet die tief empfundene Weihnachtsfreude über die nahende Geburt des Christkindes.

Bei der Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach in der Jakobskirche gelingt es Kantorin Jasmin Neubauer schon zu Beginn, einen lebendigen Dialog zwischen Chor und Orchester zu entfalten. Sie lässt damit die Zuhörenden in eine biblisch-musikalische Welt voller Glanz und Hoffnung eintauchen.

Tenor in der Evangelistenrolle

Bach hat die Weihnachtsbotschaft in Worte und Musik gefasst: Der Tenor Manuel Ried schlüpft in die Rolle des Evangelisten, erzählt von Kaiser Augustus und der Volkszählung, dem Weg von Josef und Maria nach Bethlehem, der Geburt Jesu im Stall. „Der Höchsten Sohn kömmt in die Welt“, rezitiert der Bass Markus Simon eindringlich, „So will er selbst als Mensch geboren werden.“

Mit „Und es waren Hirten in der Gegend“ übertitelt Bach die zweite seiner sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums. Die Hirten-Sinfonia zu Beginn mit ihren weichen, wiegenden Oboenklängen ist als reines Instrumentalstück etwas ganz Besonderes, ja Einmaliges, mit großer musikalischer Tiefe, berührend und zu Herzen gehend dargestellt vom erweiterten Ansbacher Kammerorchester.

Wieder ist es der Evangelist, der den Hirten die frohe Botschaft, von der Geburt verkündet. Mit der Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet“ im Zusammenspiel mit den Querflöten zeigt Manuel Ried das breite Spektrum seines Könnens: Vom Erzählenden wechselt er in die Rolle des lyrischen Tenors, meistert die anspruchsvolle Hirtenarie herausragend. Erneut werden die Hirten aufgefordert, das Kind in der Krippe zu suchen.

Die dunkle, warme Altstimme von Sybille Philippin erklingt, andächtig ruhig ist es bei dem Wiegenlied, mit dem Maria ihren Sohn in den Schlaf singt: „Schlafe, mein Liebster, genieße die Ruh“. Die Ruhe währt nur kurz, wird abgelöst vom vielstimmigen Jubel der Himmlischen Heerscharen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Der Jakobschor und das Orchester spiegeln die himmlische Verkündigung der Geburt Christi wider, festlich und strahlend.

In einer weiteren Kantate erweisen die Hirten dem Christuskind die Ehre, machen sich auf zum Stall. Zwei Oboen begleiten das Duett „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen, tröstet uns und macht uns frei“, wunderschön dargestellt von der Sopranistin Silke Herold-Mändl und Markus Simon.

Jetzt sind die Hirten bei der Heiligen Familie angekommen, finden Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend, sehen die Verheißung erfüllt. „Ja, ja, mein Herz soll es bewahren“, singt Altistin Sybille Philippin in der Rolle der Maria. Und schon folgt der Chor: „Ich will dich mit Fleiß bewahren“, eindringlich und expressiv, mit einer Hinwendung zu einem Leben nach dem Tod. Die Hirten kehren wieder um, preisen Gott.

„Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“ singt der Jakobschor. Bach hat den Eröffnungschor der dritten Kantate auch an deren Schluss gesetzt, ein glanzvolles Finale, bei dem Chor und Orchester unter ihrer Dirigentin Jasmin Neubauer noch einmal ihr ganzes Können zeigen.

Königliche Klänge und Melodien der Hirten

Mit dem Oratorium wollte Bach die Weihnachtsbotschaft den Menschen seiner Zeit vermitteln, in einer Sprache, die sie verstehen konnten, mit klaren und eindringlichen Melodien, die berühren, mit frohlockenden Königsklängen und anmutigen Hirtenmelodien.

Entziehen kann man sich dem Geschehen bis heute nicht. Mit seiner tiefen Emotionalität ist und bleibt das Weihnachtsoratorium ein unvergängliches Meisterwerk, das die Herzen der Menschen berührt und bis heute die wahre Botschaft von Weihnachten lebendig werden lässt.


Von Margit Schwandt
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