Mit Starbesetzung wurde 2011 das Stück „Der Gott des Gemetzels“ verfilmt. Die Autorin Brigitte McNeill aus Unterlaimbach hat den Stoff – zwei befreundete Ehepaare wollen wegen ihrer zerstrittenen Kinder die Situation in einer Aussprache befrieden – hergenommen und 21 Mal auf fränkischen Bühnen gespielt. Jetzt hat sie auch ein Buch daraus gemacht.
Der Titel ihres 2024er Werks heißt „Schlafende Hund’“. Jeder weiß es: Die sollte man besser nicht wecken. Im Buch passiert jedoch genau das. Selten ist es, dass aus einem Theaterstück eine Erzählung wird. Die Frage nach dem „Warum“ ist laut Brigitte McNeill praktischer Art: „Für ein Theater braucht man viele Schauspieler, die müssten erst einmal für jede Aufführung Zeit haben.“
Deshalb hatte sie es seinerzeit ihr Theaterstück „Schlafende Hund’“ auf vier Akteure begrenzt. „Mir hat es leid getan, dass die Nebenfiguren nicht im Theater vorkamen.“ Aber in einem Buch, da könne sie den interessanten Nebenfiguren eine Stimme geben. So wurde aus der „Dramödie“ (der Originalstoff ist dagegen eine Tragödie) ein „frecher, fränkischer Eheroman“, wie das Buch im Untertitel heißt.
Für ihr Augenzwinkern ist Brigitte McNeill bekannt, wenn sie – übrigens in nicht-chronologisch aufeinander folgenden Episoden – ihre bodenständigen bis spießbürgerlichen Charaktere in die Handlung einflicht, bei der von früheren Affären bis hin zu dubiosen Geldgeschäften allerlei „Schlafende Hund’“ geweckt werden.
Köstlich ist eine Beurteilung vom verhaltensauffälligen Enkel: „Der Schüler arbeitet selbstständig, aber nur, wenn er will... Die Hausaufgaben fertigt gewissenhaft seine Mutter.“ Als ehemalige Grundschullehrerin weiß McNeill worüber sie hier schreibt – Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind natürlich rein zufällig.
Hochdeutsch ist das Erzählte, die Dialoge sind auf Fränkisch. „Es is ja net so, dass ich mich einmischen wollert“, sagt eine Schwiegermutter und jeder weiß, dass das Gegenteil gemeint ist. Fränkisch ist für sie ausdrucksstärker, aber so manches Schimpfwort klingt oft weicher, etwa „Doldi“.
Was hätte Yasmina Reza, die iranisch-jüdisch-französische Autorin, wohl gesagt, wenn sie ihren Stoff auf einer fränkischen Kleinkunstbühne miterleben könnte?
Sie hätte sich bestimmt bestätigt gefühlt. Denn die Handlung ist überall auf der Welt ohne viel Kulisse möglich, da das Geschehen in der Hauptsache von Dialogen getragen wird. Und sie hätte in Brigitte McNeill eine Bewunderin „Ich halte es für eine geniale Idee, dass die Aktion der Eltern unnötig war.“ Man darf gespannt sein, ob es wie im Theater auch im Buch zum Happy End kommt.
Das Buch ist im Neustädter Verlag Ph. C. W. Schmidt erschienen. Die erste Lesung daraus findet am Samstag, 27. Juli, in McNeills Scheune, Unterlaimbach 42 statt. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei.