„Wären wir kontrolliert worden, hätten wir als Schwarzfahrer gegolten”, meint Dr. Manfred Kern aus Marktbergel im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zu einer Erfahrung, die er mit seiner Frau bei einer Bahnfahrt von Ipsheim nach Hause machen musste. Und Schwarzfahren gilt noch immer als Straftat.
Spontan hatte sich das Paar entschlossen, am Ostersonntag eine Wanderung von Marktbergel nach Ipsheim zu unternehmen und mit der Bahn zurückzufahren.
Auf der Regionalbahnstrecke zwischen Neustadt und Steinach gibt es an den Haltepunkten unterwegs keine Fahrkartenautomaten. Stattdessen ist im Zug ein Automat installiert. Allerdings gelang es Manfred Kern trotz etwa 50 Versuchen nicht, auf dem Display den Buchstaben „O” zu aktivieren, um seinen Zielbahnhof Ottenhofen-Bergel auszuwählen. Auch die Option „Häufige Fahrtziele” streikte.
Ein einziges Mal, so schrieb er der FLZ-Redaktion, sei es seiner Frau gelungen, das Fahrtziel einzugeben, doch da sei man schon in Bad Windsheim gewesen. Der Bezahlvorgang sei dann vom Automaten wegen Zeitüberschreitung abgebrochen worden, da die beiden auf die Schnelle nicht genug ausreichend Münzen hervorzaubern konnten. Eine Bezahlung mit Karte oder Scheinen sei nicht möglich gewesen. „Wir sind bis zum Zielbahnhof gekommen, ohne die Möglichkeit zu haben, das Fahrtgeld zu bezahlen”, berichtet Kern, und weiter: „Es war mal wieder ein Erlebnis, mit der Bahn zu fahren.”
Er hält es für durchaus möglich, dass Leute, die solche Dinge öfter erleben, gar nicht mehr versuchen, einen Fahrschein zu lösen.
Betreiber der Regionalbahnlinie ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Eine Sprecherin des Unternehmens teilte auf Anfrage der FLZ mit, dass alle Automaten regelmäßig gewartet werden und technische Updates erhalten. Eine Störung lasse sich aber im betrieblichen Alltag „leider nie ganz ausschließen”.
Grundsätzlich gelte, dass jeder Fahrgast einen gültigen Fahrschein benötige. In einem Fall wie dem von Dr. Manfred Kern geschilderten, bittet die Bahn betroffene Reisende, die Automatennummer zu notieren und das Zugpersonal aktiv anzusprechen. Über die Automatennummer lasse sich auch zu einem späteren Zeitpunkt noch überprüfen, ob beziehungsweise wann eine Störung am Automaten vorgelegen hat.
Eine Fahrkarte könne dann am nächsten Knotenpunkt nachgelöst werden, denn dort stehen noch Automaten. Auch der Kauf von Online-Tickets in der VGN-App oder im DB-Navigator sei eine Option. „Natürlich würden wir uns freuen, wenn unsere Fahrgäste den Automaten zusätzlich als gestört melden. Die Telefonnummer und E-Mail-Adresse stehen unter der Automatennummer.”, meinte die DB-Sprecherin weiter.