Menschen in psychischen Krisen erleben diese Zeit ihres Lebens anders als ihre Angehörigen. Der Blickwinkel professioneller Helfer unterscheidet sich von beiden. Damit die drei Gruppen ihre Erfahrungen auf Augenhöhe austauschen können, gibt es den Trialog zu psychischen Krisen.
Bei sechs Veranstaltungen werden im Lauf dieses Jahres verschiedene Aspekte der Thematik beleuchtet. „Die drei Gruppen müssen miteinander reden, um sich zu verstehen“, meint Stefan Schneider, Angehörigenbegleiter am Bezirksklinikum Ansbach. Er arbeitet hauptberuflich als Forschungsreferent an einer Hochschule und ist selbst betroffener Angehöriger. Aus dieser Situation heraus entschloss er sich, die Ausbildung zum Angehörigenbegleiter nach seinem Studium zu absolvieren und sich dieser Aufgabe nebenberuflich zu widmen.
Matthias Angene, Krankenpfleger für Psychiatrie und Stationsleiter am Bezirksklinikum, setzt sich für eine „professionelle Nähe“ der Profis zu ihren Patienten ein. Dabei geht es zunächst darum, das eigene Erleben in Worte zu fassen, nicht darum, Fachwissen auszutauschen. „Es ist keine Behandlungsbeziehung“, betont Schneider. Machtfragen sollen möglichst wenig eine Rolle spielen.
„In der Psychiatrie geht es oft um Macht“, weiß der Angehörigenbegleiter. „Der Arzt hat die Macht. Er entscheidet über Medikamente und darüber, ob die Tür offen oder geschlossen ist.“
„Wenn Menschen eine gewisse Zeit beisammen sind, entstehen Beziehungen“, lautet die Erfahrung von Matthias Angene. Dabei kommt es durchaus vor, dass Patienten den Pflegekräften mit ihrem Verhalten Angst machen. „Letztendlich geht es um das Verstehen durch Zuhören als Erkenntnisgewinn.“
Selbst eine Fixierung könne von Patienten positiv erlebt werden, hat er aus den Gesprächen gelernt. Während früher der Sicherheitsaspekt im Vordergrund gestanden habe, geht es ihm heute verstärkt um Respekt und einen würdevollen Umgang miteinander. Die geschilderten Eindrücke werden im Trialog nicht bewertet, sondern so stehengelassen. So kann die Erkenntnis für Angehörige zum Beispiel sein, dass sie den Betroffenen nicht heilen können, sondern eine neue Art der Beziehung entstehen muss.
„Die Angehörigen begleiten die Menschen über Jahre, die Profis über Wochen. Das muss Hand in Hand gehen“, sagt Matthias Angene. Über den Trialog gelinge es, Einblicke zu geben und Brücken zu schlagen. Professionelle Helfer können aber auch Mitarbeitende von Polizei und Sicherheitsdiensten sein.
Die öffentlichen und kostenlosen Veranstaltungen finden immer dienstags von 17.30 Uhr bis 19 Uhr in der Tagesklinik Roth (Therapieraum 1. Stock) oder im Bezirksklinikum Ansbach (Festsaal) statt.
Zum Auftakt geht es am 21. März in Roth um das Thema „In Kontakt bleiben – Freundschaft und Partnerschaft trotz Erkrankung“. „Der Druck in mir – Umgang mit Krisen und Suizidalität“ lautet das Thema am 18. April in Ansbach. Am 16. Mai geht es in Ansbach um „Teilhabe und Teilnahme – Macht und Ohnmacht in der Psychiatrie“. An gleicher Stelle sprechen die Teilnehmer am 13. Juni über „Medikamente – Wann? Warum? Für immer? Gibt es Alternativen?“.
Ebenfalls in Ansbach lautet das Thema dann am 10. Oktober „Die Krankheit im Griff – Zur Expertin/zum Experten in eigener Sache werden“. Der Abschlusstermin in Roth am 7. November hat den Titel „Das Ringen um ein Miteinander – Vom Versuchen und vom Scheitern in Familie/Freundeskreis/Behandlung“.
Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe gibt es unter www.bezirkskliniken-mfr.de/trialog-2023.