In den ersten beiden Wochen der Sommerferien herrscht in der Christuskirchen-Gemeinde in Meinhardswinden jedes Jahr Ausnahmezustand. Rund 150 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren werden dann im Gemeindehaus und in der Waldschule von etwa 90 ehrenamtlichen Helfern betreut. Die „Kinderwoche“, kurz KIWO genannt, gibt es bereits seit 1987.
Selbst der sonst eher schlichte Innenraum der 1953 ursprünglich als Betsaal erbauten Christuskirche hat sich für zwei Wochen verwandelt: Der Altar ist abgebaut, von der Decke hängen bunte Bänder. Es gibt Scheinwerfer und eine kleine Laser-Show. Auf einem großen Bildschirm können die Kinder jeden Morgen die Fotos anschauen, die am Vortag geschossen wurden. Neben der Bühne sind die Instrumente der Band für die Live-Musik aufgebaut.
Der Morgen beginnt um 8 Uhr mit dem Frühstück der ehrenamtlichen Mitarbeiter, dann geht es mit den Kinder um 9.30 Uhr erstmal für eine halbe bis Dreiviertelstunde in die Kirche. Es gibt eine biblische Geschichte, Lieder werden gesungen. Dieses Jahr steht die KIWO unter dem Motto „Unterwegs mit Paulus“. Pfarrer Tristan Schuh, der natürlich ein KIWO-T-Shirt trägt, ist es wichtig, dass das Angebot auch für katholische Kinder und Kinder anderer Religionen offen ist.
Aus „neutraler, christlicher Perspektive“ werde das dargeboten, sagt Schuh: „Das ist richtig viel Arbeit, ich bin irre begeistert.“ Die ehrenamtlichen Betreuer nähmen zum Teil extra ihren Sommerurlaub für die KIWO, sagt Schuh, andere feierten Überstunden ab oder – wenn sie bei der öffentlichen Hand beschäftigt sind – können sich bei ihrem Arbeitgeber für die KIWO freistellen lassen. Für die Eltern sei das eine Riesen-Chance, weil so bereits zwei Wochen Ferien abgedeckt seien. Viele Eltern, die ihren Nachwuchs zur KIWO bringen, waren als Kinder vor Jahrzehnten selbst dabei.
Nach der Morgen-Aktion in der Kirche wird ein vielfältiges Programm im Gemeindehaus und in der benachbarten Waldschule geboten: Basteln, Turniere, Kochen, Backen, Kerzenziehen. Mittags gibt es ein warmes Essen im Gemeindehaus. Nachmittags gibt’s Geländespiele, diverse Workshops, oder die Feuerwehr schaut für eine Mitmach-Aktion vorbei. An den Werktagen werden die Kinder von 9.30 bis 16.30 Uhr betreut.
Die erste Woche der KIWO sei nach zwei Tagen ausgebucht gewesen, sagt der Pfarrer: „Viele Eltern haben ihre Sommerplanung nach der KIWO ausgerichtet.“ Manches Kind muss auf die zweite Woche ausweichen, weil die Kapazitäten begrenzt sind. 70 Euro pro Kind und Woche erhebt die Gemeinde, um die Kosten decken zu können. Die Anmeldung der Kids erfolgt ausschließlich online.
Die KIWO ist mit das größte Projekt der Gemeinde. Die erste Besprechung des Leitungsteams ist dafür bereits zwischen Weihnachten und Neujahr angesetzt. Nicht alle Gemeindemitglieder seien darüber begeistert, dass die KIWO alles verändert, sagt Pfarrer Schuh. Auch, dass an drei Sonntagen während der KIWO kein normaler Gemeinde-Gottesdienst stattfinden könne: „Die Mitglieder weichen dann auf andere Gemeinden aus.“