Ausblicke und Untiefen: So war der Tag des offenen Denkmals in Ansbach | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 15.09.2025 07:00

Ausblicke und Untiefen: So war der Tag des offenen Denkmals in Ansbach

Den Blick auf die Altstadt und auf die Innenstadtkirche St. Johannis genossen viele Menschen. (Foto: Antonia Müller)
Den Blick auf die Altstadt und auf die Innenstadtkirche St. Johannis genossen viele Menschen. (Foto: Antonia Müller)
Den Blick auf die Altstadt und auf die Innenstadtkirche St. Johannis genossen viele Menschen. (Foto: Antonia Müller)

Wer wollte, konnte sich am Sonntag von früh bis spät in Ansbach aufhalten und dabei viele Gebäude entdecken und neues Wissen sammeln. Ein breites Angebot stellte die Stadt rund um den Tag des offenen Denkmals auf die Beine. Die Idee: Orte zugänglich machen, die normalerweise nicht für alle offen sind.

Ein Highlight war das Herrieder Tor. Lange Schlangen bildeten sich vor dem Eingang. „Der Druck ist da”, sagt Historiker Alexander Biernoth lachend. Erstmals seit 2019 konnten die Menschen am Tag des offenen Denkmals wieder auf den Turm.

Und die Chance, das frisch sanierte Denkmal genau zu beäugen, ergriffen viele. Das Tor ist ein Teil der Stadtbefestigung und gehörte zur zweiten Stadtmauer, erklärt Biernoth. Etwa um das Jahr 1450 kam nämlich die Neustadt dazu. Deshalb wurde auch das Herrieder Tor versetzt. Neben Informationen lockte viele wahrscheinlich vor allem der Weitblick.

Verlockende Aussicht vom Herrieder Tor

Das Aussichtszimmer ist etwa in 35 Metern Höhe, weiß Biernoth. Die Gruppen erreichen es über 123 Stufen. Obwohl man eigentlich noch im Stadtkern ist, breitet sich unter den Betrachtenden auf der einen Seite die Ansbacher Altstadt mit den zwei markanten Kirchen St. Gumbertus und St. Johannis aus. Lässt man den Blick über das Meer aus roten Dächern schweifen, erkennt man den historisch gewachsenen Stadtkern, der nicht zerstört wurde, beschreibt Biernoth.

In Richtung Süden sticht besonders eine schnurgerade Straße heraus: Die Maximilianstraße und die Triesdorfer Straße führen direkt auf die heutige B13 und damit auf das Örtchen Triesdorf zu.

Das könnte Sie auch interessieren

Ebenfalls hoch über Ansbach, aber etwas weniger geschützt, waren die Gäste auf dem Bismarckturm. Er ist zwar nur rund zwölfeinhalb Meter hoch, aber „wer nicht schwindelfrei ist, sollte sich oben lieber hinsetzen”, rät Stefan Dietzinger. Das liegt zum einen daran, dass die Brüstung um den Turm nicht sehr hoch ist, zum anderen an der exponierten Lage auf der Kaiserhöhe.

Bismarckturm als „Evergreen” zum Denkmaltag

Der Turm wurde im Jahr 1903 aus Muschelkalk gebaut. Und aus viel mehr als Kalk und Wendeltreppe besteht das Denkmal auch nicht. Deshalb konnten die Besuchenden nur in kleinen Gruppen nach oben. Jeweils fünf bis sechs Erwachsene oder Kinder stiegen – begleitet von einem Helfer – die 63 Stufen hoch. Die Belohnung für die insgesamt etwa 100 Mutigen: Ein einzigartiger Weitblick über die Stadt.

Die Wartezeit für alle anderen überbrückte Stefan Diezinger mit geschichtlichem Hintergrundwissen. Der Grundstein des Turms wurde am 1. April 1903 gelegt. Kein Zufall, denn Reichskanzler Otto von Bismarck hatte am 1. April Geburtstag. In nur fünf Monaten wurde der Turm dann fertiggestellt und mit einer großen Feier eingeweiht. Dabei sind wohl große Mengen an Bier geflossen, erzählt Dietzinger. So viel sogar, dass schon bald keines mehr da war.

Früher stand eine Feuerschale auf der Turmspitze. Zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel zum Jahreswechsel oder zu Bismarcks Geburtstag, war das Denkmal dann illuminiert. Für Bismarck wurden etliche Türme, Säulen und Warten im Land gebaut, erläutert Dietzinger. Die Idee war, ein großes Netz an Feuern über das ganze Land zu entflammen.

Zeit für intensivere Gespräche

Auf den Kirchturm von St. Ludwig stiegen die Menschen ebenfalls. Einige Stufen nach unten ging es dagegen beim historischen Gewölbekeller in der Büttenstraße. Einblicke gab es auch in die Markgrafen-Gruft, die Schwanenritterkapelle, die Staatliche Bibliothek oder die Synagoge. Begleitend zu den offenen Denkmälern fanden über den Tag verteilt verschiedene Themenführungen statt. Vom Fokus auf die Brunnen bis zum modernen Graffiti-Rundgang war alles dabei.

Mit dem Tag des offenen Denkmals möchte man die „Gebäude zum Sprechen bringen”, so Biernoth, der Teil des Organisationsteams ist. Die Leute wissen sie dann viel mehr zu schätzen und können sich selbst ein Bild machen, wo Gelder investiert werden. Rund 15 Helferinnen und Helfer waren am Sonntag im Einsatz.

Mit der Anzahl der Besuchenden war Biernoth „sehr zufrieden”. Es sei kein „übermäßiger Andrang” gewesen, so dass bei den Stadtführungen auch Zeit war für tiefergehende Fragen oder intensivere Gespräche. Doch der Zulauf am Bismarckturm, in der Büttenstraße und vor allem am Herrieder Tor zeigten für Biernoth, dass viele Menschen zum Ende der Sommerferien noch im Besichtigungsmodus waren.


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
north