Viele Millionen Menschen nutzen es: ein Kosmetikfläschchen mit Bürste oder Pinsel. Doch auf der Verpackung stehen nur die Marken der Schönheitsbranche. Das beste Kosmetikprodukt bliebe jedoch ohne Hightech-Pinselchen wirkungslos. Diese werden in Waizendorf von GEKA produziert. Die Firma blickt auf 100 Jahre Pinseltradition zurück.
Den Grundstein legte der aus Burk stammende Georg Karl Senior, der 1925 in einer Werkstatt auf dem Waizendorfer Hof seiner Schwiegereltern begann, Borsten in Besenkörper einzuziehen. Die fertigen Produkte verkaufte er anfangs auf dem Fahrrad in den umliegenden Ortschaften. 40 Pinselfabrikationen waren damals in Bechhofen und seinem Umland ansässig.
Den Einstieg in die maschinelle Fertigung stellten die größeren Bohrwasserbürsten dar. Damit trug man Kühlschmierstoff auf Maschinen auf. Rasch stellte Georg Karl Mitarbeiter in der Werkstatt ein und beschäftigte Heimarbeiter. Schon 1935 wurde eine zweite Werkstatt im Hinterhof errichtet. Erste Kontakte in die Kosmetikbranche entstanden durch die Herstellung von Nagellackpinseln. Anfangs war hierfür viel Geschick und intensive Handarbeit gefragt.
Mit der zunehmenden Aufrüstung und dem Kriegsbeginn 1939 war die Firma GEKA der Kriegswirtschaft unterworfen und geriet in eine schwierige Lage: Da Georg Karl seinen Schwerpunkt nicht in der Kriegswirtschaft und der Fertigung von Waffenreinigungsbürsten gesehen hatte, machte die Firma Verluste. Einzig die Herstellung von Emaille-Lackpinseln und ein von Georg Karl erfundener gedrehter Pinsel zum Auftragen von Kollodium sicherten den Arbeitern ihre Existenz.
Mit dem Kriegsende 1945 stand der Betrieb still. Sohn Georg Karl junior war 1945 noch als 15-Jähriger eingezogen worden, kehrte aber wohlbehalten in die Heimat zurück. Da die zuvor von ihm besuchte Maschinenbauschule geschlossen worden war, absolvierte der Junior eine Lehre als Elektriker, Schlosser und Installateur. Sein Vater nahm die Produktion von gedrehten Bürsten wieder auf und wurde von der amerikanischen Besatzungsmacht 1945 als Bürgermeister von Waizendorf eingesetzt. Dieses Amt übte er 20 Jahre lang aus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Unternehmen einen enormen Aufschwung – durch das Know-how von Vater und Sohn setzte der Betrieb auf die firmeneigene Konstruktion und den Bau der Maschinen. Karl junior führte Müllereibürsten ein und investierte in die maschinelle Fertigung.
Ein zweites Standbein schuf sich der Betrieb mit gedrehten Schuhfärbebürsten. Über den Bechhöfer Bahnhof erfolgte der Versand. Die Buchhaltung übernahm Georg Karl juniors Frau Maria. 1956 schließlich übergab Karl senior den Betrieb an seinen Sohn.
Ein neues Kapitel wurde schnell aufgeschlagen: kleine Bürstchen für Zahnpflege und Kosmetik. Georg Karl junior reiste Ende der 1950er Jahre zu einer Messe in die USA und traf sich dort mit der Kosmetik-Ikone Helena Rubinstein, um ihr gedrehte Bürstchen für ihre Mascara anzubieten. Nun gehörten neben Pinseln und Bürsten für Industrie, Bürobedarf und den medizinischen Bereich auch Mascarabürsten für namhafte Kunden zum Produktportfolio. In den 1970er Jahren wurden über 600.000 Pinsel täglich gefertigt.
Auch baulich stießen die Inhaber in dieser Zeit die Tür in die Zukunft auf: 1970 wurde ein moderner, quaderförmiger Verwaltungsbau eingeweiht: 1970 hatten die Firma 300 Mitarbeitende und dazu 180 Heimarbeitende – damit war der Betrieb einer der größten im damaligen Landkreis Feuchtwangen.
Der internationalen Ausrichtung des Unternehmens sollte die Namensänderung Rechnung tragen: 1971 ließ Georg Karl junior den Namen „geka-brush“ im Handelsregister Ansbach eintragen. Seit den 1960er Jahren erlangte der Kunststoff eine immer wichtigere Rolle: So richtete man eine eigene Kunststoffspritzerei in Bechhofen ein und fertigte Unter- und Oberteile für die Bürsten an.
Es folgten Firmenübernahmen in Deutschland und Tochterfirmen im Ausland. Doch auch in und um Waizendorf stand die Zeit nicht still: 1974 wurden in Waizendorf große Werkhallen errichtet. In Burgoberbach produzierte ein Zweigwerk Puderpinsel. Und 1980 erwarb Georg Karl das leerstehende Schulhaus in Königshofen für die erste automatische Bürstendrehmaschine. Daneben wurde weiterhin viel in Heimarbeit produziert.
1981 setzte sich die geka-brush gegen viele internationale Konkurrenten durch und erhielt einen Großauftrag des französischen Kosmetik-Giganten Lancôme – für diesen Auftrag musste auch wieder kräftig in die Produktion investiert werden. In den 1980er Jahren waren GEKA-Mascarabürsten auf allen Kontinenten erhältlich.
Die Geschäftsführung ging 1982 an Holger Fitjer und Bernd Fellner, den Schwiegersohn Georg Karls, über. Die Produktion wurde beständig erweitert; das Lagersystem wurde dynamisch. Zur Jahrtausendwende beschäftigte die GEKA 481 Menschen. Zudem wurden Partnerschaften mit Unternehmen in den USA, Japan und Mexiko eingegangen.
Auch im neuen Jahrtausend blieb die Entwicklung nicht stehen: Heute stünden eine eigene Werkzeugkonstruktion, Maschinenbau, die gedrehte Bürstenproduktion, das Handelsgeschäft und die Dekoration ebenso für die GEKA wie „innovative, hochpräzise Applikatoren“, wie Geschäftsführer Oliver Vogel bekennt. Die Entwicklung findet bis heute im Kompetenzzetrum in Waizendorf statt. Weitere Produktionsstandorte finden sich in Elgin in den Vereinigten Staaten sowie in São Paulo in Brasilien – 900 Mitarbeitende stehen in Lohn und Brot. Verkaufsbüros der GEKA gibt es in Shanghai, Paris, New York und São Paulo.
Zur Jahrtausendwende änderte sich auch die Firmenstruktur, Investoren von außen stiegen ein. 2021 wurde die GEKA als Teil der medmix AG ausgegliedert: Man habe damit GEKA als eigenständiger Marke „volle Entfaltungsmöglichkeiten“ geben wollen, wie es seitens des Unternehmens heißt. Mit einem Neubau verdoppelte GEKA ihre Produktionsstätte in Waizendorf auf 22.000 Quadratmeter – die Produktion aus Bechhofen wurde dorthin verlagert – damit wurden die Kapazitäten und Technologien am Stammsitz erweitert.
Selbstbewusst blicken die Verantwortlichen der GEKA heute auf 10.000 Verpackungslösungen, 4000 Bürstendesigns und 600 Patente. Das steht laut Geschäftsführer Oliver Vogel für die bisher erreichten Innovationen.
In einer Sonderausstellung im Deutschen Pinsel- und Bürstenmuseum Bechhofen wird noch bis Ende Oktober die Geschichte des Unternehmens greifbar. Zu sehen ist sie zu den üblichen Öffnungszeiten noch bis Ende Oktober.