Ist die Euphorie verraucht? Obwohl der nicht-kommerzielle Eigenanbau von Cannabis theoretisch seit einem Jahr möglich ist, wurde in der Region noch kein Social Club genehmigt. Der Kleine Hanfwurm in Ansbach, der Treffpunkt der Szene werden sollte, hat inzwischen zu.
Der Kleine Hanfwurm ist Geschichte. Im Gespräch mit der FLZ ist von der Begeisterung, die Alexander Nees noch vor einem Jahr antrieb, nichts mehr zu hören. Einen Ort zum Austausch über das Thema Cannabis und die Legalisierung wollten der Gastronom und sein Geschäftspartner mit der Kneipe, die im September 2023 eröffnet hat, schaffen. Es gab Ausstellungen, ein kleines Speisen- und Getränkeangebot und regelmäßig Partyabende.
Doch all das ist nun Vergangenheit, „Die Miete ging immer höher rauf. Der Kleine Hanfwurm als Bar war nicht mehr tragbar”, bedauert Alexander Nees. Seit Anfang Juni ist die Gaststätte geschlossen.
Was trotzdem nicht aus dem Fokus gerät, ist ein Ziel, das der Wirt des Kleinen Hanfwurms von Beginn an verfolgt: Die Gründung eines Cannabis Social Clubs, also eines Vereins, in dessen Rahmen Cannabis nicht-kommerziell, aber legal angebaut wird. Die Ernte soll dann unter den Mitgliedern aufgeteilt werden. Diese Idee ist bislang allerdings nur ein Traum. Dass er wahr wird, darauf arbeitet Alexander Nees seit über einem Jahr hin.
Über den Kleinen Hanfwurm hat er bereits genug Mitglieder geworben, um einen Verein zu gründen. Sie haben sich bereits mehrfach getroffen, ein Vorstand wurde gewählt. Beim Notar sind die Unterlagen längst. Auch eine Industriefläche, auf der die Pflanzen angebaut werden könnten, ist gefunden. Bislang haben allerdings immer noch Angaben und Dokumente gefehlt. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat für den geplanten Cannabis Social Club bislang keine Genehmigung erteilt.
Seit Monaten in der Genehmigungs-Warteschleife befindet sich allerdings nicht nur der Ex-Betreiber des Kleinen Hanfwurms. 20 Anträge zur Gründung von Cannabis-Anbauvereinigungen hat das LGL derzeit vorliegen, darunter einen aus dem Landkreis Ansbach.
Nur acht Vereinigungen im Freistaat ist es bislang geglückt, überhaupt die „bundesrechtlichen Vorgaben des Konsumcannabisgesetzes” zu erfüllen und eine Genehmigung zu erhalten, das teilt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auf FLZ-Anfrage mit. Aus Stadt und Landkreis Ansbach sowie dem Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ist noch keine dabei.
Der Bayerischen Staatsregierung ist die Cannabis-Legalisierung nach wie vor ein Dorn im Auge. Vor allem den Gesundheits- und Jugendschutz sieht Bayerns Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach bedroht. „Bayerns Gesundheitsministerium setzt darauf, dass dieser Fehler im Rahmen der für den Herbst vereinbarten Evaluierung dieses Gesetzes korrigiert wird und die neue Bundesregierung die aktuellen Cannabis-Regelungen zurücknimmt“, äußert sich die Ministerin in einer Pressemitteilung.