„Es war eine schöne Zeit“, resümiert Sigrid Chocholaty. Nach 44 Jahren im Staatlichen Schulamt sagte sie Ade. „Das geschieht mit gemischten Gefühlen. Ich werde die Kolleginnen und den täglichen Kontakt zu den Schulleitungen vermissen.“ Andererseits freut sie sich, mehr Zeit für die Familie, vor allem die Enkel, zu haben.
Die Zwei- bis 14-Jährigen warten schon begeistert darauf, dass ihre Oma nun mehr mit ihnen unternehmen kann. So einfach ließ man die langjährige Mitarbeiterin im Schulamt jedoch nicht ziehen. Bevor sie den Heimweg antrat, schauten noch der Personalrat und etliche Schulleiterinnen und Schulleiter vorbei, um sich von Sigrid Chocholaty zu verabschieden. „Es war sehr schön“, sagt die 65-Jährige gerührt.
Nach dem Abschluss an der Schule lernte die gebürtige Markt Bibarterin Zahnarzthelferin. „Durch Zufall habe ich dann erfahren, dass im Schulamt eine Halbtagskraft gesucht wird.“ Als Mutter eines kleinen Kindes dachte sie sich, dass das für sie genau das Richtige ist. Ihre Bewerbung war von Erfolg gekrönt. Sie stellte sich den neuen Herausforderungen und arbeitete sich ein.
Ihr erster Chef war Schulamtsdirektor Berthold Caspar. Wie es der Zufall will, war dessen Tochter, Brigitte Limbacher, nun ihre letzte Vorgesetzte als Schulamtsleiterin. So schließt sich der Kreis. Dazwischen lernte sie noch weitere Chefs kennen, arbeitete mit ihnen gut zusammen.
Abgesehen von kurzen Unterbrechungen aufgrund der Elternzeit arbeitete die vierfache Mutter und vierfache Großmutter durchgehend im Schulamt – erst als Halbtagskraft, später stockte sie auf 32 Stunden auf. „Die Tätigkeit hat viel Spaß gemacht.“ Vor allem der Kontakt zu den Schulleiterinnen und Schulleitern sowie zu den im Schulsekretariat beschäftigten Kolleginnen sei interessant gewesen und habe die Arbeit vielseitig gemacht.
Wie in anderen Branchen, hat sich die Arbeit für die Mitarbeitenden im Schulamt im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte stark gewandelt. „Anfangs gab es noch mechanische Schreibmaschinen.“ Dienstliche Bewertungen galt es mit zwei Durchschlägen nebst Kohlepapier zu tippen – ohne Fehler versteht sich, darauf wurde Wert gelegt, Korrekturroller oder -flüssigkeit waren tabu.
Schlich sich doch einmal ein Fehler ein, hieß es: Wieder von vorn beginnen. „Am besten war es, wenn man sich gut auf seine Arbeit konzentriert hat“, sagt Sigrid Chocholaty und schmunzelt. In der Regel hat das gut geklappt. Auch die anderen Schreibarbeiten wurden auf der mechanischen Schreibmaschine erledigt – lange ist es her.
Vieles änderte sich, als die Behörde von den Räumlichkeiten in der Neustädter Alleestraße ins neu gebaute Landratsamt umzog. „Wir waren die Ersten im Landratsamt.“ Daran kann sich die 65-Jährige noch gut erinnern. Rundherum herrschte seinerzeit noch Baustellenatmosphäre. Nicht nur die Räume waren nun neu. Als Arbeitsgeräte gab es neben halbmechanischen Schreibmaschinen die ersten Computer, was eine enorme Erleichterung darstellte.
Das Aufgabengebiet der Markt Bibarterin, die schon seit 30 Jahren ehrenamtlich in der Faschingsgesellschaft „AlZiBib“ aktiv ist und mit ihrer Tochter die Kindergarde trainiert, änderte sich. Der Fokus lag nun auf der „Mobilen Reserve“.
Darunter versteht man Lehrkräfte, die laut Kultusministerium, den Vertretungsbedarf abdecken, der durch Erkrankungen, Mutterschutz, Elternzeit oder durch das Ausschneiden von Lehrern während des Schuljahres entstehen kann. Zuständig für deren Zuweisung an eine Schule ist das jeweilige Schulamt.
Abzuklären galt es etwa, für wie viele Wochenstunden jemand benötigt wird, für welche Klassen und Schulen. Neu hinzu kamen Angebote an den Einrichtungen, die es bis dato noch nicht gab, inzwischen aber selbstverständlich sind. Als Beispiele nennt die 65-Jährige die Ganztagsklassen oder die Mittagsbetreuung.
Was ist nun im Ruhestand geplant? Eine Weltreise schwebt ihr nicht vor. Eigentlich wollte sie mit dem Fahrrad nach Venedig fahren. Doch dieser Plan wird vorerst auf Eis gelegt. „Ich hole es aber auf jeden Fall nach“, versichert die frisch gebackene Ruheständlerin, die gerne liest und spazieren geht.
„Ich bin jetzt erst einmal froh, mehr Zeit für mich und die Enkel zu haben. Ich freue mich darüber hinaus schon auf meinen Garten.“ Zu tun gibt es darin genug. Betrachten kann sie ihn, wenn sie in ihrem neuen Strandkorb sitzt. Den gab es, um den Ruhestand nach mehr als vier Jahrzehnten Berufstätigkeit zu genießen. Jetzt geht es damit los.