Stall statt Büro-Job: So lässt sich der berufliche Wechsel von Julia Dürrbeck beschreiben. Als Industriekauffrau bei Siemens verdiente die Uehlfelderin eigentlich gutes Geld, ihre Erfüllung aber fand sie nicht. Und so wechselte sie auf den Biohof Prechtel nach Voggendorf – und hat einen Traum: „Ich will in die Selbstständigkeit.“
In der Familie und im Freundeskreis sorgte ihre Entscheidung für Staunen und den einen oder anderen ungläubigen Blick. Ihren festen Willen hat das aber nicht gebrochen. Sie hatte einen sicheren Job und viel Flexibilität, sagt die 31-Jährige. „Es war gut und schön. Aber mir hat immer etwas gefehlt.“ Sie hat sich um Ersatzteile für die Bahn gekümmert. „Aber ich habe am Ende des Tages nicht gesehen, dass ich meinen Beitrag geleistet habe.“
In ihr erwachte Unzufriedenheit. „Ich habe jahrelang damit gehadert, denn einen gut bezahlten Job kündigt man nicht von jetzt auf gleich.“ Sie arbeitete vor allem aus dem Homeoffice – „das war Fluch und Segen zugleich“. Sie musste nicht fahren, „aber mir hat es total gefehlt, mit Menschen zu arbeiten“. Stück für Stück reifte in ihr der Gedanke, sich verändern zu wollen.
Ein Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Uehlfeld im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim war für Julia Dürrbeck letztlich lebensverändernd. Was kitschig klingen mag, ist genau so gemeint. Sie sah darin diese Anzeige, vom Biohof Prechtel in Voggendorf. Gesucht war eine Aushilfe. Bauernhoftätigkeit: Genau das, wovon Julia Dürrbeck immer geträumt hat – der Einstieg ins Hofleben. „Wir können dich fei auch in Teilzeit anstellen“, sagte Chefin Mirjam Prechtel-Knapp eines Tages zu Julia Dürrbeck. Sie haderte. Sie kämpfte mit sich. Sie kündigte ihren Büro-Job. Eine Erlösung. Endlich kann sie wieder atmen. Endlich hat sie ihre Passion gefunden. Endlich lebt sie ihren Traum.
„Ich kann jetzt auch Kühe melken“, sagt die 31-Jährige strahlend und stolz. Sie kümmert sich bei den Prechtels um den Hofladen – Automaten, die rund um die Uhr geöffnet haben. Sie müssen immer frisch befüllt sein, manchmal verklemmt sich ein Produkt im Ausgabefach oder jemand hat eine Sauerei verursacht. Aber sie stellt auch selbst Käse und Joghurt her. Vielfältige Hoftätigkeiten eben.
Eigene Produkte zu kreieren, das war und ist schon immer ihr Traum. „Der Job bietet mir so viel Abwechslung – und langweilig wird mir nie.“ Und da ist es auch, das Gefühl, etwas geleistet zu haben. „Ich weiß, am Ende des Tages freut sich jemand über den Käse.“ Der Kontakt zu Menschen lässt sie aufblühen. Trotzdem ist sie noch längst nicht am Ziel.
„Ich möchte mich weiterentwickeln und sehe mich ganz klar in der Selbstständigkeit.“ Sie träumt von einer kleinen Landwirtschaft mit Hofladen: eigener Käse, eigene Eier, eigenes Brot, ein Café, viele schöne Begegnungen und Workshops. Das allerdings gestaltet sich schwierig – als junge Frau, ohne Hof in der Hinterhand: „Es gibt ja niemand was ab“. Hofladen, Kundenraum, Arbeitsfläche: „Es muss gar nicht groß sein.“
Die Landwirtschaft per se liegt Julia Dürrbeck in den Genen. „Ich bin am Land aufgewachsen, in Röhrach bei Dechsendorf.“ Ihre Oma war Bäuerin, „da habe ich viel mitbekommen und es hat mir gefallen“. Der Liebe wegen zog es Dürrbeck 20 Kilometer westlich nach Uehlfeld. Ihren Orts- und Berufswechsel hat die Landwirtin aus Leidenschaft nie bereut. „Bei Siemens wäre ich seelisch gestorben, Stück für Stück.“
Auf dem Biohof der Prechtels zeigt sie auch Kindern das Anwesen. „Ich finde es wichtig, dass sie wissen, woher die Milch kommt.“ Nein, sie wächst eben nicht im Supermarkt-Regal, sondern kommt aus dem Euter der Kuh. Und Julia Dürrbeck liebt es, „mal etwas dreckig zu werden, nicht so etepetete“.
Blauäugig ist sie nicht, sie weiß, wie hart so ein Hofleben sein kann. Das geplante Gesamtpaket ihrer Selbstständigkeit, „es ist vielleicht ein bisschen utopisch gedacht“, gesteht die 31-Jährige. „Viele Landwirte machen zu. Aber es ist halt mein Traum.“ Und ihr ist klar, dass sie anfangs einen Teilzeit-Job nebenher machen muss, bis sich alles eingespielt hat.
Trotzdem gibt es noch die Tage, an denen sie am liebsten alles hinwerfen würde, was sie mit drastischen Worten beschreibt. „Manchmal denke ich mir schon, früher hast du ein bisschen auf der Tastatur getippt für dein Geld und jetzt stehst du in der Kuh-Scheiße.“ Aber Dürrbeck ist zufrieden, sie lebt das echte Leben, ihren Traum – Schritt für Schritt. Und das Wichtigste: „Ich bin glücklich – mein Herz sagt mir, dass ich alles richtig gemacht habe.“ Auch wenn zum vollendeten Glück noch ein eigener Hof fehlt. „Er muss auch kein Schmuckstück sein – und wenn ich etwas investieren muss, ist das auch okay.“
Wer eine geeignete Immobilie im weiteren Umkreis von Uehlfeld kennt oder besitzt, darf sich gerne mit Julia Dürrbeck in Verbindung setzen – unter Telefon 01 78/4 12 33 05 oder per E-Mail an julia.duerrbeck@gmx.de.