Ja, Buch am Wald ist aufgewühlt. Die Gräben im Dorf haben mit Thomas T. aber nichts zu tun. Sie rühren her von den Kanalarbeiten, die die Bürger derzeit mehr beschäftigen – auch, weil das für viele teuer wird. Der Auftakt des Reichsbürger-Prozesses mit dem Ortsbewohner auf der Anklagebank am Dienstag war zuletzt kein großer Aufreger.
Nach der Festnahme vom Thomas T. im Zuge einer bundesweit beispiellosen Großrazzia im Dezember 2022 war das anders. Das Dorf brauchte damals eine Weile, um zu verarbeiten, dass da ein unauffällig im Ort lebender Familienvater, der zudem ein solides Handwerksunternehmen führte, eine wichtige Rolle bei der Planung eines politischen Umsturzes gespielt haben sollte.
Mit der Zeit wurde das Thema im Dorf wieder kleiner. Eine entscheidende Rolle dürfte hier der Umstand gespielt haben, dass Thomas T. kein alteingesessener Bucher ist und die Familie nicht besonders vernetzt war im Ort. Das spiegeln auch die Äußerungen Einheimischer wider, die die FLZ auf ihren nun vor Gericht stehenden Mitbürger ansprach.
„Von uns betrifft das ja keinen direkt, denn er war ja nicht so drin in der Dorfgemeinschaft“, erklärte in einer Wohnstraße im Südwesten von Buch ein junger Mann, der gerade mit Gartenarbeit beschäftigt war. Klar werde über die Sache immer wieder mal geplaudert. Aber es habe zuletzt ja keine neuen Erkenntnisse gegeben. Natürlich könne es sein, dass sich das während des Prozesses ändere und dann wieder öfter darüber geredet werde. Aktuell sorgten andere Themen aber für mehr Gesprächsstoff, vor allem die Pläne für Windkraftanlagen östlich von Buch, meinte der Mann, der nicht will, dass sein Name in der Zeitung steht.
Diesen Wunsch teilt er mit den anderen Befragten, von denen im Übrigen keiner mürrisch reagierte. Alle gaben – unter der Voraussetzung, namentlich nicht genannt zu werden – freundlich Auskunft, versicherten dabei aber, über Thomas T. wenig bis nichts zu wissen.
Zuletzt sei das wirklich kein großes Thema mehr gewesen, sagten zwei Frauen in der Dorfmitte, die gerade ein bisschen über alles Mögliche geplaudert hatten. Vermutlich werde im Dorf das Interesse wieder größer, wenn der Prozess angelaufen sei, meinten die beiden noch. Aber im Moment beschäftige das die Leute hier nicht besonders.
Zehn Jahre ist es her, dass sich Thomas T. in Buch am Wald niederließ und seinen Handwerksbetrieb eröffnete. Der befindet sich in einem Baugebiet im Südosten des Dorfes, direkt neben einigen noch relativ neuen Wohnhäusern. Die darin lebenden Leute sind entsprechend näher dran. Ein Mann, der gerade vor seiner Garage zugange war, äußerte sich gegenüber der FLZ. Das sei ja fast Nachbarschaft, und weil das Verhältnis „immer in Ordnung“ gewesen sei, wolle er aus Respekt auch nicht viel sagen, so der Angesprochene.
Thomas T. sei jedenfalls stets freundlich gewesen und habe nett gegrüßt. Umso überraschender sei seine Festnahme vor anderthalb Jahren gewesen. Nachhaltig erschüttert habe das den Ort aber nicht. Ob sich das während des Prozesses ändern könnte? „Ich denke nicht, dass das etwas mit dem Dorf machen wird“, so die Einschätzung des Mannes.
Gäbe es dafür entsprechende Anzeichen, würde Friedrich Priester vermutlich einschreiten. Er ist der Bürgermeister von Buch am Wald und bekannt für seine hemdsärmelige Art. Tauchen bei Leuten Probleme auf, die in der Zuständigkeit der Gemeinde liegen, dann kümmert sich Priester um Lösungen. Obwohl das Machen mehr seine Sache ist als das Reden, gibt er auch Auskunft zu kommunalen Fragen. Aber das Thema Thomas T. hält der Bürgermeister nicht für eine solche. Und deshalb reagiert er in dieser Angelegenheit ziemlich zugeknöpft.
Er werde mit Blick auf den Prozessauftakt keinen neuen Kommentar abgeben, erklärte Priester nun gegenüber der FLZ. Es sind aber ein paar alte Äußerungen des Bürgermeisters zu der Angelegenheit dokumentiert, etwa der Hinweis, dass Thomas T. nie besonders aufgefallen sei, dass er sich als Bürger und Unternehmer stets an die Regeln gehalten habe und dass von ihm auch immer alle Rechnungen und Beiträge bezahlt wurden.
Die Bedingungen, die Thomas T. veranlasst haben, sich 2014 mit Firma und Familie in Buch am Wald niederzulassen, gebe es vielerorts in Westmittelfranken, so die Überzeugung des Bürgermeisters. Seine Wahl hätte genauso gut auf einen anderen Ort fallen können. Nun sei es aber halt Buch am Wald geworden. Dass der Name des Dorfs in der Berichterstattung über den Prozess auftauchen werde, sei halt so. Damit müsse die Gemeinde leben und werde das schon aushalten, so Friedrich Priester vor einigen Monaten.
In der Tat macht das Dorf mit seinen bedingt durch Kanalarbeiten derzeit offenen Straßenstücken einen ziemlich geschlossenen, gefestigten Eindruck. Dem Prozess mit dem Mitbürger auf der Anklagebank wird mit Interesse und ohne Nervosität entgegengeblickt.
Natürlich beschäftigt viele Einheimische die Frage, was aus dem Betrieb wird. Nach der Festnahme von Thomas T. war das Handwerksunternehmen mit seinen vier Beschäftigten weitergelaufen. Zuletzt sei da aber wohl nicht mehr gearbeitet worden, ist den Gesprächen mit Bürgern zu entnehmen. Es gibt auch Spekulationen über den Verkauf der Firma.
Verifizieren ließ sich das nicht. Eine Anfrage der Fränkischen Landeszeitung zur Situation des Betriebes blieb unbeantwortet.