„Es war einfach toll“, schwärmen Bärbel Pink und ihr Lebensgefährte Jochen Kohn. Die beiden reisten per Planwagen mit ihren beiden Pferden Rieke und Don von Rasdorf bei Fulda bis nach Rüdisbronn (Bad Windsheim). Eine Tour, gespickt mit Abenteuern und schönen Begegnungen.
Im Zielort lebt der Sohn des 68-Jährigen mit seiner Familie. Zwölf Tage waren die beiden Hessen mit ihren tierischen Begleitern unterwegs. Neben den beiden Schwarzwälder-Kaltblut-Pferden waren noch die beiden Hunde Elo und Ole mit von der Partie.
Auf der Tour machten Bärbel Pink und Jochen Kohn tolle Erfahrungen und lernten interessante Leute kennen. „Bei dieser Art zu reisen, bekommt man ein Gefühl, wie man zu Zeiten Goethes vorwärtskam und eine Vorstellung, wie die Menschen unterwegs waren, die am Treck nach Oregon teilnahmen“, merkt das Paar an.
Statt per Auto oder Zug schnell die Distanz hinter sich zu bringen, nahmen sich die beiden Zeit, viel Zeit, um die Natur zu genießen, bekannte Regionen aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und neu zu entdecken. „Man sitzt im Planwagen höher und sieht so viel mehr“, resümiert Bärbel Pink begeistert. Die Sitzgelegenheiten waren bequem, was dem Allerwertesten guttat.
Bevor sich die 63-Jährige und ihr Lebensgefährte auf den 220 Kilometer langen Weg nach Rüdisbronn machten, wurde alles detailliert geplant. Ins Blaue hinein zu starten, funktioniert nicht. Sie fuhren deshalb die Strecke mit dem Auto ab. Das war wichtig, da unterwegs Raststationen benötigt wurden. „Wir haben einfach geschaut, wo wir Pferde auf der Weide sehen und dann bei den Besitzern nachgefragt, ob wir bei ihnen einen Stopp einlegen können“, erzählt Kohn.
Da klar war, dass täglich zwischen 20 und 30 Kilometer zurückgelegt werden können, wusste man, wo man sich nach einem Quartier umschauen musste. Kundig machten sie sich auch, wo es Tierärzte und Hufschmiede gibt – sicher ist sicher.
Die angesprochenen Pferdehalter stellten nicht nur Wasser, Heu und Weidefläche für die Tiere zur Verfügung und einen Stellplatz für den Planwagen, sondern erwiesen sich auch als tolle Gastgeber. Sie luden die Reisenden zum Grillen ein und setzten sich mit ihnen auf einen Plausch zusammen. In einem Ort lud sie der Dorfwirt zum Essen ein. „Da gab es ein fantastisches Steak.“ Am nächsten Tag bereitete er noch Rühreier mit Speck für sie zu. Eine gute Grundlage für den weiteren Tag.
Genächtigt wurde im Planwagen. Dieser wird ansonsten für Kutschfahrten mit Gästen genutzt, nun war er zur Schlafstätte und zum Transportwagen umfunktioniert worden. Die Nächte waren warm, sollte es die beiden doch einmal frösteln, sorgten Isomatten und kuschelige Schlafsäcke für Behaglichkeit. Ersatzhufeisen, Werkzeug, Regenbekleidung, Zaungerätschaften und Ersatzzaunzeug hatte man für alle Fälle an Bord.
Die beiden Pferde, die in Rasdorf nicht nur die Kutsche ziehen, sondern auch für Feldarbeiten und fürs Holzrücken im Wald eingesetzt werden, hatten vor der Tour nach Rüdisbronn noch nie eine so lange Strecke zurückgelegt. Neu war für das Gespann zudem die Fluss-Überquerung per Fähre.
„Sie haben das ganz toll gemeistert“, so Bärbel Pink und Jochen Kohn. Sie sprechen dem Fährmann ein ganz großes Dankeschön aus. Als sie übergesetzt haben, mussten die Autos warten. So war es mit den Pferden entspannter. Das Durchfahren einer Furt war für die beiden Schwarzwälder ebenfalls Neuland, stellte für sie aber kein Problem dar.
Anstrengend war für das Gespann die Steigung an der Schwedenschanze, am südöstlichen Ende der Gemarkung von Gersfeld (Landkreis Fulda). Oben angekommen, trafen die Reisenden auf Polizisten, die gerade Verkehrsteilnehmer kontrollierten. Die Beamten waren vom Pferdefuhrwerk hellauf begeistert und nutzten gleich die Gelegenheit für ein Selfie.
Weiter ging die Tour, Kilometer um Kilometer. Beliebte Haltepunkte waren die Friedhöfe. „Dort konnten wir immer Wasser für die Tiere holen.“ Nette Unterhaltungen gab es noch dazu.
Einziger Wermutstropfen, das Verhalten einiger Autofahrer. Sie fuhren teilweise zu nah an der Kutsche vorbei oder schnitten das Gespann beim Einscheren. Brenzlig wurde es zum Glück aber nie.
Die letzte Rast wurde in Sugenheim eingelegt, bevor man sich auf den Weg zum Zielort Rüdisbronn machte, wo die Enkelinnen Juna und Matthea, deren Mama Regina Meier und Papa Grischka Kohn die beiden schon gespannt erwarteten.
Dort genoss man die gemeinsame Zeit, die Pferde konnten sich ausruhen. Zurück ging es für sie im Anhänger und auch der Planwagen wurde per Auto nach Rasdorf zurückgebracht. Wann und wohin es wieder auf Tour geht, steht noch nicht fest. Klar ist nur eines: Es soll wieder eine Reise mit Planwagen und Pferden voller Abenteuer und mit tollen Eindrücken geben.