„Stars in der Manege“ lautet seit jeher das Motto der Circus-Krone-Tourneen. Ab Donnerstag spielt eines der bekanntesten Artistenensembles der Welt auf dem Neustädter Festplatz seine Shows – nicht zum ersten Mal.
Direkt nach der Sommerpause gibt der nach eigenen Angaben größte Zirkus der Welt acht Shows in Neustadt. Hierher komme man immer wieder gern, sagt Zirkus-Chefin Jana Mandana Lacey-Krone. Sie erinnert sich gern daran zurück, wie sie schon als Kind auf dem Neustädter Festplatz tobte.
Bereits am vergangenen Freitag waren die ersten Mitglieder des Aufbauteams angekommen, hatten die Anker für das große Zirkuszelt gesetzt. Insgesamt arbeiten in Neustadt rund 150 Menschen am reibungslosen Ablauf der Show. Die etwa 50 Artisten, aus insgesamt 14 Nationen, kamen dann im Lauf der Woche nach. Die Probe am Mittwoch war nicht nur die letzte vor der Premiere in Neustadt sondern auch die erste, seitdem die Artisten aus der Sommerpause zurück sind.
Die Generalprobe beginnt wie die echten Vorstellungen. Lorenzo, der Hofnarr aus Italien sorgt zusammen mit der Liveband für Stimmung – ohne Publikum eine besondere Herausforderung, der nur echte Profis gewachsen sind. Lorenzo ist einer.
Dann wird eine Nummer geübt, bei der eigentlich Pferde im Spiel sind. Eigentlich, denn zunächst übt das Ballett „trocken“, also ohne Tiere. Diese werden von Requisiteuren gespielt, doch so ganz perfekt läuft zunächst nix. Laut und gestenreich greift die Choreographin durch, verschafft sich Aufmerksamkeit, bringt die Artistentruppe in ihren weiß glitzernden Kostümen in Form. Mehrmals wird wiederholt, dann kommen endlich die Pferde. Die Zirkuschefin höchstselbst schwebt auf einem Schimmel um die Artisten herum, gefolgt von weiteren Prachtexemplaren. Auch mit den Vierbeinern muss die Nummer noch einmal wiederholt werden, denn bei den Shows soll schließlich alles perfekt sein. Auch der hauseigene Schneider wird flugs herbeizitiert – ein Kostüm sitzt noch nicht so ganz.
Nach der Nummer strahlt der Scheinwerfer in die Ecke des Zelts – die Hochseiltruppe steht in den Startlöchern. In rund zehn Metern Höhe balancieren die durchtrainierten Frauen und Männer über das Stahlseil. Manche rennen, tanzen, springen übereinander: Schwindelfrei und vor allem trittsicher sind alle sieben. Der atemlose Hingucker ist die Sieben-Personen-Pyramide, bei der zwei der Artisten auf einer Stange über den Köpfen der anderen stehen und buchstäblich über den Abgrund balanciert werden.
Jetzt sind plötzlich zwei pechschwarze Rösser da, von zwei Artisten geritten. Der Mann steht mit je einem Fuß auf den beiden Pferderücken, die Frau turnt auf und um ihn herum. Rasend schnell scheint das zu gehen, schwerelos, gefährlich sieht das aus. Auch hier wird der Mensch zur Pyramide oder doch zumindest zur Leiter, als die Frau schließlich auf dem Kopf des Reiters steht.
Tänzerinnen, wieder Pferde, Hochseilartisten, die von der Decke hängen – es gibt wenig Atempausen in diesem Programm. Spektakulär ist es, halsbrecherisch und natürlich genau so, wie man sich als Kind einen Zirkus so vorstellte: Unmöglich ist hier nichts. Das gilt auch für des Menschen angeblich besten Freund – den Hund: Ein ganzes Ensemble von diesen entert das Rund. Sie springen durch Ringe, hüpfen im Kreis und können sogar Saltos, am Schluss gibt es gar eine Hundepolonaise.
Es gäbe noch viel zu erzählen von dieser Generalprobe: Von waghalsigen Trampolinsprüngen, von brüllenden Löwen, die sich allerdings gestern noch ausruhen durften, von Clowns und witzigen Kostümen, von riesigen, rollenden und fliegenden Rädern und von der Illusion, dass Schwerelosigkeit eben doch eine Möglichkeit ist. Aber das würde bedeuten, viel zu viel vorwegzunehmen und das wiederum wäre schade. Die Premiere der Show ist am Donnerstag um 15.30 Uhr, um 19.30 Uhr folgt die zweite Auflage. Bis zum 25. August sind sie da, die Paradiesvögel: Der Zirkus ist in der Stadt.
Wie bei vielen anderen Gastspielen des Circus Krone in deutschen Städten meldeten sich auch im Vorfeld des Neustädter Auftritts Gegner und Befürworter von „Tieren im Zirkus“ zu Wort. Als entschiedene Gegner der Wildtierhaltung in Zirkusunternehmen positioniert sich seit Jahren die umstrittene Tierschutzorganisation PETA. Sie wirft dem Circus Krone auf ihrer Internetseite unter anderem eine nicht artgerechte Haltung der Elefanten, eine Schädigungen provozierende Nachzucht weißer Löwen, der Einsatz von Gewalt bei der Dressur sowie das Tierwohl gefährdende Transporte der meisten Vierbeiner vor. Die meisten der dort aufgeführten Untersuchungen, Studien und Vorhalte stammen allerdings aus den Jahren 2009 bis 2013. Als Befürworter der bestehenden Zirkuskultur schreibt das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ hingegen von einem „enormen personellen, materiellen, logistischen und finanziellen Aufwand für das Wohlergehen der Tiere“, den der Circus Krone betreibe. Unter anderem stünden in jeder Gastspielstadt „großzügige Freigehege“ zur Verfügung, man achte auf schonenden Transport der Tiere und sorge für eine umfassende medizinische Betreuung. Die Dressur der Tiere basiere auf einem engen wechselseitigen Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier und keinesfalls auf „brutalem Zwang“.