Aston Martin Valhalla: Götterdämmerung auf der linken Spur | FLZ.de

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 05.05.2026 00:07

Aston Martin Valhalla: Götterdämmerung auf der linken Spur

Standesgemäß mit Flügeltüren: Aston Martins Supersportwagen Valhalla. (Foto: Andy Morgan/Aston Martin/dpa-tmn)
Standesgemäß mit Flügeltüren: Aston Martins Supersportwagen Valhalla. (Foto: Andy Morgan/Aston Martin/dpa-tmn)
Standesgemäß mit Flügeltüren: Aston Martins Supersportwagen Valhalla. (Foto: Andy Morgan/Aston Martin/dpa-tmn)

Aston Martin macht Ernst mit der Zukunft – und bricht dafür mit der eigenen Vergangenheit. Denn mit dem Valhalla bringen die Briten nicht nur ihren ersten Plug-in-Hybrid-Supersportwagen an den Start, sondern zugleich ihr erstes Serienmodell mit Mittelmotor.

Nach quälend langen sechs Jahren Entwicklung - geschuldet einer Pandemie und chronisch knappen Kassen - steht der auf 999 Exemplare limitierte Zweisitzer für Preise knapp unterhalb einer Million Euro jetzt endlich beim Händler – und katapultiert die Marke in eine neue Leistungsklasse.

Und das ganz ohne die Hilfe Ihrer (respektive nun Seiner) Majestät. Denn zum ersten Mal seit langem drängt sich bei diesem Aston Martin dabei nicht sofort ein gewisser Mr. Bond ins Bewusstsein. Sondern das Auto ist im Design und erst recht auf dem Datenblatt so stark, dass es auch ohne 007 zum Star taugt.

Himmlischer Namen, höllische Leistungsdaten

Dafür arbeitet in dem Zweisitzer mit dem himmlischen Namen ein höllisch starker Antrieb, wie es ihn bei Aston Martin bislang nicht gegeben hat. Im Zentrum steht zwar weiterhin der 4,0 Liter großer V8 von AMG. Doch der sitzt erstmals nicht vorn, sondern hinter den Insassen und wurde von den Briten deutlich nachgeschärft. 535 kW/728 PS steuert der Biturbo jetzt alleine bei und rechtfertigt schon damit das Etikett Supersportwagen.

Dazu kommen aber noch drei Elektromotoren – zwei an der Vorderachse und einer im Doppelkupplungsgetriebe. Zusammen ergibt das eine Systemleistung von 793 kW/1.079 PS, rund 1.100 Newtonmeter Drehmoment und die Mitgliedschaft im inoffiziellen Club der sogenannten Hypercars.

Neue Technik für neue Ansprüche

Mit dieser Konfiguration wird der Valhalla nicht nur zum stärksten Serienmodell der Marke unterhalb des extrem limitierten Valkyrie, der eigentlich ein F1-Rennwagen mit Straßenzulassung ist. Sondern er wird auch zum technologischen Wendepunkt. Denn neben dem Hybridantrieb feiern bei Aston Martin gleich mehrere Features Premieren: das Doppelkupplungsgetriebe, die elektrische Vorderachse, die aktive Aerodynamik erstmals auch im Bug und sogar eine kleine Batterie mit Stecker. Letztere erlaubt zumindest kurze Strecken rein elektrisch – auch wenn die rund zwölf Kilometer Reichweite im Alltag kaum ins Gewicht fallen.

Booster aus der Batterie

Wichtiger ist die E-Power im Fahrbetrieb. Denn die Magnetläufer dienen weniger dem Sparen als der Performance. Sie sorgen für zusätzliche Traktion, blitzschnelle Drehmomentverteilung und eine Feinjustierung der Fahrdynamik, wie sie mit rein mechanischen Mitteln kaum möglich wäre.

Das zeigt sich vor allem auf der Rennstrecke. Dort verwandelt sich der Valhalla vom eleganten Supersportler zum kompromisslosen Kurvenjäger. Wenn die versteckten Flaps im Bug und der große Flügel am Heck bei hohem Tempo bis zu 600 Kilogramm Abtrieb erzeugen und die Michelin-Gummis wie festgeklebt auf der Piste pappen, fräst er sich durch die Kurven, als gäbe es kein Morgen mehr.

Mit einem Sprintwert von 2,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 geht man förmlich auf Kollisionskurs mit dem Horizont und die elektrische Vorderachse zieht den Wagen selbst durch enge Radien, während die Rekuperation den Akku nach wenigen harten Bremsmanövern wieder auffüllt. Das Ergebnis ist ein Fahrerlebnis, das weniger von klassischen Grenzen geprägt ist als von einem nahezu kontinuierlichen Schub. Runde um Runde wächst das Vertrauen, während die Technik im Hintergrund unermüdlich arbeitet.

Erstaunlich gelassen im Alltag

Doch der Valhalla kann auch anders. Abseits der Rennstrecke gibt er sich deutlich zugänglicher, als es die nackten Zahlen vermuten lassen. Trotz seiner enormen Kraft beschleunigt er nicht mit brachialem Drama, sondern mit erstaunlicher Gelassenheit. Die Kraftentfaltung wirkt fast beiläufig, die Gangwechsel verlaufen unmerklich, und auch das Fahrwerk zeigt Manieren.

Wo die Curbs auf der Rennstrecke durchschlagen wie Kopfsteinpflaster, federt er auf der Landstraße erfreulich entspannt über Bodenwellen, man kann den Griff am kleinen Lenkrad etwas lockern und die Sinne auch mal eine Sekunde schweifen lassen. Zumindest, solange man nicht auf der linken Spur unterwegs ist und die 350 km/h Spitze ausfahren will.

Kraft und Kultur

So fühlt sich der Aston weniger an wie ein kompromissloser Rennwagen im Korsett der Straßenverkehrsordnung – sondern eher wie ein Gran Turismo, der mit enormen Leistungsreserven unterwegs ist. Damit unterscheidet er sich deutlich von manchen Wettbewerbern, die ihre Performance stärker inszenieren. Und auch vom eigenen Mythos: Wo sonst oft die große Inszenierung mitschwingt, bleibt der Valhalla erstaunlich bei sich.

Position zwischen Extremen

Genau darin liegt seine besondere Rolle. Gegenüber italienischen Konkurrenten wie Ferrari oder Lamborghini wirkt der Valhalla auf der Straße kultivierter, ohne auf der Rennstrecke an Schärfe einzubüßen. Und auf dem Parkplatz ist er nicht ganz so provozierend oder peinlich.

Gleichzeitig rückt er näher an den radikalen Valkyrie heran, bleibt aber deutlich alltagstauglicher und auch ein bisschen erschwinglicher. Wobei das bei einem Grundpreis von 979.965 Euro und genügend Optionen für eine Verdopplung so eine Sache ist.

Fazit: Ein Aston ohne Bond – und genau deshalb einer mit Charakter

Normalerweise fährt bei Aston Martin immer auch James Bond mit. Kaum ein Modell, bei dem man nicht unweigerlich an Smoking, Martini und Verfolgungsjagden denkt. Ausgerechnet beim Valhalla ist das anders. Zu radikal ist der Bruch mit der Tradition, zu groß der technische Sprung, zu dominant die eigene Persönlichkeit. Der erste Mittelmotor-Hybrid der Marke braucht keinen Mythos mehr, um zu glänzen.

Und doch steckt genau darin eine Ironie: Gerade weil der Valhalla sich von der alten Erzählung löst, denkt man am Ende wieder an sie. Nicht, weil er an Bond erinnert – sondern weil er zeigt, dass Aston Martin auch ohne diese Ikone bestehen kann.Datenblatt: Aston Martin Valhalla 

 

 

 

 

© dpa-infocom, dpa:260504-930-34083/1


Von dpa
north