Aschermittwoch: Schlagabtausch bei Bier und Brezn | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.02.2026 04:03, aktualisiert am 18.02.2026 13:31

Aschermittwoch: Schlagabtausch bei Bier und Brezn

CSU-Chef Markus Söder sprach auf der größten Aschermittwochs-Versammlung in Passau.  (Foto: Sven Hoppe/dpa)
CSU-Chef Markus Söder sprach auf der größten Aschermittwochs-Versammlung in Passau. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
CSU-Chef Markus Söder sprach auf der größten Aschermittwochs-Versammlung in Passau. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Bier, Brezn, Boxring - und teils brachiale Polit-Tiraden. Die Parteien nutzten den politischen Aschermittwoch in Bayern wieder dazu, sich gegenseitig Unfähigkeit zu bescheinigen. Die größte Veranstaltung fand in Passau statt, wo die CSU mehr als 4.000 Anhänger zum „größten politischen Stammtisch der Welt“ in die Dreiländerhalle geladen hatte. 

CSU-Parteichef Markus Söder erklärte die Halle zur „linksgrünen Verbotszone“ und teilte in seiner Rede insbesondere gegen SPD, Linke und Grüne aus. Die Grünen litten seit Jahren unter einem regelrechten Söder-Trauma, Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek nannte er die „rote Heidi“, die lieber einen Trabi oder Lada fahren solle, statt bayerische Produkte zu missbrauchen. 

Auch CDU-Ministerpräsident Daniel Günther bekam vom unionsinternen Konkurrenten sein Fett weg - Günther sei mit seinen linken Fantasien zum Glück weit weg, sagt Söder. Die AfD bleibe gefährlich, menschlich und politisch sei die Partei inkompetent, ein Land zu führen. Nicht die AfD-Wähler müssten erzogen werden, die Funktionäre müsste man sich genauer anschauen. Söder hatte zuvor auf der Plattform X klargemacht, der Aschermittwoch sei „weder Klamauk noch Fasching“.

Söder: Union ist Wahlgewinner, nicht die SPD

In Bezug auf die Berliner Regierungsarbeit der nächsten Wochen betonte Söder, die Zusammenarbeit mit der SPD sei ihm wichtig, er erwarte aber, dass die Sozialdemokraten sich bewegten. „Ich will nur bei all den Debatten, die wir jetzt in der nächsten Woche haben mit der SPD, eines anmerken: Wir haben eine Koalition, aber die Union hat die Wahl gewonnen und nicht die SPD.“

Inhaltlich sprach er sich unter anderem für strengere Regelungen beim Wehrdienst aus. „Wir brauchen mehr Soldatinnen und Soldaten, um Nato und Landesgrenze zu schützen. Und deswegen braucht es eine Dienst- und Wehrpflicht, und zwar eine richtige“, sagte Söder in Passau. Wer Deutschland liebe, sei auch für die Bundeswehr.

Grüne: Söder arbeitet für Söder 

Die Grünen attestierten dem CSU-Chef Eigennutz. „Markus Söder arbeitet weiterhin nur für Markus Söder und das leider in Vollzeit“, sagte die Landtags-Fraktionschefin der Grünen in Bayern, Katharina Schulze, in Landshut. Manchmal habe man das Gefühl, auf der Tagesordnung des Kabinetts im Landtag stünden immer genau zwei Punkte: „Erstens: Nützt es was dem Maggus? Und zweitens: Was gibt es danach zu essen?“

Bundestags-Fraktionschef Katharina Dröge kritisierte ihrerseits das Frauenbild von Bundeskanzler Friedrich Merz: „Leider haben wir da einen Bundeskanzler, dessen Frauenbild irgendwo zwischen „Sissi” und „Dinner for One” oder kurz nach der Einführung der Spülmaschine stehengeblieben ist.“ Und sie setzte hinzu: „Wenn er solche Sprüche über Frauen reißt, dann erinnert er mich immer ein bisschen an das Windows 95 der deutschen Politik – ein Betriebssystem, für das es kein Update mehr gibt und das man aus Sicherheitsgründen besser nicht mehr ausspielen sollte.“ 

Aiwanger: Brauchen keine Bevormundung

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger nutzte den Aschermittwoch, um seine Partei als Freiheitspartei darzustellen. „Ich will selber entscheiden können, ob ich mit Holz, Gas oder Wärmepumpe heize. Ich will selber entscheiden können, wie ich mich in diesem Land bewege und aufhalte. Wir brauchen nicht immer mehr Bevormundung“, sagte er in Deggendorf. „Wir stehen nicht für den Nanny-Staat, der uns im Detail sagt, was wir zu tun haben.“

Seine Kritik richtete sich vor allem an die Verantwortlichen in Berlin und Brüssel. Seitenhiebe gegen die CSU - mit der die Freien Wähler eine Koalitionsregierung in Bayern stellen - sparte er sich weitgehend.

AfD: Vorwürfe sind Medienkampagne

Mehr Verteidigung als Angriff bot Markus Frohnmaier, der Spitzenkandidat der AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg. In Anspielung auf die Vorwürfe der Vetternwirtschaft in seiner Partei sagte er, es handele sich um eine Medienkampagne gegen die AfD. Es gebe nur ein wirkliches Kriterium, nämlich ob jemand die individuelle Eignung mitbringe oder nicht. „Und das tut es in ganz ganz vielen dieser Fälle.“ 

Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki richtete sich vor allem gegen die AfD und appellierte an deren Wählerschaft: „Es ist keine Schande, mal blau zu werden. Blau zu bleiben, ist aber eine Tragödie und Ausweis menschlicher Inkompetenz.“

Der Münchner Bund für Geistesfreiheit kritisierte die Veranstaltungen. Laute Blasmusik und „magere Witzchen“ würden abgeliefert, obwohl es sich beim Aschermittwoch um einen sogenannten stillen Tag handele, an dem für öffentliche Unterhaltsveranstaltungen klare Einschränkungen gelten.

© dpa-infocom, dpa:260218-930-701359/4


Von dpa
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