Beide Seiten machten sich noch einmal viel Mühe, um ihre Argumente für und gegen ein Baugebiet „Am Bäckerholz“ auszutauschen. Doch es half nichts: Sie konnten sich gegenseitig nicht überzeugen. In der Gemeinderatssitzung fiel der Feststellungsbeschluss für den Flächennutzungsplan einstimmig. Vielleicht das letzte Wort aber noch nicht gesprochen.
In der Sitzung selbst ging es ruhig zu: Zwar waren einige derjenigen, die das Baugebiet vehement ablehnen, gekommen. Sie äußerten sich aber in der Bürgerredezeit nicht dazu. Bauamtsleiter Michael Schlag wog – wie schon bei der vorgezogenen Beteiligung der Öffentlichkeit – noch mal ausführlich die Einwände der Bürger ab, die in dieser Zeit eingegangen waren.
Lediglich zu Punkt eins meldete sich noch ein Gemeinderat zu Wort: Über die Grenzen der gesetzlichen Vorgaben hinaus, so Klaus Adelhardt, sollte man im Bäckerholz verhindern, dass Neubauten ihre Schatten auf bestehende Solaranlagen werfen.
Dann stimmte der Rat geschlossen zu, was insofern bemerkenswert ist, dass zu Beginn des Verfahrens zumindest der Wille des Gremiums sichtbar geworden war, die Verwaltung und Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß beim neuen Baugebiet deutlich einzubremsen. Das Verfahren für die Baugebietsausweisung erfolgt deshalb nicht parallel, sondern ist nun der nächste Schritt.
Vor der Gemeinderatssitzung hatte die Initiative gegen das Baugebiet noch einmal mobil gemacht: Nachdem sie zuerst Vertreter der einzelnen Fraktionen zum lockeren Gespräch bitten wollte, wurden sie stattdessen diese Woche zur Fraktionssprecherversammlung eingeladen. Dabei erschienen sie in großer Besetzung und mit neuem Banner.
Inhaltlich, so schätzten es beide Seiten gegenüber der Presse übereinstimmend ein, hat sich dabei aber nichts mehr aufeinander zubewegt. „Die glauben uns halt nicht“, beklagte Kreß in einem Pressegespräch vor der Gemeinderatssitzung.
Eindringlich bestätigte das auch eine Baugebietsgegnerin bei einem eigenen Pressegespräch. „Nein, wir vertrauen da überhaupt nicht darauf“, sagte sie mit Bezug darauf, dass die Gemeinde ja angekündigt hatte, das neue Baugebiet über einen langen Zeitraum – die Rede war von 30 Jahren – zu entwickeln.
Die Größe sprengt alle Dimensionen.
Die Skepsis bezieht sich nicht nur auf das Tempo des Bauplatzverkaufs: Die Kritiker glauben auch nicht, dass die Sperrung des Zennhäuser Wegs endgültig ist, dass keine „Süd-Ost-Tangente“ bis zur Frankenstraße entstehen wird, dass Einheimische stärker berücksichtigt werden als im letzten Baugebiet „Kirchsteigfeld“, dass die Kläranlage für das Baugebiet gerüstet ist oder dass die Infrastruktur des Marktes – außer vielleicht bei den Einrichtungen für ältere Menschen – ausreichen wird.
Bei der Gemeinde führt das zu einer gewissen Hilflosigkeit: Die Sperrung des Zennhäuser Wegs war zum Beispiel extra erfolgt, um zu zeigen, dass man die Argumente der Baugebietsskeptiker – die seit neuestem unter baeckerholz.de auch online zu finden sind – ernst nimmt. Man hatte zudem ein umfangreiches Gutachten erstellen lassen und mehr Obstbäume erhalten, um die Bedenken zu zerstreuen.
Die Gruppierung gegen das Baugebiet argumentiert damit, dass der erste Bauabschnitt am weitesten entfernt von der Ansbacher Straße liegt: „Dann braucht man schon die ganze Erschließungsstraße, den Kanal, die Wasserleitung, die Regenrückhaltung: Schon allein, damit die hohen Investitionen refinanziert werden, muss das Baugebiet aus unserer Sicht sehr schnell bebaut werden.“
Deshalb gehen die Mitglieder der Initiative bei all ihren Argumenten davon aus, dass quasi auf einen Schlag eine große Zahl neuer Familien – die Initiative spricht von 500 Personen – in Markt Erlbach integriert werden muss. „Die Größe sprengt alle Dimensionen“, so zum Beispiel Xaver Scheuerer.
„Ich denke, man wirft uns da das Tempo in Eschenbach vor, aber da waren wir nicht vorbereitet. Wir wurden überrannt.“ Die Bürgermeisterin räumt ein, dass sie normal eine sei, die forsch vorgeht. Aber: „Jetzt liefe das natürlich anders.“
Schlag berichtet, dass eine Firma im Eschenbacher Baugebiet ein Mehrfamilienhaus baue, weil sie sonst keinen Wohnraum für ihre Beschäftigten finde. Ein leichtes Wachstum sei notwendig, um die Infrastruktur zu erhalten. „Jedes Jahr bibbern wir um die Mittelschule“, sagt Kreß. Dass man nicht nur Leuten, die womöglich schon lange in Markt Erlbach wohnen, das Bauen ermöglichen kann, sagen inzwischen aber auch Vertreter der Bürgerinitiative.
Dass man am Ende des Kanals mit dem Bau beginnen muss, bestätigt wiederum Bauamtsleiter Michael Schlag. Er und der geschäftsführende Beamte Sebastian Gaukler fühlen sich genau wie die Bürgermeisterin zu Unrecht an den Pranger gestellt: „Wir wollen Markt Erlbach voran bringen und dem Gemeinwohl dienen. Wir wollen die Leute doch nicht ärgern.“
Der massive Protest hat das Rathaus überrascht. Ein Vorwurf aus den Reihen der Initiative lautet, dass die 872 Unterschriften, die bereits vor längerer Zeit übergeben wurden, abgetan würden. Schließlich hätten etwa 80 Prozent der Angesprochenen unterzeichnet.
Im Gegenzug verweist der Markt darauf, dass der Gemeinderat das demokratisch legitimierte Entscheidungsgremium ist. Natürlich seien es viele Unterschriften, auch dann, wenn man die paar abzieht, die gar nicht im Gemeindegebiet wohnen. Allerdings seien auch einige der Argumente von damals inzwischen abgeräumt.
Andererseits bestehe der harte Kern der Initiative aus Menschen, die jetzt am Ortsrand wohnen und denen durch das Baugebiet die Aussicht verbaut wird. „Das hat den Eschenbachern vermutlich genauso wenig gefallen.“
Unabhängig davon, wird der Gemeinderat die Frage beantworten müssen, wie schnell man in Zukunft wachsen will. Nach Ansicht – mindestens – eines Baugebietsgegners wäre es sogar Zeit für eine Wachstumspause.
Am Ende des ergebnislosen Austauschs bei der Fraktionssprechersitzung kündigte die Initiative an, alle möglichen rechtlichen Schritte gegen das Baugebiet gehen zu wollen. Beide Seiten denken da an dasselbe: Ein Bürgerbegehren steht im Raum.