Die Stimmung in Leibelbach ist seit Monaten aufgeheizt. Die Menschen haben nach eigenem Bekunden genug von der Geruchsbelästigung, die von der Abfallanlage am Ortsrand ausgeht. Bei einem Gesprächstermin gelobte der Betreiber Besserung. Die Nachbarn bleiben dennoch skeptisch.
„Wir haben nichts zu verbergen”, sagt Bernd Heller gleich zum Auftakt der Veranstaltung, die in mehrfache Hinsicht zur Entspannung der Lage beitragen soll. Aus Sicht der Gastgeber geht es darum, Vorurteile abzubauen und ins Gespräch zu kommen. Tenor: Besser miteinander reden als übereinander. Denn der Groll der Menschen in Leibelbach hat sich über viele Jahre angestaut. Mit der Ankündigung der Hellers, den Betrieb erweitern zu wollen, ist für viele Nachbarn die Grenze des Erträglichen überschritten. „20 Jahre Gestank sind genug. Wir wollen unsere Lebensqualität zurück”, prangt da seit einigen Monaten auf mehreren großen Bannern im Ort. Ein deutliches Zeichen der Ablehnung.
Bei der Führung durch den Betrieb ist der halbe Ort dabei, die Nachfragen der rund 40 Besucherinnen und Besucher halten sich aber in Grenzen. Bernd Heller erklärt das Tagesgeschäft des Abfallbetriebes, geht auf technische Details der Anlage ein, legt etwa dar, was ein Fermenter ist und bemüht sich, jede Frage zu beantworten. Auch, was die geplante Erweiterung inklusive der Änderung des Bebauungsplans betrifft. Es ist klar: Wenn er hier Tore öffnet, soll das mehr sein als nur ein symbolischer Akt der Transparenz. „Wir wollen wieder Ruhe haben”, sagt Bernd Heller. Was man ihm aber anmerkt: Die Banner der Nachbarn treffen ihn hart.
Das ist die eine Seite, auf der anderen Seite stehen die Menschen in Leibelbach, die sich bei der anschließenden Aussprache unter der Moderation von Bürgermeisterin Dorina Jechnerer deutlich zu Wort melden. „Es ist nicht wegzudiskutieren, dass es zu Geruchsbelästigungen kommt”, sagt Jechnerer eingangs. Bernd Heller nickt. Mit Unterstützung eines Experten von einer Fachfirma führt er aus, warum es nach der Umstellung von einer reinen Biogasanlage zu einem Abfallbetrieb zu den Emissionen kam.
Lehrgeld hätte man da als Pionier einer neuen Technik bezahlen müssen, nun sei aber klar, was den Gestank verursacht. „Es hat leider lange gedauert, bis wir gemerkt haben, was hilft”, räumt Heller ein. Als Konsequenz würden die eingesetzten Aktivkohlefilter inzwischen deutlich häufiger als in der Vergangenheit gewechselt. „Das merkt man”, sagt eine Nachbarin.
Applaus darf Heller dafür freilich nicht erwarten. Denn aus der Welt geschafft ist das Problem damit noch nicht, wird eine Befürchtung laut. „Es stinkt hier”, und das trotz offizieller Genehmigung durch das Landratsamt. Insofern ploppen auch bezüglich der angedachten Erweiterung des Betriebes Fragezeichen auf. Dabei geht es zunächst nur um zusätzliche Pufferspeicher, um die in der Abfallanlage erzeugte Energie vorhalten zu können, wenn die Einspeisung zu Spitzenzeiten der Wind- und Sonnenkraft vom Netz genommen werde, erklärt Bernd Heller. Der 32-Jährige spricht auch davon, künftig womöglich auf neue Technologien setzen zu wollen. „Und wer garantiert uns, dass die neue Technik nicht wieder erst in zwei Jahren funktioniert?”, fragt ein Anwohner. Die Vokabel „Versuchskaninchen” macht die Runde.
An dem Prozess der Optimierung werde laufend gearbeitet, sagt Heller. Das werde auch den Chlorgeruch, der nach einer Reinigung der Anlage in Leibelbach wahrnehmbar ist, deutlich vermindern. Welche Stoffe denn überhaupt hier in die Luft gelangten, will ein Anwohner wissen. In den Ausführungen des Landratsamtes werde schließlich nur reichlich lapidar von keinen negativen Auswirkungen auf Menschen gesprochen. Dazu wird gerade ein Geruchsgutachten erstellt, erklärt die Bürgermeisterin, dessen derzeit noch nicht vorliegende Ergebnisse würden mit in die Bewertung einfließen.
„Wir wollen nicht mehr darunter leiden”, bringt eine Nachbarin das Anliegen auf den Punkt. Derartige Bedenken könnten in einem Bebauungsplanverfahren „nicht einfach vom Tisch gewischt werden”, versichert die Bürgermeisterin. Freilich hat auch die Stadt ein Interesse daran, dass der Energiehof vor den Toren Herriedens weiterhin grünen Strom produziert. Ein möglicher Anschluss an das Netz, etwa zur Versorgung eines Teils der Stadt, ist in der Zukunft für die Rathauschefin und den Betreiber zumindest vorstellbar. Auch das gehört zur Wahrheit in Leibelbach dazu.