Im vergangenen Jahr dauerte es gerade mal 90 Minuten, bis auch die letzte Eintrittskarte für das Derblecken verkauft war. Auf die große Nachfrage haben die Veranstalter reagiert und bieten das freche Programm zu Josefi nun erstmals an drei statt an zwei Tagen an. An Stoff mangelt es Thorsten Siebenhaar in der Rolle des gestrengen Kritikers sicher nicht.
Seine Sammlung von Skurrilitäten, absurden Ereignissen und beinahe unglaublichen Wahrheiten im Stadtgeschehen läuft bereits seit knapp einem Jahr und beginnt streng genommen schon am Tag nach der letzten Derblecken-Veranstaltung, erzählt Siebenhaar im Vorgespräch. „Ich gehe jeden Tag mit offenen Augen durch die Stadt“, sagt der Schauspieler, da lägen die Themen ja quasi auf der Straße, lässt er augenzwinkernd durchblicken. „Da wird dann auch mal nachts um zwei eine Idee ins Handy getippt.“
„Erwischen“ kann es auch diesmal nahezu jeden Mitbürger in der Stadt, besonders im Fokus der beißenden Ironie und des frechen Spotts dürften freilich die ausführenden Vertreter des Stadtgeschehens stehen: Angefangen von Oberbürgermeister Thomas Deffner, dessen güldene Amtskette Siebenhaar jedes Jahr aufs Neue fasziniert und die es auch diesmal sicher irgendwie ins Programm schaffen wird.
Wobei sich Siebenhaar im Vorfeld der diesjährigen Premiere am Mittwoch, 19. März (20 Uhr), bewusst bedeckt hält, was die Inhalte seines zweieinhalbstündigen Auftritts in den Kammerspielen angeht. „Es gibt keine Denkverbote“, sagt er so, als müsse er sich selbst der künstlerischen Freiheit versichern. Doch den nachfolgenden Satz lässt der Teilzeit-Kabarettist bedeutungsschwanger beinahe wie eine Warnung klingen: „Ich kann nichts ausschließen.“
Die Themen dürften Siebenhaar jedenfalls nicht ausgehen, solange es in Ansbach Kindergärten und Schulen gibt, in die es hineinregnet und Siebenhaar sich in diesem Zusammenhang die Frage erlaubt, wer da denn nun nicht mehr ganz dicht ist. Auch die alljährlich nachgezahlten Millionen für den Klinikverbund, verbunden mit den Sparzwängen im kulturellen Bereich, lassen Siebenhaar schon im Vorfeld granteln. „Nicht, dass Hausmeister Schorsch auch noch weggespart wird.“
In seiner Paraderolle mit dem grauen Arbeitsmantel, der Schlabbermütze und dem omnipräsenten Besen wird er spitzzüngig durch die Reihen der Zuschauer wandeln und sich den ein oder anderen sicher herauspicken. Aber auch Kardinal Fehler und Thorsten Siebenhaar in einem prächtig roten Wams als Thorsten Siebenhaar werden sich kabarettistischer Blüten bedienen, um bestimmte Gegebenheiten und ihre Protagonisten pointiert und stilsicher aufzuarbeiten.
Neu ist in diesem Jahr, dass Siebenhaar seine Charaktere nicht mehr nur an zwei, sondern gleich an drei Abenden zum Besten geben wird. Eine Entscheidung vor dem Hintergrund, dass es im vergangenen Jahr mit zehn Personen pro Bierzeltgarnitur im Zuschauerbereich schon recht kuschlig geworden war. „Die DIN-Norm für Bierzeltgarnituren ist überholt“, läuft sich Siebenhaar schon mal warm.
Daher werden bei den Vorstellungen am Mittwoch, 19. März, Freitag, 21. März, und Samstag, 22. März, nurmehr acht Personen pro Tisch platziert. Damit fallen etwa hundert Plätze und entsprechende Einnahmen weg, was durch die dritte Vorstellung aber aufgefangen wird, wie Florian Brendel von den Kammerevents vorrechnet. Froh ist er vor dem morgigen Vorverkaufsstart, dass die Saalcrew gleich zugesagt hat. „Die müssen den Spaß ja mitmachen und sich dreimal in ein Dirndl werfen.“
Die Frage, an welchem Abend denn die „Großkopferten“ vor Ort sein werden, lässt sich für Brendel nicht eindeutig beantworten. Es gebe keinen bestimmten Tag, an dem die Promi-Dichte besonders hoch ist, sagt Brendel. Entsprechend gebe es auch keine B- oder C-Vorstellung. „Wer wann kommt, das ist mir herzlich egal“, sagt Thorsten Siebenhaar wohlwissend dazu: Derbleckt werden sie alle irgendwann.
Vorbestellungen sind nur telefonisch und nicht per Mail möglich. Am Mittwoch, 19. Februar, sind ab 9 Uhr die Leitungen dafür frei. Zeitgleich startet auch der Direktverkauf der Tickets im Büro der Kammerspiele.