In Zeiten, in denen der Zusammenhalt Europas wieder stärker beschworen wird, fragte sich ein Ausschuss des Ansbacher Stadtrates, wie es um die Partnerschaften mit befreundeten Städten steht. Über das französische Anglet gibt es Redebedarf – auch über eine mögliche neue Partnerschaft mit einer Stadt in Osteuropa.
„Wir haben lebendige Partnerschaften mit zahlreichen Aktivitäten“, statuierte Oberbürgermeister Thomas Deffner – wobei andere im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss weniger euphorisch klangen. Eigene Städtepartnerschaften hat Ansbach mit Anglet in Frankreich, Fermo in Italien und Bay City in den Vereinigten Staaten. Städtische Mitarbeiter gaben den Stadträten einen Überblick dazu.
Darüber hinaus gibt es noch die Kooperationspartnerschaft gemeinsam mit Städten im Landkreis Ansbach mit Jingjiang in China, und Ansbach steht Pate für die vertriebenen Deutschen aus dem sudetenschlesischen Jägerndorf.
Geprägt war 2023 von der Feier des 55-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Anglet. Es gab gegenseitige Besuche, Konzerte, die Übergabe einer Waldparzelle in Frankreich an Ansbach. Auch ein neuer Schüleraustausch zwischen dem Theresien-Gymnasium und dem Collège Endarra in Anglet fand statt.
Inklusive des Jubiläums hat die Stadt 2023 etwa 33.000 Euro für diese Partnerschaft ausgegeben, 2024 sind 17.000 Euro geplant. Diesen Monat war der neue Austausch zwischen dem Chor Errepika und dem Gesangverein Ansbach-Hennenbach.
Geplant ist etwa ein Besuch der Feuerwehr aus Anglet bei der Feuerwehr Ansbach, nachdem diese 2023 die „Pompiers“ besucht hatten. Auch Fermo und Ansbach besuchten sich: am Altstadtfest oder am Weihnachtsmarkt in Ansbach, zum Oktoberfest oder einem Violinwettbewerb in Fermo. Ausgegeben hat die Stadt 2023 hier circa 12.000 Euro, 2024 sind 15.000 Euro geplant. Die „Amici di Fermo“ reisen zum Beispiel im Juni nach Italien, Fermo nimmt an der Grünen Nacht teil.
Eine Lehrergruppe aus Bay City besuchte 2023 Ansbach. Eine Reise in die USA mit dem Freundeskreis aus Gunzenhausen ist „wegen immenser Flugkosten“ gestorben. Ausgegeben hat die Stadt 1000 Euro, 2024 sind 2500 Euro geplant.
Es gab einen Besuch der Saginaw Valley State Universität in Ansbach im April, geplant ist der Schüleraustausch zwischen der FOS/BOS Ansbach und dem Gymnasium Carolinum mit der Central High School in Bay City.
Meike Erbguth-Feldner (Bündnis 90/Die Grünen) fragte an, ob ein Vorschlag aus dem September 2020 weiter verfolgt wird: eine neue Partnerschaft mit einer Stadt in Polen. „Oder zumindest eine Art Städtefreundschaft“, sagte sie. Da Kontakte nach Osten aktuell sehr wichtig seien, „um Europa zu stärken“.
OB Deffner gab zu bedenken, dass man für eine Städtepartnerschaft auch Stunden des städtischen Personals einplanen müsse. „Sonst steht das nur auf dem Papier.“ Aktuell seien das zehn bis 15 Stunden in der Woche. Mehr sei beim derzeitigen Personalstand kaum leistbar. „Ansonsten würden wir dies natürlich befürworten.“
Sorgen bereitet Dr. Paul Kupser (Freie Wähler) derweil die Zukunft der Partnerschaft mit Anglet, konkret die des Vereins. Vor allem der Nachwuchs sei ein Problem. „Auch die Zuständigen in Anglet machen sich Gedanken.“ So habe die französische Seite zweimal jährlich kommunalpolitische Treffen vorgeschlagen, erklärte der Fraktionsvorsitzende, „um die weitere Partnerschaft zu planen.“
Der OB sowie Patrick Peters, Leiter des Geschäftsbereich Oberbürgermeister, entgegneten, dass dies mit Videokonferenzen – wie es sie bereits gibt – einfacher und billiger zu machen sei. Bei einer solchen habe Deffner kürzlich gesagt, dass es schön wäre, „wenn Frankreich auch am Weihnachtsmarkt teilnimmt“ – was auch ein Wunsch Kupsers war.
Zudem habe man die Franzosen gefragt, an welchem Fest in Ansbach sie sich beteiligen möchten, dieses Jahr werden sie nun erstmals an der Grünen Nacht teilnehmen.
Auch Boris-André Meyer (Offene Linke Ansbach) unterstrich die Bedeutung der Freundschaft in Zeiten, in denen „der deutsch-französische Motor stottert“ und plädierte dafür, seine und die jüngere Generation besser einzubinden, neue Möglichkeiten wie soziale Medien zu nutzen.