Der Euro, also die einheitliche Währung, gehört zu den augenscheinlichsten Folgen der EU. Der Euro erleichtert nicht nur das Reisen, sondern auch das Handeltreiben. Darum geht es in diesem Teil der FLZ-Serie zur Europawahl.
Was wäre bei geschäftlichen Transaktionen innerhalb Europas anders, wenn wir den Euro nicht hätten? Werner Frieß, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Ansbach, braucht da nicht lange nachzudenken. „Man müsste Währung konvertieren“, sagt er. „Das ist nicht risikolos.“
Die handeltreibende Firma müsste jeweils einen für sie maßgeblichen Zeitpunkt finden, an dem dieses Konvertieren möglichst günstig ist. Das kann Zeit kosten und schief gehen.
„Es könnten auch nicht einfach europaweite Zahlungsverkehrssysteme genutzt werden“, erklärt Frieß weiter. „Der Export einer Ware nach Frankreich wäre dann genauso kompliziert wie der nach China oder nach Brasilien.“ Und damit mit erheblich mehr Aufwand verbunden als im derzeit existierenden EU-Binnenmarkt.
Dabei ist, das will der Sparkassenchef gar nicht beschönigen, „die EU sicher nicht dafür bekannt, unkompliziert zu sein“. Aber innerhalb der Gemeinschaft ist jeder „in seinem gefühlt vertrauten Rahmen unterwegs, der ihn schützt. Außerhalb der EU sagt mir eine Stimme, dass ich in einem Rahmen unterwegs bin, in welchem prinzipiell alles anders sein kann.“
Dass es dann aber auch alle trifft, wenn die einheitliche Währung schwächelt, gehört für den 59-Jährigen zu den Nachteilen, die in Kauf genommen werden müssen. „Jede Gemeinschaft bedingt es, dass das Leid ebenso auf die Gemeinschaft abfärbt wie das Glück, das man teilt.“ Es dürften nur nicht die Grenzen verschoben werden, damit „einzelne Teile der Gesellschaft die Solidarität zu ihren Gunsten ausnutzen“.
Die Vorteile der EU wiegen, davon ist der Sparkassenchef überzeugt, die Nachteile bei weitem auf – selbst, wenn es zu einer galoppierenden Inflation kommen sollte. „Auch die Bundesrepublik Deutschland hat durch die EU eine Wohlstandsentwicklung erlebt, und es gibt Zeiten, wo Teile dieser Wohlstandsentwicklung wieder hergegeben werden müssen.“
Für die, die sie erleben, sind das „schlimme Ereignisse. Es geht nicht darum, sie zu bagatellisieren“. Doch auch hier ist aus seiner Sicht die Gemeinschaft besser in der Lage, mit den Problemen umzugehen als der Einzelstaat.
Dass Frieß bei der Europawahl seine Stimme abgibt, ist für ihn keine Frage. Diesmal haben er und seine Frau sich für Briefwahl entschieden.
Werner Frieß ist seit 2017 Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Ansbach. Der 59-Jährige wohnt in Neuendettelsau, ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen.