Ansbacher Tierheim-Chef schweigt zu den Vorwürfen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.02.2024 15:56, aktualisiert am 19.02.2024 19:00

Ansbacher Tierheim-Chef schweigt zu den Vorwürfen

„Ein Tierfreund mit Leib und Seele“: Dennoch steht Tierheim-Chef Günter Pfisterer derzeit deutlich in der Kritik. (Foto: Diane Mayer)
„Ein Tierfreund mit Leib und Seele“: Dennoch steht Tierheim-Chef Günter Pfisterer derzeit deutlich in der Kritik. (Foto: Diane Mayer)
„Ein Tierfreund mit Leib und Seele“: Dennoch steht Tierheim-Chef Günter Pfisterer derzeit deutlich in der Kritik. (Foto: Diane Mayer)

Günter Pfisterer ist an sich ein kommunikativer Mensch. In diesen Tagen aber hat sich der Chef des Tierheims in Ansbach selbst einen Maulkorb verpasst. Der 87-Jährige will zu den kursierenden Gerüchten und Anschuldigungen über die Zustände im Tierheim öffentlich keine Stellung nehmen.

Es stehen so schwerwiegende Vorwürfe im Raum, dass Pfisterers Interessen inzwischen vom in Ansbach ansässigen Rechtsanwalt Dr. Alfred Meyerhuber gewahrt werden. Ein Gespräch mit dem Veterinäramt hat inzwischen stattgefunden, auch die gegen Pfisterer vorliegende Anzeige bestätigt der Jurist gegenüber der FLZ. Akteneinsicht hat Meyerhuber aber noch nicht, weshalb er zunächst abwarten will: „Erst danach nehmen wir Stellung.“

Ex-Mitarbeiterin brachte Vorwürfe auf

Die Vorwürfe, die von der ehemaligen Tierheim-Mitarbeiterin Anna Eck erhoben werden, wiegen auf den ersten Blick schwer. Es soll in der Einrichtung gängige Praxis sein, dass verendete Kleintiere im Hausmüll landen und nicht, wie nach EU-Recht vorgeschrieben, über die Tierkörperverwertungsanstalt in Aurach entsorgt werden. „Ich durfte das nicht, weil es laut Herrn Pfisterer zu viel kostet“, berichtet Eck.

Konkret heißt das: Die 68 Euro, die für die einwandfreie Entsorgung berechnet werden, wollte sich Pfisterer demnach sparen. Aus juristischer Sicht dürfte es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit handeln – analog zu einem Parkvergehen mit dem Auto. Insofern sieht auch Meyerhuber in diesem Fall eher ein „ethisches Thema“.

Doch die Vorwürfe, die Eck im Gespräch mit der FLZ bestätigt, gehen darüber hinaus. Die tierärztliche Versorgung in der Einrichtung am Haldenweg soll ebenfalls aus Kostengründen so minimal sein, dass nicht wenige alte und kranke Tiere „qualvoll sterben“, wie Eck behauptet. „Entweder man schläfert sie ein oder man bringt sie zum Tierarzt“, schildert die tiermedizinische Fachangestellte die aus ihrer Sicht übliche Vorgehensweise.

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Anwalt bezeichnet Vorwürfe als „übles Nachtreten”

„Das ist verwerflich und eine üble Schmutzkampagne gegen Günter Pfisterer“, kontert sein Anwalt und fragt: „Warum kann man das nicht vorher ansprechen, warum muss es gleich angezeigt werden?“ Er sieht in der Veröffentlichung der Vorwürfe ein „übles Nachtreten“ der ehemaligen Mitarbeiterin.

Eck war von April 2023 bis Ende Januar 2024 im Tierheim beschäftigt, ehe ihr gekündigt wurde, weil sie Tiere eigenmächtig behandelt haben soll. „Das war mit der Tierärztin abgesprochen. Er wollte nicht, dass ich mich einmische“, erklärt Eck, während Anwalt Meyerhuber „sehr genau prüfen will, ob da nicht falsche Verdächtigungen ausgesprochen werden“.

Dieser Unterstellung widerspricht Eck deutlich. Ihre Aussagen würden viele ehemalige und aktuell im Tierheim beschäftigte Mitarbeiter bestätigen können, sagt sie auf Nachfrage. Zudem würden Bilder, die sie auf Anraten des Veterinäramtes selbst gemacht hat, ihre Behauptungen stützen.

Tierheim-Chef soll Sparvorschläge abgelehnt haben

Obendrein könne ein Nachweis über das Kassenbuch des Tierheims geführt werden: Sie spricht von etwa 50 verendeten Katzen im Zeitraum ihrer Beschäftigung. 20 davon habe sie selbst ordnungsgemäß entsorgt, „von den anderen 30 Katzen wissen wir nicht, wo sie gelandet sind“.

Ihren Vorschlägen, wie man Geld sparen könnte, sei Pfisterer nie offen gegenübergestanden. Auch die Möglichkeit, verendete Tiere in einer Kühltruhe zu sammeln, bevor sie dann zusammen und zu einem deutlich günstigeren Tarif entsorgt werden könnten, lehnte der Tierheim-Chef ihr zufolge ab. „Er wollte nicht, dass neue Regeln eingeführt werden, und lässt nicht mit sich reden.“

Klar ist, dass das Tierheim Jahr für Jahr finanziellen Zwängen unterworfen ist. Das Budget ist begrenzt: Jeweils 25.000 Euro per annum fließen von der Stadt Ansbach und den Mitgliedergemeinden, ähnlich hoch sind die Erträge aus den Mitgliedsbeiträgen. Zudem kommen noch Pensions- und Schutzgebühren, die das Tierheim für die Unterbringung verlangt.


Wenn wir keine Spenden mehr bekommen, können wir das Tierheim zusperren.

Günter Pfisterer

Doch das reicht auch zusammengenommen bei weitem nicht, um die Kosten zu decken. „Wenn wir keine Spenden mehr bekommen, können wir das Tierheim zusperren“, sagt Pfisterer und deutet damit das monetäre Diktat an, dem der Betrieb unterstellt ist. 626 Katzen hatte das Tierheim allein im zurückliegenden Jahr zu versorgen.

Die „Welle der Empörung“, die Rechtsanwalt Meyerhuber gerade auf seinen Mandanten niederstürzen sieht, hält der Jurist für nicht gerechtfertigt. „Er ist ein Tierfreund mit Leib und Seele. Es schmerzt so jemanden, wenn er mit solchen Vorwürfen überzogen wird.“

Seit 26 Jahren steht Pfisterer als Vorsitzender des Tierschutzvereins, dem Träger des Tierheims, an der Spitze der Einrichtung. Seine Amtszeit bis zu den Neuwahlen läuft noch rund eineinhalb Jahre. An ein vorzeitiges Ende der Ära Pfisterer glaubt er noch nicht, wie er in der vergangenen Woche noch versicherte: „Ich bin noch nicht soweit, dass ich aufgebe.“


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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