Das „Nie wieder“ dürfe keine Floskel sein, sondern müsse im Alltag der Menschen verankert sein. Diese Forderungen stellten drei Schülerinnen des Theresien-Gymnasium in der Holocaust-Gedenkstunde in der Gumbertuskirche.
Die Stadt Ansbach hatte zusammen mit der Bürgerbewegung für Menschenwürde und den evangelischen sowie den katholischen Gemeinden zu einer gemeinsamen Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus eingeladen. Anlass war der Holocaust-Gedenktag, der 2005 von den Vereinten Nationen als internationaler Gedenktag am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, dem 27. Januar, eingeführt wurde.
Dekan Dr. Matthias Büttner und Domkapitular Dr. Norbert Jung betonten in ihrer Begrüßung die Bedeutung des Gedenktages. Dr. Jung sagte, dass ein Vergessen der Opfer diese ein zweites Mal töten würde. Oberbbürgermeister Thomas Deffner betonte, dass die „aus der dunkelsten Zeit unserer Geschichte kommende Verantwortung“ bedeute, Warnungen derer ernst zu nehmen, die überlebt haben und „die Stimmen derer zu hören, die nicht mehr sprechen können“.
Derzeit würden, so Deffner, antisemitische, antiisraelische, rassistische und menschenverachtende Parolen wieder lautstark geäußert. Deshalb sei es wichtig, an einem Tag wie dem Holocaust-Gedenktag sich immer wieder zu vergewissern, wofür diese Gesellschaft stehe. Das sind nach den Worten des Oberbürgermeisters die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die offene und demokratische Gesellschaft sowie der Respekt und die Solidarität allen Menschen gegenüber.
„Wir können dafür sorgen, dass sich die dunkelsten Kapitel nicht wiederholen“, so sein Appell. Und Deffner stellte die Forderung auf, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder völlig sicher sein müsse.
Die Schülerinnen Lotta Reinsch, Aljana Ruttkowski und Amelie Sand aus der Klasse 11a des Theresien-Gymnasium verlasen Texte, die sie mit ihrer Geschichtslehrerin Michaela Leithner erarbeitet hatten und die ihre Gedanken zum Umgang mit den Verbrechen der Nationalsozialisten zum Ausdruck brachten. Ihre Forderung war unmissverständlich, dass das Erinnern kein Ende haben dürfe mit Blick auf die gegenwärtige politische Auseinandersetzung.
Dekan Dr. Matthias Büttner stellte das Leben und das Wirken von Oskar Schindler, der vor 52 Jahren verstorben ist, in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Anfangs wollte Schindler vom Krieg profitieren und wandelte sich dann zu einem, der alles aufs Spiel setzte, um Juden zu retten. Eine Idee, die alle Grenzen des Alltäglichen überschreite, gebe den Blick frei auf das Reich Gottes, so der Dekan.
Der Sprecher der Bürgerbewegung für Menschenwürde, Dr. Oliver Schwab, unterstrich, dass der Holocaust das Ergebnis eines jahrelangen Prozesses gewesen sei, der Juden immer mehr aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen und sie dann der Vernichtung preisgegeben habe. Mit dem Holocaust wurden jahrhundertealte Vorurteile, die Juden abwerten, in staatliches Handeln übernommen.
Die Gesellschaft müsse lernen, jeden einzelnen als Mensch mit seiner unveräußerlichen Würde zu sehen. Dies sei das Fundament von Freiheit und Demokratie. Seine Forderung lautete: „Wir dürfen nicht schweigen, wenn Juden bedroht werden.”
Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkstunde von den beiden Musiklehrern Stefan Hofmann und Barbara Henzold vom Theresien-Gymnasium.