Kahl und grau liegt der Parkplatz der Deutschen Bahn an der Turnitzstraße. Der Asphalt ist brüchig, das Wasser sammelt sich in großen Pfützen. Die Fläche ist eingeschlossen von eher tristen Fassaden und wild wachsenden Büschen. Christoph Brandl will das ändern. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bahn-Parkplätze bunt umzugestalten.
In den vergangenen 13 Jahren hat der freischaffende Künstler aus 15 traurigen Asphalt- und Betonwüsten attraktive Orte in den jeweiligen Stadtbildern gemacht. Wie kam es dazu? Auf einer seiner Foto-Ausstellungen schilderte ihm Dieter Siebert, Marketing-Chef der DB Bahn-Park, die Probleme in einer ihrer Tiefgaragen in Ulm. Wasser des nahe gelegenen Flusses drang immer wieder durch die Wände, sodass diese aufrissen und sich verfärbten. Rost bildete sich. Trotz aller Anstrengungen bekam die Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn das Problem nicht in den Griff.
Siebert fragte, was ein Künstler denn mit dem Problem machen würde. Der Berliner überlegte kurz und sagte: „Macht doch aus den Schäden Kunst und stellt sie aus.“ Gesagt, getan: Brandl machte Fotos der Schäden, vergrößerte diese auf Leinwand und die Bahn-Park stellte diese vor den beschädigten Wänden auf. Extra angeschaffte Strahler sorgten für Galerie-Atmosphäre. Die ungewöhnliche Vernissage kam an: „Zur Eröffnung kamen über 100 Leute. Nebenbei lief der ganz normale Parkbetrieb“, berichtete Brandl.
Besonders stolz ist der 60-Jährige auf die Umgestaltung eines Parkhauses in Gelnhausen. Vandalen beschmierten die Betonwände immer wieder mit Graffiti. Kaum strich die Bahn drüber, waren sie schon wieder verunstaltet. Was machte Brandl? Er holte sich professionelle Spraydosen-Künstler und bemalte die Mauern selbst. Öffentlich wirksam durften auch Kinder und Jugendliche mitmachen. Für die Vandalen wurden sogar Stellen frei gelassen, sodass sich diese weiter austoben konnten. Aber angesichts der professionellen Kunst hatten diese dazu kaum noch Lust. Die Beschädigungen gingen deutlich zurück.
Nun also der Parkplatz an der Turnitzstraße in Ansbach. Die Bahn-Park machte Brandl die Vorgabe, die berühmte Figur Kaspar Hauser als Leitmotiv zu nehmen. Der Künstler dachte sich: „Was wäre, wenn Kaspar Hauser heute am Bahnhof in Ansbach ankommen würde? Ich glaube, er würde über das moderne Leben staunen.“
Verschiedene Motive sollen Stationen des Findelkindes darstellen. Nach Brandls Vorstellung würde Hauser vom Bahnhof auf den Parkplatz treten. Mehrere Türen mit Bildern seines Auffindens sollen dort aufgestellt werden.
Wichtig: Der Asphalt soll nicht erneuert werden, die Schäden werden ins Szenario eingearbeitet. Ein Riss wird zum Anfang des Stängels einer von Kaspar Hauser gemalten Blume. Die Motive entstehen in spezieller Spray- und Asphaltmalfarbe. Wetter und Verkehr machen ihr wenig aus.
Aus der Mitte des Parkplatzes sollen Säulen in Türkis und Gold ragen. Die Büsche rundherum werden durch Eiben, rotblühende Kastanien, Hundsrosen, Fingersträuche und Schneeheiden ersetzt. Brandls Vision: Bürger und Vereine pflegen diese ehrenamtlich, die Mittel stellt die Bahn bereit. Andernorts war das Interesse an solchen Projekten riesig.
Bei der kreativen Ausgestaltung des Asphalts helfen Brandl die Künstler Lukas Kempf, Celina Vinsennau, Nico Höhenleiter und Jessica Andreka aus Ansbach. Das Design der Türen übernimmt Maja Bogaczewicz aus Fürth.
Die Umsetzung beginnt ab sofort. Nacheinander werden die vier Seiten des Parkplatzes gesperrt, es kann also zu Einschränkungen beim Parkbetrieb kommen. Zunächst wird die Böschung um das Gelände herum herausgerissen. Bis Ende des Jahres will Brandl fertig sein.
Eine große Eröffnungsfeier ist für das Frühjahr geplant, „wenn alles bunt erblüht“. Das Programm soll in Absprache mit der Stadt entstehen. An den groben Daten des Parkplatzes ändert sich übrigens nichts: Anzahl und Kosten der Parkplätze sollen beim Alten bleiben.